Suizidprävention: Gesetz mit Bundesfachstelle und Notrufnummer
27.06.2026 - 20:04:15 | boerse-global.de
Seit dem 1. April kassieren Psychotherapeuten weniger Geld. Die Vergütung im GKV-Bereich fiel um 4,5 Prozent. Die Politik schiebt die Verantwortung hin und her.
Während die SPD-Bundestagsfraktion auf die Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigungen verweist, betonen Unions-Politiker: Die Selbstverwaltung habe die Absenkung selbst beschlossen. Immerhin: Die Personalkostenzuschläge wurden erhöht.
Proteste und Existenzängste
Der Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. Mitte April organisierte ein Aktionsbündnis eine Demonstration in Münster. Der Virchowbund schlägt Alarm: Das Beitragssatzstabilisierungsgesetz könnte Praxen Umsatzverluste von bis zu 50.000 Euro pro Jahr bescheren.
Die Folge? Weniger Sprechstunden, weniger Personal. Viele Therapeuten stehen vor existenziellen Fragen.
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KV Berlin stoppt Förderung
Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin zieht die Reißleine. Ende Juni gab sie bekannt: Die Niederlassungsförderung und der Betrieb eigener Praxen an fünf Standorten werden zum Jahresende eingestellt.
Bislang konnten Neuniederlassungen mit bis zu 70.000 Euro unterstützt werden. Grund für den Stopp: die gesetzlichen Sparvorgaben von Gesundheitsministerin Nina Warken. Die Honorarverteilung wurde ebenfalls angepasst – Praxen sollen ihr Angebot leichter zurückfahren können. Die Hausärzteschaft zeigt sich alarmiert.
Neuer Anlauf für Suizidprävention
Trotz Sparkurs plant das Ministerium einen Ausbau der Krisenintervention. Ende Juni legte Warken einen Gesetzentwurf zur Stärkung der Suizidprävention vor.
Die Zahlen sind erschreckend: Rund 10.000 Menschen sterben jährlich durch Suizid – mehr als durch Verkehrsunfälle, Drogenkonsum und HIV-Infektionen zusammen. Der Trend zeigt nach oben.
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Der Entwurf sieht eine Bundesfachstelle und eine bundesweit einheitliche Notrufnummer vor. Ein Fachbeirat und Modellvorhaben sollen die Arbeit flankieren. Wohlfahrtsverbände mahnen jedoch: Die Finanzierung muss dauerhaft gesichert sein.
Hoffnung aus der Forschung
Während die Versorgung unter Druck steht, gibt es Fortschritte bei schwer behandelbaren Depressionen. Das Unternehmen Emyria veröffentlichte Ende Juni Daten aus einem Behandlungsprogramm.
Das Ergebnis: Bei zehn Patienten sank die Symptomlast im Schnitt um 6,8 Punkte auf der QIDS-SR16-Skala. Statistisch signifikant. Emyria betreibt mehrere spezialisierte Kliniken und will nun expandieren. Die Nachfrage nach neuen Ansätzen in der mentalen Gesundheit ist riesig.
