Südkorea, Level-4-Robotaxis

Südkorea: Level-4-Robotaxis mit 15.000-km-Testfahrt-Pflicht

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 10:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Südkorea veröffentlicht strenge Sicherheitsstandards für autonome Fahrzeuge der Stufe 4 und treibt die Kommerzialisierung von Robotaxis voran.

Südkorea: Neue Regeln für fahrerlose Level-4-Autos
Südkorea - Schlanke, futuristische fahrerlose Autos in einer modernen südkoreanischen Stadtlandschaft in der Dämmerung mit beleuchteten Gebäuden. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Sicherheitsrichtlinien für Level-4-Fahrzeuge sollen den Weg in die fahrerlose Zukunft ebnen – und könnten zum Vorbild für andere Nationen werden.

Harte Auflagen für die Zulassung

Südkoreas Ministerium für Land, Infrastruktur und Verkehr (MOLIT) hat am heutigen Dienstag umfassende Sicherheitsrichtlinien für unbemannte selbstfahrende Autos veröffentlicht. Das Regelwerk definiert erstmals verbindliche Leistungs- und Überwachungsstandards für Fahrzeuge der Autonomiestufe 4 – also jene, die komplett ohne menschlichen Sicherheitsfahrer auskommen.

Die Hürden für eine Betriebserlaubnis sind hoch: Jedes autonome Fahrzeug muss vor der Zulassung mindestens 15.000 Kilometer absolviert haben. Um diese Schwelle zu erreichen, dürfen Hersteller die Fahrleistungen von bis zu fünf Fahrzeugen mit demselben autonomen System zusammenrechnen. Voraussetzung: Jedes einzelne Fahrzeug hat mindestens 3.000 Kilometer Testfahrt vorzuweisen. Während dieser Erprobung darf ein menschlicher Testfahrer im Schnitt nur einmal alle 160 Kilometer eingreifen.

Lückenlose Überwachung als Pflicht

Die neuen Standards verlangen von allen unbemannten Fahrzeugen eine Echtzeit-Überwachung und Zwei-Wege-Kommunikation mit einer externen Leitstelle. Zur Sicherheitsausstattung gehören eine ferngesteuerte Notbremsfunktion, ein physischer Notfall-Stopp-Knopf für Passagiere sowie ein unabhängiges Notbremssystem. Bei Systemausfällen oder wenn ein Fahrzeug seinen vorgesehenen Betriebsbereich verlässt, muss es automatisch die Leitstelle alarmieren, die Warnblinkanlage aktivieren und sicher anhalten. Die Vorschriften orientieren sich an den internationalen Standards der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) für automatisierte Fahrsysteme.

Gesetzespaket für die Robotaxi-Ära

Die Sicherheitsrichtlinien sind nur ein Teil einer größeren Offensive. Bereits am vergangenen Sonntag kündigte MOLIT ein spezielles Gesetzesvorhaben zur beschleunigten Kommerzialisierung von Level-4-Fahrzeugen an. Dieses soll unter anderem die Haftungsfrage bei Unfällen klären, Versicherungslösungen bereitstellen und klare Regeln für Datenerhebung und -nutzung schaffen. Die Regierung erhofft sich davon weniger Rechtsunsicherheit für Betreiber von Robotaxis und autonomen Shuttles.

Anzeige

Während Südkorea die rechtlichen Weichen für autonomes Fahren stellt, fließen weltweit Milliarden in die Schlüsseltechnologien Robotik und KI. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Unternehmen die nächste industrielle Revolution anführen und am stärksten von diesem Wandel profitieren. Jetzt gratis herausfinden, wer die Gewinner der neuen Industrierevolution sind

Einen tag später, am Montag, brachte der Abgeordnete Park Yong-gap einen Gesetzesentwurf ein, der die Zulassung für autonome Fahrzeuge ausweiten soll. Sein Vorschlag: Auch private Taxi-Verbände mit nachgewiesenen Sicherheitskompetenzen sollen künftig an autonomen Demonstrationsprojekten teilnehmen dürfen. Das würde es den landesweit 164.731 privaten Taxis – fast 67 Prozent der gesamten Taxiflotte – ermöglichen, in die autonome Zukunft einzusteigen. Bislang ist die Teilnahme an solchen Projekten weitgehend auf öffentliche Einrichtungen und gewerbliche Transportunternehmen beschränkt.

Milliarden-Investitionen und KI-Strategie

Die südkoreanische Regierung hat die autonome Mobilität zu einer Säule ihrer KI-getriebenen Wirtschaftsstrategie erklärt. Finanzminister Koo Yun-cheol kündigte am Montag Maßnahmen an, um Vorschriften zu modernisieren und die KI-Einführung im Dienstleistungssektor zu beschleunigen – einem Bereich, der 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Die Pläne umfassen auch Unterstützung für neue Mobilitätsdienste wie urbane Luftmobilität.

Die Privatwirtschaft zieht mit: Die Hyundai Motor Group gab am Montag ein Investitionspaket von umgerechnet rund 27,3 Milliarden Euro bekannt, das über die nächsten zehn Jahre fließen soll. Kernstück ist der Bau eines KI-gesteuerten Fahrzeugproduktionszentrums im Werk Ulsan. Ein reines Elektroauto-Werk am selben Standort soll bereits im vierten Quartal 2026 den Betrieb aufnehmen.

Anzeige

Die technologische Entwicklung bei autonomen Systemen und KI schreitet rasant voran und bietet enorme Chancen für weitsichtige Investoren. Dieser kostenlose Experten-Report von finanztrends.de enthüllt, wo das große Geld aktuell hinfließt und welche Unternehmen die Marktführer von morgen sein könnten. Kostenlosen Report über die größte Industrierevolution seit Jahrzehnten sichern

Erste Pilotprojekte starten noch dieses Jahr

Mehrere Kommunen haben bereits konkrete Zeitpläne für die Einführung vorgelegt. Die Stadtverwaltung von Seoul plant, im November 2026 im Stadtteil Sangam Level-4-Robotaxis auf die Straße zu bringen. Das Projekt ist Teil einer umfassenderen „Smart-Living“-Initiative, die auch KI-gestützte Überwachungskameras zur Katastrophenprävention umfasst.

In der Planstadt Hwaseong soll 2027 ein autonomer Shuttle-Service im Neubaugebiet Dongtan New Town starten. Die Stadt bereitet dafür bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Infrastruktur vor – von Präzisionskarten bis zu speziellen Fahrbahnmarkierungen. Nach Testfahrten im Januar 2027 soll der Dienst bis Jahresende laufen, um die Praxistauglichkeit der Technologie im öffentlichen Nahverkehr zu prüfen.

Parallel zu den Fortschritten bei hohen Autonomiestufen arbeitet das Ministerium auch an Regelungen für niedrigere Assistenzsysteme. Bereits im nächsten Monat soll eine Gesetzesnovelle „Fahrerassistenzsysteme“ (DCAS) regeln – also Stufe-2-Systeme, die ständige menschliche Aufsicht erfordern. Diese unterscheiden sich grundlegend von den nun veröffentlichten Level-4-Standards für vollständig fahrerlosen Betrieb.

de | wissenschaft | 69711861 |