Sturzprävention: Krankenkassen fördern Kurse mit mindestens 80 Prozent
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere Anbieter und Krankenkassen bewerben aktuelle Kurse zur Sturzprävention sowie freie Plätze in Rehasportgruppen für gesundheitsorientiertes Bewegungstraining. Hintergrund der Maßnahmen ist das Ziel, die Mobilität älterer Menschen zu erhalten, Muskelkraft aufzubauen und folgenschwere Stürze im Alltag systematisch zu vermeiden.
Vielfältige Angebote auf kommunaler Ebene
Vor Ort setzen zahlreiche Kommunen und regionale Vereine auf niedrigschwellige Trainingskonzepte. In Regensburg startet am 19. Oktober 2026 die kostenlose Winteredition des Programms „Sport im Park“, die bis April 2027 an verschiedenen Hallenstandorten läuft und ohne vorherige Anmeldung besucht werden kann.
Unter den neun angebotenen Formaten – darunter Qi Gong, Yogilates, Boule sowie ein am 9. November 2026 beginnender Pilates-Mix – ist die Sturzprävention neu im Programm. Die Termine pausieren an Feiertagen und in den Schulferien, während Nordic Walking auch ferienbegleitend stattfindet.
In Edling organisieren der Bayerische Bauernverband und die Landwirtschaftliche Pflegekasse ab dem 14. Oktober 2026 zwei Kurse zur Sturzprävention im Fitnessstudio Benessere. Die jeweils neun Einheiten umfassenden Angebote sollen Muskelkraft, Gleichgewicht und allgemeines Wohlbefinden stärken, wobei die Kosten laut Veranstalter von den Krankenkassen übernommen werden.
In Ketsch steht am 20. Oktober 2026 im Ferdinand-Schmid-Haus ein kostenloser Alltags-Fitness-Test für Menschen ab 60 Jahren an, bei dem Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit gemessen und individuell ausgewertet werden.
Zusätzlich ergänzen weitere Initiativen die lokale Versorgung. Im Kreis Bad Dürkheim organisieren die Gemeindeschwestern plus regelmäßige Angebote wie Sturzprophylaxe in Lambrecht oder zweiwöchentliche Bewegungseinheiten in Deidesheim für Personen ab 70 Jahren. In Bad Friedrichshall besteht zudem seit neun Jahren ein offener Bewegungstreff, bei dem wöchentlich 25 bis 40 Teilnehmende im Freien trainieren, um das Sturzrisiko zu minimieren.
Zertifizierung und finanzielle Förderung
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Für gesetzlich Versicherte eröffnen strukturierte Präventionsprogramme erhebliche Fördermöglichkeiten. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) verwies auf das Portal praevention-direkt-finden.de, das zertifizierte Angebote bündelt.
Die Zentrale Prüfstelle Prävention prüft jährlich über 100.000 Anträge; im Bestand befinden sich über 120.000 Angebote, darunter rund 65.000 Bewegungskurse. Gut 1,9 Millionen Versicherte nutzen diese Angebote jährlich, wobei Zertifizierungen alle drei Jahre erneuert werden müssen.
Auch landwirtschaftliche Träger setzen auf Prävention. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bezuschusst qualitätsgesicherte Kurse – wie das Programm „Trittsicher durchs Leben“ – über die Landwirtschaftliche Krankenkasse mit mindestens 80 Prozent der Kosten für bis zu zwei Kurse pro Kalenderjahr.
Medizinische Risiken und Sturzhäufigkeit
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Dass zielgerichtete Trainings dringend notwendig sind, unterstreichen epidemiologische Untersuchungen. Laut Daten der Organisation VeiligheidNL verzeichnen die Notaufnahmen in den Niederlanden jährlich 124.000 Behandlungen von Menschen ab 65 Jahren infolge von Stürzen.
Insgesamt stürzt dort rund eine Million von drei Millionen Senioren mindestens einmal im Jahr, wobei die Sturzrate bei über 85-Jährigen fast doppelt so hoch liegt wie bei 65-Jährigen.
Ergebnisse der Studie „Gesundheit 65+“ verdeutlichen zudem den Einfluss von Multimedikation. Nahezu jede zweite hochbetagte Person nahm demnach mindestens fünf Medikamente parallel ein, darunter häufig Substanzen mit sturzrisikosteigernder Wirkung (FRID).
Neben der Medikation erwiesen sich Sehprobleme, Harninkontinenz und depressive Symptome als wesentliche Risikofaktoren. Fachleute empfehlen daher eine Kombination aus regelmäßigen Medikations- und Sehkontrollen sowie angepasstem körperlichem Funktionstraining.
