SuizidprĂ€vention, SchĂŒler

SuizidprĂ€vention: 3,5% der SchĂŒler berichten Suizidversuche

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 13:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das UKW setzt auf PrÀvention an Schulen und mentale Ersthilfe, wÀhrend FachverbÀnde ein stÀrkeres Gesetz und mehr Hilfsangebote verlangen.
Ein ruhiger Park bei Sonnenaufgang mit sanftem Licht und weiten GrĂŒnflĂ€chen, das Ruhe und mentale StabilitĂ€t symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts des bevorstehenden Welttags der SuizidprĂ€vention am 10. September rĂŒcken aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und neue PrĂ€ventionsprogramme verstĂ€rkt in den Fokus der Fachöffentlichkeit.

Das UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg (UKW) sowie verschiedene FachverbĂ€nde nutzen den Anlass, um auf die Notwendigkeit flĂ€chendeckender Hilfsangebote und gesetzlicher Neuregelungen hinzuweisen. Dabei stehen insbesondere die FrĂŒherkennung im schulischen Umfeld sowie die Ausbildung von Ersthelfern fĂŒr mentale Gesundheit im Mittelpunkt.

PrÀventionsarbeit an Schulen und aktuelle Studienergebnisse

Das UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg stellte im Vorfeld des Aktionstages verschiedene Projekte vor, die sich gezielt an junge Menschen richten. Den Hintergrund bilden besorgniserregende Daten aus der Forschung: Eine Studie des UKW unter 877 SchĂŒlern mit einem Durchschnittsalter von 12 Jahren ergab, dass 3,5 % der Befragten bereits einen Suizidversuch unternommen hatten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde die Kampagne „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ initiiert.

Ein zentraler Baustein der praktischen PrĂ€vention ist das Programm „DUDE 2.0“. Dieses richtet sich an SchĂŒler der 6. und 7. Klassen und vermittelt Techniken zur Emotionsregulation. Das Programm verfĂŒgt ĂŒber ein automatisiertes Warnsystem, das bei Anzeichen einer akuten GefĂ€hrdung greift. Derzeit wird das Projekt an insgesamt 96 Schulen in vier BundeslĂ€ndern umgesetzt.

WĂ€hrend in Rheinland-Pfalz bereits seit einem Jahr an 22 Schulen Erfahrungen gesammelt wurden, ist der Start in Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt fĂŒr den Sommer 2026 vorgesehen. ErgĂ€nzend forscht das Klinikum im Rahmen des Projekts „tomoni.schools“ zu psychischem Schmerz und unbewussten Denkmustern.

Ersthelferkurse fĂŒr die mentale Gesundheit

Neben der schulischen Arbeit gewinnt die Ausbildung von Laien in der Krisenintervention an Bedeutung. Das UKW bietet hierfĂŒr sogenannte Ersthelferkurse Mentale Gesundheit (EMG) an, die fĂŒr Einzelpersonen, LehrkrĂ€fte und Unternehmen konzipiert sind. Die Kurse werden in drei Modulen sowohl online als auch in Betrieben durchgefĂŒhrt.

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Die Initiative fĂŒr diese Kurse geht auf die „Fellows Ride“-Bewegung von Dieter Schneider zurĂŒck, die nach dem Suizid seines Sohnes entstand. An der Entwicklung der Kursinhalte waren die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, die Stiftung Depression-Inklusion sowie das WĂŒrzburger BĂŒndnis gegen Depression beteiligt. Ziel ist es, die Hemmschwelle fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber psychische Krisen zu senken und konkrete Handlungskompetenzen zu vermitteln.

Politische Forderungen und gesetzliche Weichenstellungen

Parallel zur praktischen Arbeit in den Kliniken und Schulen fordern Fachleute eine stÀrkere gesetzliche Verankerung der SuizidprÀvention in Deutschland.

Auf einer Tagung in Berlin wurde deutlich, dass Experten den aktuellen Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) fĂŒr ein SuizidprĂ€ventionsgesetz zwar als notwendigen Schritt betrachten, jedoch Nachbesserungsbedarf sehen. Kritisiert wird unter anderem, dass niedrigschwellige Angebote stĂ€rker unterstĂŒtzt werden mĂŒssten.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) unterstreicht diese Forderung. Nach Angaben des Nationalen SuizidprĂ€ventionsprogramms (NaSPro) werden in Deutschland jĂ€hrlich etwa 10.000 Suizide und rund 100.000 Suizidversuche registriert. Der BDP empfiehlt im Zuge der Umsetzung der PrĂ€ventionsstrategie aus dem Jahr 2024 die Einrichtung einer permanenten Bundesfachstelle sowie groß angelegte AufklĂ€rungskampagnen.

Internationale Perspektiven auf die SuizidprÀvention

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Auch international verstĂ€rken Organisationen ihre BemĂŒhungen. In Österreich macht der Verein „pro mente steiermark“ mit der Kampagne „#darĂŒberreden“ auf das Thema aufmerksam. Angesichts von jĂ€hrlich ĂŒber 1.000 Suiziden im Nachbarland wird betont, dass die direkte Frage nach Suizidgedanken die SuizidalitĂ€t nicht auslöse, sondern eine lebenswichtige Hilfestellung sein könne.

In Brasilien findet unter dem Titel „Setembro Amarelo“ eine landesweite Kampagne statt, die unter dem Motto steht, bei Bedarf Hilfe zu suchen. In Regionen wie Pernambuco stehen hierfĂŒr kostenlose psychologische Dienste und Hotlines zur VerfĂŒgung, um einen anonymen Zugang zu UnterstĂŒtzung zu ermöglichen.

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