Sun Yuanyuan disqualifiziert: Ihre Marathonzeit von 4:53:46 ist aberkannt
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die IntegritĂ€t im Massensport gerĂ€t durch soziale Medien und Sponsoringvereinbarungen zunehmend unter Druck. Am 1. Oktober 2026 veröffentlichten zwei anonyme Beobachter der Gruppierung Official Marathon Time Integrity Unit (OMTIU) Bildmaterial, das den unerlaubten Einsatz eines Fahrrads durch die chinesische Fitness-Influencerin Sun Yuanyuan beim Berlin-Marathon belegt. Der Fall offenbart, wie digitale Kontrollen und Bildnachweise UnregelmĂ€Ăigkeiten im Breitensport sichtbar machen.
AuffÀllige Zwischenzeiten auf den Schlusskilometern
Sun Yuanyuan, die auf den Plattformen Rednote und Xiaohongshu unter dem Namen Abeeeer auftritt und dort mehr als 520.000 Follower verzeichnet â einzelne Quellen sprechen von ĂŒber 530.000 Followern â, ging beim Berlin-Marathon am 27. September 2026 an den Start. Die aus Henan stammende LĂ€uferin nutzte die Startnummer 80121, die auf den Namen Yuanyuan Sun registriert war. Der Startplatz stammte vom Wasserfilter-Hersteller Brita.
Die Auswertung der Rennabschnitte zeigte deutliche AuffĂ€lligkeiten auf der zweiten StreckenhĂ€lfte. Zwischen Kilometer 35 und Kilometer 40 erzielte die LĂ€uferin ihren schnellsten FĂŒnf-Kilometer-Split mit einer Zeit von 30:49 Minuten, wĂ€hrend sie auf den ĂŒbrigen Streckenabschnitten nie schneller als 33:27 Minuten unterwegs war.
In diesem Segment war sie zudem sechs Minuten schneller als im vorhergehenden FĂŒnf-Kilometer-Block. Das von den Beobachtern vorgelegte Bildmaterial belegte schlieĂlich, dass sie sich zwischen Kilometer 35 und 40 auf einem Fahrrad befand und ab Kilometer 38 auf dem GepĂ€cktrĂ€ger mitfuhr.
Aberkennung der Endzeit und sportliche Konsequenzen
Im Ziel wurde fĂŒr Sun Yuanyuan eine Zeit von 4:53:46 Stunden registriert, die sie im Anschluss als persönliche Bestleistung darstellte, nachdem ihr ursprĂŒnglich angepeiltes Zeitziel bei unter 4:30 Stunden gelegen hatte. Die Influencerin wurde mittlerweile disqualifiziert und ihre Zeit offiziell aberkannt.
Der Fall beim Berlin-Marathon zeigt, wie ein einziger auffĂ€lliger FĂŒnf-Kilometer-Split und ein Foto einen RegelverstoĂ sichtbar machen. Wer als Veranstalter StartplĂ€tze und Markenbotschafter vergibt, braucht klare PrĂŒfroutinen. Kostenlosen Leitfaden zur LĂ€uferdaten-PrĂŒfung anfordern
Der Veranstalter des Rennens, SCC Events, prĂŒft derartige VerdachtsfĂ€lle grundsĂ€tzlich und verhĂ€ngt Disqualifikationen gegen nachgewiesene BetrĂŒger, hatte zu der spezifischen Endzeit von 4:53:46 Stunden jedoch noch keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.
Bei der Veranstaltung gingen mehr als 56.000 LÀufer aus 162 Nationen an den Start, von denen rund 50.000 das Ziel erreichten. Den sportlichen Gesamtsieg bei den Frauen sicherte sich Tigst Assefa mit einem Streckenrekord von 2:11:04 Stunden, was der drittschnellsten Frauen-Marathonzeit entspricht, wÀhrend bei den MÀnnern Guye Adola in 2:02:50 Stunden siegte.
Ăffentliches EingestĂ€ndnis und Folgen fĂŒr Markenpartnerschaften
Nach Bekanntwerden der Aufnahmen folgte am 3. Oktober 2026 eine öffentliche Entschuldigung der Influencerin fĂŒr den RegelverstoĂ. Sie rĂ€umte ein, die Vorkommnisse bewusst verschwiegen zu haben, und bezeichnete ihr eigenes Verhalten als Ă€uĂerst unehrlich.
Als Ursache nannte sie Unwohlsein wĂ€hrend des Laufes, betonte jedoch zugleich, dass dies keine Entschuldigung fĂŒr das Vergehen darstelle. Ihre BeitrĂ€ge zum Marathon auf Rednote und Xiaohongshu wurden daraufhin gelöscht.
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Die AffĂ€re zog auch unmittelbare geschĂ€ftliche Konsequenzen nach sich. Brooks China beendete am 4. Oktober 2026 nach einer FaktenprĂŒfung die Zusammenarbeit mit Sun Yuanyuan mit sofortiger Wirkung.
Das Unternehmen rĂ€umte VersĂ€umnisse bei den internen Kontrollen sowie eine unzureichende ĂberprĂŒfung der Segmentdaten ein. Zudem bat der Sportartikelhersteller LĂ€ufer und Kunden um Entschuldigung und kĂŒndigte an, die Prozesse zur Auswahl und Ăberwachung der eigenen Markenbotschafter grundlegend zu ĂŒberprĂŒfen.
