SturzprÀvention, Judo-Falltechniken

SturzprĂ€vention: „ZekerBewegen“ verbindet Judo-Falltechniken mit Seniorentraining

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Programm ZekerBewegen verbindet Falltechniken und Bewegungstraining, um Ă€ltere Menschen auf StĂŒrze vorzubereiten.

Gelderland startet Judo-Falltraining gegen StĂŒrze bei Ă€lteren Menschen
Ein heller, minimalistischer Übungsraum mit Holzboden und leeren Sportmatten fĂŒr PrĂ€ventionskurse. Illustration mit AI erstellt.

StĂŒrze im Alter stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und fĂŒhren regelmĂ€ĂŸig zu schweren Verletzungen oder dem Verlust der SelbststĂ€ndigkeit. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzen regionale TrĂ€ger und SportverbĂ€nde verstĂ€rkt auf koordinierte PrĂ€ventionsmaßnahmen.

Am 1. Oktober 2026 starteten die Provincie Gelderland, der Judo Bond Nederland und die Gelderse Sport Federatie im Rahmen der landesweiten SturzprĂ€ventionswoche eine intensivierte Umsetzung des Programms „ZekerBewegen“.

Die Initiative dient zugleich als Vorbereitung auf die Europameisterschaft im Judo, die vom 14. bis 18. April 2027 im Omnisport Apeldoorn unter dem Motto „Iedere val is een les“ stattfindet.

Zum Auftakt absolvierten 15 Seniorinnen und Senioren im Alter von 65 bis 87 Jahren eine Praxiseinheit. Das offizielle Startsignal gaben die Regionalpolitikerin Helga Witjes, Turnierdirektor Mark Huizinga und Nathan Stukker von der Gelderse Sport Federatie, wie aus einem Bericht von Anfang Oktober 2026 hervorgeht.

Hohe Sturzzahlen verdeutlichen Handlungsbedarf

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen belegen Erhebungen aus dem Gesundheitssektor. Nach Angaben der Provincie Gelderland wird in den Niederlanden alle fĂŒnf Minuten eine Person ĂŒber 65 Jahren nach einem Sturz in einer Notaufnahme behandelt.

Das Fachinstitut Veiligheid.nl verwies zudem darauf, dass im Jahr 2025 fast achttausend Menschen in den Niederlanden an den Folgen eines Sturzes starben, wobei Personen ĂŒber 80 Jahren die grĂ¶ĂŸte Risikogruppe bilden.

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Auch in Deutschland sind die Zahlen hoch. Nach Angaben des Bundesinstituts fĂŒr Öffentliche Gesundheit stĂŒrzt fast jede vierte Person ab 65 Jahren mindestens einmal jĂ€hrlich, wĂ€hrend 13 Prozent sogar mehr als zwei StĂŒrze pro Jahr erleiden.

Zur Risikominimierung rĂ€t das Institut neben Kraft- und Gleichgewichtstraining zu regelmĂ€ĂŸigen MedikationsprĂŒfungen, da Beruhigungs- und Schlafmittel die Muskelkraft beeintrĂ€chtigen können, sowie zur Reduktion von Stolperfallen im Wohnumfeld und zur Kontrolle der SehstĂ€rke.

Kraftverlust im Alter und prÀventives Training

Der altersbedingte Abbau körperlicher Ressourcen beginnt frĂŒh. Sportwissenschaftler Stephan Geisler von der IST-Hochschule DĂŒsseldorf erlĂ€uterte, dass bei einem inaktiven Lebensstil ab dem 30. Lebensjahr pro Dekade etwa 3 bis 8 Prozent der Muskelmasse verloren gehen. Ab dem 60. Lebensjahr beschleunige sich dieser Prozess spĂŒrbar.

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Geisler warnte in diesem Zusammenhang vor enormen Belastungen der Pflegesysteme durch die alternde Generation der Babyboomer. RegelmĂ€ĂŸiges Muskeltraining helfe bei rund 35 chronischen Erkrankungen, darunter Osteoporose und Typ-2-Diabetes. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt fĂŒr Erwachsene wöchentlich mindestens 150 Minuten moderate Bewegung kombiniert mit zwei Krafttrainingseinheiten.

Die Verbindung von Falltechniken aus dem Kampfsport mit klassischer SturzprĂ€vention, wie sie das Programm „ZekerBewegen“ nutzt, soll Hemmschwellen abbauen. Teilnehmende lernen dabei kontrolliertes Abrollen und den Schutz empfindlicher Körperpartien, um die Folgen eines unvermeidlichen Sturzes abzumildern.

Kommunale Vernetzung und Praxisangebote

Parallel zur regionalen Kampagne in Gelderland fand die niederlĂ€ndische SturzprĂ€ventionswoche vom 28. September bis zum 4. Oktober 2026 statt. Kommunale TrĂ€ger wie Sportservice De Vallei koordinierten Aktionen in Wageningen, Ede und Rhenen, darunter die Programme „Meer Bewegen voor Ouderen“ sowie „Doortrappen“, das sicheres Radfahren bis ins hohe Alter fördern soll.

In der Gemeinde Nijkerk untersuchte ein Quartiersprojekt bauliche Hindernisse wie schiefe BĂŒrgersteige und lose Fliesen, die von Älteren hĂ€ufig als Sturzursachen genannt wurden. Über lokale Beratungsstellen erhalten Senioren dort nach individuellen Tests gezielte Bewegungsempfehlungen.

Die Kombination aus gezieltem Muskelaufbau, BalanceĂŒbungen und praxisnahen Fallschulungen gewinnt damit ĂŒber die SportverbĂ€nde hinaus als Baustein der öffentlichen Gesundheitsvorsorge an Bedeutung.

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