Sucralose, Mäusen

Sucralose bei Mäusen: 14 Wochen verändern Darmflora und Entzündungswerte

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tierexperimente deuten auf Veränderungen von Darmflora, Leber und Gehirn hin; Studien am Menschen liefern bislang unterschiedliche Ergebnisse.
Laborausrüstung mit Glasgefäßen und Petrischalen auf einem sterilen Labortisch bei natürlichem Lichteinfall Illustration mit AI erstellt.

In einer im Fachjournal Nutrients veröffentlichten Untersuchung der südkoreanischen Nationaluniversität Chungnam rückt der künstliche Süßstoff Sucralose erneut in den Mittelpunkt der Stoffwechselforschung.

Nach einer 14-wöchigen Verabreichung von Sucralose in einer Dosierung von 5 mg/kg Körpergewicht an junge Mäuse beobachteten die Forscher Veränderungen der Darmmikroflora sowie einen Rückgang der Bakterienvielfalt. Die Ergebnisse erweitern die fortlaufende wissenschaftliche Debatte über die physiologischen Wirkungen zuckerfreier Zusatzstoffe.

Befunde zur Darm-Leber-Gehirn-Achse im Tiermodell

Die Verabreichung von Sucralose störte bei den Versuchstieren die Regulation des Cholesterinstoffwechsels in der Leber, wenngleich die Cholesterinwerte im Blut keine wesentlichen Veränderungen aufwiesen. Zudem veränderte der Süßstoff die Aktivität entzündungsassoziierter Gene im Lebergewebe. Ein Teil dieser Effekte trat in Abhängigkeit von zusätzlichem chronischem Stress auf, dem eine Gruppe der Mäuse ausgesetzt war.

Im Nervengewebe verstärkte Sucralose Entzündungszeichen im Gehirn; parallel dazu zeigten die Tiere häufiger depressionsähnliche Verhaltensweisen. Die Studienautoren vermuten eine Verbindung der beobachteten Reaktionen über die sogenannte Darm-Leber-Gehirn-Achse, weisen jedoch darauf hin, dass die genauen Mechanismen unklar sind.

Zudem sei die Aussagekraft durch das Tiermodell begrenzt. Direkte Rückschlüsse auf den Menschen gelten laut den Forschern als verfrüht, die Übertragbarkeit der Resultate bleibt offen.

Generationenübergreifende Effekte und Wechselwirkungen im Mikrobiom

Frühere tierexperimentelle Arbeiten zeigten bereits tiefgreifende biologische Reaktionen. In einer Untersuchung der Universität Chile erhielten ausschließlich Tiere der Elterngeneration Sucralose oder Stevia über das Trinkwasser. In der zweiten Generation wiesen die Nachkommen männlicher Sucralose-Mäuse teilweise erhöhte Nüchternblutzuckerwerte auf.

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Zudem verringerte Sucralose kurzkettige Fettsäuren im Darmmikrobiom, steigerte die Aktivität entzündungsassoziierter Darmgene und senkte Stoffwechselgene in der Leber. Diese Effekte zeigten sich bei Sucralose ausgeprägter und persistenter als bei Stevia.

Auf molekularer Ebene untersuchte eine Arbeitsgruppe der University of Cambridge an der MRC Toxicology Unit unter der Leitung von Sonja Blasche und Kiran Patil im Juni das Zusammenspiel von 25 Bakterienarten und 39 kommerziellen Süßstoffen.

Wie die in Molecular Systems Biology veröffentlichte Arbeit festhält, hemmten rund 75 Prozent der getesteten Süßstoffe das Wachstum mindestens eines Mikroorganismus. Bei Kombinationen mit Koffein, Vanillin und acht Medikamenten traten über 100 Effektänderungen auf, darunter 34-fache Verstärkungen und 68-fache Abschwächungen.

Isosteviol in Verbindung mit dem Antidepressivum Duloxetin hemmte beispielsweise die Spezies Roseburia intestinalis sowie Parabacteroides merdae und reduzierte die mikrobielle Diversität.

Widersprüchliche Datenlage aus Humanstudien

Auch klinische Untersuchungen am Menschen liefern uneinheitliche Resultate. Eine im Jahr 2022 im Fachjournal Cell veröffentlichte Studie an 120 Erwachsenen zeigte nach zweiwöchiger Einnahme von Saccharin und Sucralose eine verschlechterte Blutzuckerreaktion und Veränderungen der Darmbakterien.

Eine Untersuchung der University of Southern California aus dem Jahr 2025 mit 75 Erwachsenen in Nature Metabolism ergab, dass das Hungergefühl nach einem Sucralose-Getränk größer war als nach einem zuckerhaltigen Getränk, während im Vergleich zu Wasser kein Unterschied bestand.

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Eine Metaanalyse der University of Manitoba im Canadian Medical Association Journal, die 30 Studien mit 400.000 Teilnehmenden auswertete, verknüpfte regelmäßigen Süßstoffkonsum mit langfristiger Gewichtszunahme sowie Herzkrankheiten; ein Nachweis für eine gewichtsreduzierende Wirkung fehlte.

Studienleiterin Meghan Azad verwies auf denkbare negative Auswirkungen auf Stoffwechsel, Darmflora, Herz-Kreislauf-System und Appetit, während Ryan Zarychanski eine laufende Analyse von Stuhlproben nach mehrwöchigem Konsum zuckerfreier Getränke anführte. Die Weltgesundheitsorganisation stützt diese Zurückhaltung und verweist auf einen möglicherweise fehlenden Nutzen bei der Gewichtskontrolle sowie potenzielle Risiken für Typ-2-Diabetes.

Demgegenüber stehen Ergebnisse aus den klinischen Interventionsstudien SWEET, SWITCH und Sweet Tooth, die in Nutrients ausgewertet wurden. Bei Hunderten Erwachsenen über Zeiträume von bis zu einem Jahr führten Süßstoffe weder zu gesteigertem Verlangen nach Süßem noch zu höherem Appetit.

In der SWEET-Studie mit 341 Erwachsenen verzeichnete die Süßstoffgruppe über ein Jahr hinweg 1,6 kg mehr gehaltene Gewichtsabnahme. Risikorelevante Unterschiede bei Nüchternblutzucker, Insulin und HbA1c traten im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht auf.

Die Autoren schränken jedoch ein, dass die Daten überwiegend von europäischen Erwachsenen in Programmen zur Gewichtsreduktion stammen, weshalb weitere Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen erforderlich seien.

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