Süßwasserfund, Venedig

Süßwasser bei Venedig entdeckt: Unterirdischer Speicher so groß wie der Gardasee

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 10:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Forschende haben in der Küstenregion bei Venedig ein gewaltiges, von Lehmschichten geschütztes Süßwasservorkommen entdeckt. Ob und in welchem Umfang der unterirdische Speicher genutzt werden kann, ist noch offen.

Forscher entdecken ein unterirdisches Süßwasservorkommen von der Größe des Gardasees. (Symboldbild)    - Bild: Daniel Reinhardt/dpa
Forscher entdecken ein unterirdisches Süßwasservorkommen von der Größe des Gardasees. (Symboldbild) - Bild: Daniel Reinhardt/dpa

In der norditalienischen Küstenregion bei Venedig haben Forschende ein eingeschlossenes Süßwasservorkommen mit einer geschätzten Fläche von 25.000 bis 30.000 Hektar entdeckt.

Vorkommen in tiefen Erdschichten

Nach Angaben des Verbandes Consorzio di Bonifica Adige Euganeo entspricht die Fläche ungefähr der Größe des Gardasees. Der Ingenieur und Projektleiter Lorenzo Frison bezeichnete das Vorkommen als unterirdischen See und als Aquitard – einen unterirdischen Speicher aus Lehm oder Ton.

Das Wasser liegt demnach in tiefen wasserführenden geologischen Schichten. Die umgebenden Lehmschichten schützen es nach bisherigen Erkenntnissen vergleichsweise gut vor dem zunehmenden Eindringen von Salzwasser.

Oberflächennahes Grundwasser versalzt

In der Region steigt unter anderem Meerwasser in Flüsse auf. Weniger Wasser in den Flüssen kann diesen Prozess verstärken. Das oberflächennahe Grundwasser sei bereits stark versalzt, erläutern die Forschenden.

In sieben Metern Tiefe erreiche der Salzgehalt 14 Gramm pro Liter. Meerwasser enthält typischerweise etwa 35 Gramm pro Liter; für landwirtschaftliche Kulturen sei der gemessene Wert dennoch schädlich.

Wasservolumen noch nicht bestimmt

Die Erkenntnisse stammen aus dem europäischen Forschungsprojekt SWAMrisk, an dem auch kroatische Forschende beteiligt waren. Das Projekt untersucht die Folgen des Klimawandels für küstennahe Grundwassersysteme an der Adria und soll dazu beitragen, Dürrerisiken und Salzwasserintrusion zu begrenzen.

Wie groß das tatsächliche Wasservolumen ist und ob der Speicher genutzt werden kann, bleibt zunächst offen. In der Region weckt der Fund große Hoffnung.

Hoffnung auf Hilfe für die Landwirtschaft

Matteo Baldan, Vize-Fraktionsvorsitzender der Partei Fratelli d’Italia im Regionalrat von Venetien, bezeichnete die Entdeckung als wichtige Nachricht für ein weitläufiges Gebiet. Das Vorkommen könne eine zusätzliche Möglichkeit bieten, künftige Wasserkrisen auch in der Landwirtschaft zu bewältigen.

Baldan betonte zugleich, die Ressource müsse weiter erforscht werden. Eine mögliche Nutzung dürfe das hydrogeologische Gleichgewicht nicht beeinträchtigen.

Wasser unter steigendem Druck

Die Entdeckung fällt in eine Phase, in der die Verfügbarkeit von Süßwasser in vielen Regionen stärker als strategische Frage betrachtet wird. Küstengebiete sind dabei besonders verwundbar: Sinkende Flussabflüsse, längere Trockenperioden und der steigende Meeresspiegel können das Eindringen von Salzwasser in oberflächennahe Grundwasserschichten begünstigen.

Für die Region Venetien ist die Trennung zwischen oberflächennahem und tieferem Grundwasser entscheidend. Der beschriebene Aquitard könnte das Süßwasser vor einer unmittelbaren Vermischung mit salzhaltigem Wasser schützen. Größe und Ausdehnung der geologischen Struktur sagen jedoch noch nichts darüber aus, wie viel Wasser tatsächlich entnommen werden könnte oder wie schnell sich der Speicher regeneriert.

Potenzial mit Grenzen

Eine Nutzung müsste deshalb hydrogeologisch sorgfältig geprüft werden. Zu starke Entnahmen könnten den Druck in den tiefen Schichten verändern, die Verbindung zu anderen Grundwasserleitern beeinflussen oder das hydrogeologische Gleichgewicht an der Küste stören. Hinzu kämen Fragen nach Wasserqualität, Aufbereitung, Leitungsinfrastruktur und Genehmigungen.

Die Bedeutung reicht über die Landwirtschaft hinaus. Wasserpolitik setzt zunehmend darauf, Niederschläge und Grundwasser länger in der Landschaft zu halten, statt sie möglichst schnell abzuleiten. Das Vorkommen bei Venedig könnte damit ein zusätzlicher Baustein für die Anpassung an Dürren sein, ersetzt aber weder sparsamen Verbrauch noch den Schutz bestehender Wasserressourcen.

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