Südkorea, Vietnam

Südkorea und Vietnam: Biometrie gegen Betrug ab sofort

Veröffentlicht am: 05.07.2026 um 16:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue biometrische Pflichten in Südkorea und Vietnam sollen Betrug eindämmen. Zugleich warnen Forscher vor neuer Malware für Android und macOS.

Südkorea und Vietnam verschärfen Sicherheitsregeln für Mobilfunk und Banking
Smartphone-Bildschirm mit Fingerabdruckscan, digitalen Sicherheitselementen und verschwommenen Regierungsgebäuden im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ab dem heutigen Sonntag müssen in Südkorea alle Neuanschlüsse von Mobiltelefonen per Gesichtserkennung oder digitalem Ausweis freigegeben werden. Die Regelung gilt für sämtliche Vertriebswege – vom Ladengeschäft bis zum Online-Shop.

Die südkoreanischen Behörden betonen, dass die erfassten Gesichtsbilder nach dem Abgleich sofort gelöscht werden. Ein Speichern der biometrischen Daten findet nicht statt. Damit will die Regierung Datenschutzbedenken entgegenwirken, während sie gleichzeitig den Kampf gegen Betrug und Identitätsdiebstahl verschärft.

Vietnam blockiert Milliardenbeträge

Noch einen Schritt weiter geht Vietnam: Seit dem 1. Juli schreibt die staatliche Zentralbank mit der Circular 77/2025 biometrische Verifikation für alle Banktransaktionen vor. Die Systeme müssen den internationalen Standard ISO 30107 Level 2 erfüllen und werden zudem verpflichtend auf Deepfake-Angriffe getestet.

Die Maßnahmen zeigen erste Erfolge. Bis zum 29. Juni konnten vietnamesische Banken über 5,2 Billionen Vietnamesische Dong (rund 200 Millionen Euro) an betrügerischen Transaktionen abwehren. Die Behörden haben bereits biometrische Daten von rund 163 Millionen Privatpersonen und 2,6 Millionen Organisationen erfasst und abgeglichen.

Neue Malware zielt auf Bezahlsysteme

Doch während die Regulierungen strenger werden, entwickeln Kriminelle immer raffiniertere Methoden, um die Sicherheitssysteme zu umgehen. Sicherheitsforscher haben eine neue Android-Malware entdeckt, die speziell auf Tap-to-Pay-Funktionen abzielt. Die Schadsoftware tarnt sich als legitime Banking-App und nutzt die NFC-Schnittstelle, um Kreditkartendaten und PINs direkt vom Gerät auszulesen.

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Die Angreifer aktualisieren ihre schädlichen Dateien regelmäßig über GitHub, wie das italienische Sicherheitsunternehmen D3Lab berichtet. Besonders perfide: Die Malware verbreitet sich über gefälschte Banking-Apps, die Nutzer auf betrügerischen Webseiten herunterladen.

macOS im Visier: „PamStealer" entdeckt

Auch Apple-Nutzer sind nicht sicher. Am 3. Juli entdeckten Forscher den Infostealer „PamStealer", der eine Schwachstelle in macOS ausnutzt. Die Schadsoftware missbraucht Apples eigene Pluggable Authentication Module (PAM)-Schnittstelle. Über legitime Funktionen wie pam_start und pam_authenticate kann die Malware gestohlene Passwörter lokal überprüfen – ohne verdächtige Prozesse auszulösen.

Der „PamStealer" verbreitet sich über gefälschte Download-Seiten für beliebte Programme. Im Visier der Angreifer: Browserdaten, iCloud-Schlüsselbunde und Kryptowährungs-Wallets.

Die Schwäche der Muster: 95 Prozent geknackt

Doch nicht nur neue Malware bereitet Sicherheitsexperten Sorgen. Auch etablierte Alternativen zu Passwörtern sind anfällig. Forscher der Universitäten Lancaster und Bath konnten 95 Prozent von 120 Android-Sperrmustern in weniger als fünf Versuchen knacken. Dafür nutzten sie Computer-Vision-Algorithmen und Videoaufnahmen von Nutzern beim Entsperren ihrer Geräte.

Die paradoxe Erkenntnis: Komplexe Muster sind sogar leichter zu entschlüsseln als einfache. Die Forscher empfehlen daher, auf PINs oder Passcodes zu setzen.

Biometrie: Weniger rechtlicher Schutz

Ein weiteres Problem: Biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke oder Gesichtsscans genießen in vielen Ländern weniger rechtlichen Schutz als alphanumerische Codes. In den USA etwa schützt der Fünfte Verfassungszusatz zwar vor erzwungener Preisgabe eines Passworts – bei biometrischen Daten sieht die Rechtslage anders aus. Ermittlungsbehörden können Verdächtige leichter zwingen, ihr Gerät per Fingerabdruck zu entsperren.

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Hinzu kommt die Bedrohung durch KI-generierte Deepfakes und hochwertige Silikonmasken. Systeme ohne robuste Tiefenerkennung oder Lebenderkennung lassen sich damit oft überlisten.

Hardware-Sicherheitsschlüssel im Aufwind

Die wachsenden Sicherheitsanforderungen treiben den Markt für spezialisierte Hardware. Branchenanalysten erwarten für den Markt der Swipe-Sensoren ein jährliches Wachstum von sieben bis zehn Prozent bis 2035. Der asiatisch-pazifische Raum wird dabei bis zu 60 Prozent der weltweiten Nachfrage ausmachen.

Der Zubehörhersteller Kensington hat kürzlich seine VeriMark NFC+ Security Keys vorgestellt. Die Schlüssel kosten rund 95 Euro, nutzen die Standards FIDO2 und WebAuthn und ermöglichen biometrisch abgesicherte Anmeldungen bei Diensten wie Microsoft 365, AWS und GitHub.

Diese Entwicklungen passen in einen größeren Trend: Apples kommendes iOS 27 soll schwache Passwörter automatisch durch kryptografisch starke Alternativen ersetzen. Der Abschied vom klassischen Passwort – er kommt schneller als viele denken.

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