Suchtverhalten: 300.000 Kinder zeigen digitale Abhängigkeit
24.06.2026 - 16:27:13 | boerse-global.de
Eine Expertenkommission der Bundesregierung hat am Mittwoch 56 Empfehlungen für einen besseren Jugendschutz im digitalen Raum vorgelegt. Bundesfamilienministerin Karin Prien nahm den Maßnahmenkatalog entgegen. Kernforderung: eine gesetzliche Altersgrenze für die Nutzung sozialer Medien.
Rund 300.000 Kinder und Jugendliche zeigen Suchtverhalten
Die Kommission reagiert damit auf alarmierende Zahlen. Rund eine Million Minderjährige in Deutschland nutzen digitale Plattformen auf problematische Weise. Bei etwa 300.000 liegt bereits ein eindeutiges Suchtverhalten vor.
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Um das zu ändern, schlagen die Experten zwei Regulierungsoptionen vor. Die erste: ein striktes gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren. Darunter soll ein Erlaubnisvorbehalt gelten, der nur kindgerechte Angebote zulässt. Für 13- bis 18-Jährige empfehlen sie abgestufte Schutzvorkehrungen. Die zweite Option setzt auf risikobasierte Beschränkungen einzelner Dienste – angelehnt an den Digital Services Act der EU.
Prien sprach sich klar für die Altersgrenze von 13 Jahren aus. Sie bevorzugt eine europäische Lösung, bereitet aber bereits nationale Regelungen vor, falls die EU nicht schnell genug handelt.
Plattformen in der Pflicht: Keine Endlos-Feeds für Minderjährige
Die Vorschläge nehmen die Betreiber sozialer Netzwerke stärker in die Verantwortung. KI-basierte Chatbots sollen erst ab 13 Jahren erlaubt sein. Für Plattformen wie TikTok oder Instagram fordern die Experten ein Verbot von algorithmisch personalisierten Feeds, Endlos-Feeds und personalisierter Werbung für Minderjährige. Auch suchtverstärkende Funktionen müssen technisch unterbunden werden.
Ein zentrales Problem bleibt die verlässliche Altersprüfung. Als mögliche Lösung gilt die EUDI-Wallet, eine digitale europäische Brieftasche, die 2027 kommen soll. Bis dahin fordert das Ministerium wirksame Übergangsmechanismen.
Handyverbot an Schulen und „KI-Seepferdchen“ geplant
Ergänzend zu den Verboten setzt das Konzept auf Bildung. Vorgeschlagen wird ein Handyverbot an Schulen bis zur siebten Klasse. In Grundschulen soll ein sogenanntes „KI-Seepferdchen“ die Medienkompetenz fördern. Zudem ist eine bundesweite „Kinderonlinewache“ als spezialisierte Meldestelle für digitale Gewalt geplant.
Streit um die genaue Altersgrenze
Innerhalb der Regierung gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Während Prien bei 13 Jahren bleibt, hält die SPD an einer Grenze von 14 Jahren fest. Die Unionsfraktion plädiert für variable Altersgrenzen, die sich am spezifischen Risiko der jeweiligen App orientieren – überwacht durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz.
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Kritik kommt vom Sozialverband Deutschland, der pauschale Verbote ablehnt. Auch Schüler- und Elternvertretungen fordern weniger Verbote, dafür mehr Medienkompetenz-Förderung.
Internationaler Trend zu strengeren Regeln
Deutschland ist mit diesen Plänen nicht allein. Australien hat seit Ende 2025 ein Verbot für unter 16-Jährige. In Europa haben Frankreich (ab 15 Jahren) sowie Spanien und Großbritannien (ab 16 Jahren) ähnliche Schritte eingeleitet oder planen sie. Die Expertenkommission betont: Mit den vorgelegten Maßnahmen könne Deutschland an diese internationalen Standards anschließen.
