Tagschlaf im Alter: TÀgliche Nickerchen hÀngen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko zusammen
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 08:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmĂ€Ăige Ruhephasen am Tag gehören fĂŒr viele Ă€ltere Menschen zum Alltag. SchĂ€tzungen zufolge wird Tagschlaf von bis zu einem Drittel bis zur HĂ€lfte der Personen ĂŒber 65 Jahren praktiziert.
Eine im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift The Journals of Gerontology: Series A veröffentlichte Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health analysiert nun, wie Schlafgewohnheiten am Tag mit dem spÀteren Auftreten kognitiver Erkrankungen zusammenhÀngen.
Langzeitbeobachtung zeigt deutliche statistische AuffÀlligkeiten
FĂŒr die Langzeitstudie wurden 995 Medicare-EmpfĂ€nger ab einem Alter von 65 Jahren untersucht, die zu Beginn der Erhebung keine kognitiven BeeintrĂ€chtigungen aufwiesen. Die Beobachtung begann im Jahr 2013 und erstreckte sich ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren. Bis zum Jahr 2023 wurden 417 der beobachteten Teilnehmer, was rund 42 % der Stichprobe entspricht, als mögliche oder wahrscheinliche DemenzfĂ€lle eingestuft.
Die Auswertung der Daten ergab, dass Teilnehmer, die fast tĂ€glich oder tĂ€glich ein Nickerchen machten, ein um 48 % höheres Demenzrisiko aufwiesen als Personen, die nur selten oder gar nicht tagsĂŒber schliefen. Dieser statistische Zusammenhang blieb auch nach einer rechnerischen Adjustierung fĂŒr Faktoren wie die nĂ€chtliche Schlafdauer, Bluthochdruck, Diabetes und weitere GesundheitszustĂ€nde bestehen.
Zudem zeigte sich bei Teilnehmern mit hĂ€ufigen Ruhephasen am Tag ein durchschnittlich höherer Body-Mass-Index, eine höhere Anzahl an Gesundheitsproblemen, stĂ€rkere Depressionssymptome, eine ausgeprĂ€gtere TagesschlĂ€frigkeit sowie ein ĂŒberdurchschnittlich hoher MĂ€nneranteil.
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Geplante Pausen versus unbeabsichtigtes Einnicken
Die Wissenschaftler differenzierten in ihren Erhebungen zwischen unterschiedlichen Formen und Dauern des Tagschlafs. So war ein unbeabsichtigtes Einschlafen wÀhrend des Tages mit einem um 39 % höheren Demenzrisiko verbunden. Bei kurzen Nickerchen von 30 Minuten oder weniger lag die beobachtete Risikoerhöhung bei 40 %.
Wurden jedoch jene DemenzfĂ€lle aus der Analyse ausgeschlossen, die bereits in den ersten fĂŒnf Jahren der Nachbeobachtung auftraten, verlor dieser spezifische Zusammenhang fĂŒr kurze Ruhephasen seine statistische Signifikanz. Bei gelegentlichen oder bewusst geplanten Nickerchen konnte ĂŒberdies kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit Demenzerkrankungen festgestellt werden.
Mögliche Indikatoren statt direkter Ursache
Die Autoren betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen ursĂ€chlichen Zusammenhang belegt. Adam Spira, Seniorautor der Untersuchung an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, erklĂ€rte, dass hĂ€ufigere Nickerchen eher ein Anzeichen fĂŒr bereits einsetzende HirnverĂ€nderungen wie Amyloid- und Tau-Ablagerungen seien und nicht zwingend deren Auslöser darstellen.
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Studienautorin Kening Jiang wies darauf hin, dass eine systematische Beobachtung der Schlafgewohnheiten am Tag dazu beitragen könne, Risikopatienten frĂŒher zu identifizieren und gezielte prĂ€ventive MaĂnahmen zu ergreifen. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass eine wiederkehrende, ungewollte TagesschlĂ€frigkeit grundsĂ€tzlich medizinisch abgeklĂ€rt werden sollte.
Methodische Grenzen und globale Dimension
Hinsichtlich der Methodik ist zu berĂŒcksichtigen, dass die zugrunde liegenden Schlafdaten auf SelbstauskĂŒnften der Probanden basierten. Zudem erfolgte die Einstufung der DemenzfĂ€lle ĂŒber einen Algorithmus und nicht ĂŒber eine individuelle klinische EinzelbestĂ€tigung.
Dennoch gewinnen derartige FrĂŒhindikatoren angesichts demografischer Entwicklungen an Bedeutung. Demenz betrifft derzeit 6,9 Millionen Menschen in den USA, wobei bis zum Jahr 2060 von einer Verdopplung der Fallzahlen ausgegangen wird. Weltweit werden jĂ€hrlich ĂŒber 10 Millionen neue DemenzfĂ€lle registriert.
