Super-Ager, Gedächtnis

Super-Ager: 15 bis 20 Prozent der 60- bis 90-Jährigen haben ein starkes Gedächtnis

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gedächtnistraining, Bewegung und soziale Kontakte können die geistige Fitness unterstützen; die Ursachen für Super-Ager bleiben ungeklärt.
Abstrakte Darstellung neuronaler Netzwerke mit leuchtenden Verbindungen in einem dunklen, organischen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Das menschliche Gedächtnis steht im Mittelpunkt neurobiologischer Forschung, wenn es um Leistungsfähigkeit, geistige Fitness und den Schutz vor altersbedingtem Abbau geht. Ein zentraler Mechanismus des Denkorgans wird dabei im Alltag häufig missverstanden: das Vergessen.

Wie Berichte über einen Vortrag der Neurobiologin Hannah Monyer vom Universitätsklinikum Heidelberg beim Kongress der Ordensspitäler in Linz vom 21. Oktober 2026 verdeutlichen, handelt es sich beim Vergessen keineswegs um ein reines Defizit, sondern um eine überlebenswichtige Funktion des Gehirns.

Die biologische Funktion des Vergessens

Nach Darlegung von Hannah Monyer erfüllt das Vergessen die unverzichtbare Aufgabe, unwichtige Informationen auszusortieren. Ohne diese Filterfunktion wäre das Gehirn einer ständigen Überlastung ausgesetzt.

Eine Unfähigkeit zu vergessen stelle keineswegs einen evolutionären Vorteil dar, sondern könne vielmehr krankhaft sein und auf eine gesundheitliche Störung hindeuten. Das gezielte Ausblenden von Unwesentlichem schafft erst den notwendigen Raum, um relevante Informationen effizient zu verarbeiten und abzurufen.

Gleichzeitig unterliegt das menschliche Gehirn natürlichen Alterungsprozessen. Laut Monyer schwindet die Hirnsubstanz ab etwa dem 50. Lebensjahr. Dieser kontinuierliche Substanzverlust führt dazu, dass bestimmte kognitive Prozesse mit zunehmendem Alter langsamer ablaufen und gezielte Maßnahmen zur Erhaltung der geistigen Vitalität an Bedeutung gewinnen.

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Potenziale und Grenzen des kognitiven Trainings

Trotz des natürlichen Abbaus von Nervengewebe bleibt das Gehirn anpassungsfähig. Monyer betonte bei ihrem Vortrag, dass das Gedächtnis bis zu einem gewissen Grad trainierbar sei. Als effektive Methoden nannte die Forscherin etwa das Erlernen einer neuen Sprache oder das Auswendiglernen von Gedichten. Solche anspruchsvollen geistigen Aktivitäten fordern neuronale Netzwerke und unterstützen deren Stabilität.

Neben intellektuellen Reizen spielen auch Verhaltensfaktoren eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung der Hirnleistung. Um die geistige Leistungsfähigkeit langfristig zu unterstützen, empfiehlt Monyer regelmäßige Bewegung sowie die Pflege sozialer Kontakte. Beide Faktoren tragen dazu bei, kognitive Reservekapazitäten zu stärken und das Wohlbefinden im Alter zu fördern.

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Demenzforschung und das Phänomen der Super-Ager

Eine scharfe Grenze zieht die Neurobiologie zwischen normalen Alterungsprozessen und neurodegenerativen Erkrankungen. Demenz umfasst einen erheblichen Verlust der geistigen Fähigkeiten, der weit über gewöhnliche Vergesslichkeit hinausgeht.

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist Demenz nicht heilbar, wenngleich bestehende Therapien dazu beitragen können, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen. Mit Blick auf künftige medizinische Durchbrüche zeigte sich Monyer verhalten optimistisch: Sie erwarte in 15 Jahren Licht am Horizont in der Demenzforschung.

Besonderes Interesse weckt in der Wissenschaft eine spezifische Bevölkerungsgruppe, die als Super-Ager bezeichnet wird. Laut Monyer verfügen etwa 15 bis 20 Prozent der 60- bis 90-Jährigen über ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis, das dem deutlich jüngerer Menschen gleicht. Die genauen Ursachen für dieses Phänomen sind bislang unklar und bleiben Gegenstand intensiver neurobiologischer Untersuchungen.

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