Tai-Chi, StĂŒrze

Tai-Chi gegen StĂŒrze: Stanford-Studie untersuchte 670 Menschen ab 70

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auswertungen verbinden Tai-Chi mit höherer Knochendichte und weniger StĂŒrzen; optimale Trainingsdosis und Frakturschutz bleiben teils offen.
Ein minimalistischer Steingarten mit geharktem Kies und Moossteinen im sanften Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Meta-Analysen belegen, dass Tai-Chi als sogenanntes Mind-Body-Training bei Ă€lteren Frauen zu einer konsistenten, wenn auch moderaten Steigerung der Knochenmineraldichte fĂŒhren kann. Die wissenschaftlichen Auswertungen unterstreichen den Nutzen gezielter körperlicher AktivitĂ€t gegenĂŒber reiner Schonung, um dem altersbedingten Abbau der Knochensubstanz wirksam zu begegnen.

Positive Effekte auf die LendenwirbelsÀule

In einer im Fachjournal Experimental Gerontology erschienenen Meta-Analyse wertete ein Forschungsteam um Luo L. insgesamt 20 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) aus, die die Wirkung von Tai-Chi bei Frauen mittleren und Ă€lteren Alters untersuchten. Dabei zeigte sich eine erhöhte Knochenmineraldichte mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz (SMD) von 0,55. Nach dem rechnerischen Ausschluss von drei besonders einflussreichen Arbeiten sank der Effekt auf eine SMD von 0,32 ĂŒber 17 Studien hinweg, blieb jedoch weiterhin statistisch signifikant.

Die stÀrkste Verbesserung der Knochendichte wurde im Bereich der LendenwirbelsÀule festgestellt. Die Dosis-Wirkungs-Analyse der Untersuchung galt als explorativ, sodass optimale HÀufigkeit und Dauer einzelner Trainingseinheiten in dieser Auswertung noch unklar blieben. Frakturen wurden in der betreffenden Meta-Analyse nicht erfasst.

Bewegungsumfang und FrakturprÀvention

Umfangreichere Daten lieferte eine Netzwerk-Metaanalyse im Fachjournal BMJ von Lu C. und Kollegen, die 124 randomisierte kontrollierte Studien mit 18.429 Teilnehmenden ab einem Alter von 40 Jahren umfasste, von denen 73 Prozent Frauen waren.

Die Autoren bezifferten den natĂŒrlichen Verlust an Knochenmineraldichte auf rund 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Eine klinisch relevante Schwelle zum Substanzerhalt liegt demnach bei 600 METs-Minuten pro Woche, was etwa zwei bis drei Stunden zĂŒgigem Gehen oder Joggen entspricht.

FĂŒr verschiedene Skelettregionen wurden spezifische Minimaldosen ermittelt: 391 METs-Minuten pro Woche fĂŒr die LendenwirbelsĂ€ule, 600 fĂŒr den Femurhals und 641 fĂŒr die GesamthĂŒfte. Ein Plateau der Wirkung stellte sich bei Werten von 914, 1060 beziehungsweise 1022 METs-Minuten ein.

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Mind-Body-Verfahren reduzierten in dieser Auswertung das Frakturrisiko mit einer Odds Ratio (OR) von 0,58, was einem RĂŒckgang um 42 Prozent entspricht. Gemischtes Aerobic-Training erreichte eine OR von 0,29 (minus 71 Prozent).

Dass Tai-Chi StĂŒrze wirksam vermeiden hilft, belegte eine Untersuchung der Stanford-UniversitĂ€t an 670 Personen ab 70 Jahren mit vorangegangener Sturzhistorie. Bei einer Trainingsfrequenz von zweimal wöchentlich ĂŒber sechs Monate hinweg traten in der Tai-Chi-Gruppe 152 StĂŒrze bei 85 Teilnehmenden auf.

In einer group mit konventionellem Training wurden 218 StĂŒrze bei 112 Personen gezĂ€hlt, wĂ€hrend ein reines Dehnprogramm zu 363 StĂŒrzen bei 127 Personen fĂŒhrte. Die Geriaterin Elizabeth Eckstrom von der UniversitĂ€t Oregon wies darauf hin, dass zwei bis drei Stunden Tai-Chi pro Woche zudem drei bis sechs zusĂ€tzliche Jahre gesunder Gehirnalterung bedeuten können.

Risiken und ganzheitliche PrÀventionsansÀtze

Der Knochenabbau beginnt nach Angaben von Medizinern bereits ab einem Alter von etwa 30 Jahren, wĂ€hrend eine manifeste Osteoporose meist erst nach dem 50. Lebensjahr auftritt. Nach Angaben des Bundesinstituts fĂŒr Öffentliche Gesundheit (BIÖG) erkranken Frauen mehr als viermal so hĂ€ufig wie MĂ€nner.

Messtechnisch liegt eine Osteoporose vor, wenn der T-Wert unter -2,5 fĂ€llt. Daten aus Taiwan zeigen fĂŒr den Zeitraum von 2017 bis 2020 eine PrĂ€valenz von 10,2 Prozent bei Frauen ab 50 Jahren und 17,4 Prozent bei Frauen ab 65 Jahren.

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Zudem verwies Dr. Yuval Pinto von der Johns-Hopkins-UniversitĂ€t darauf, dass Frauen nach dem 50. Lebensjahr jĂ€hrlich etwa 1 Prozent fettfreie Masse einbĂŒĂŸen und der Knochenverlust in den ersten fĂŒnf bis sieben Jahren nach der Menopause bei 2 bis 3 Prozent pro Jahr liegt.

Fachleute empfehlen zur kombinierten Vorbeugung von Osteoporose und Sarkopenie neben Krafttraining auch gezielte GleichgewichtsĂŒbungen wie Tai-Chi oder Baduanjin, ergĂ€nzt durch hochwertiges Protein sowie Vitamin D und Kalzium. MineralwĂ€sser mit mehr als 150 mg bis hin zu 600 mg Kalzium pro Liter gelten hierbei als unterstĂŒtzend.

Selbst bei spezifischen Vorerkrankungen wie einer HĂŒftkopfnekrose kann Tai-Chi nach individueller orthopĂ€discher Bewertung praktiziert werden: Empfohlen werden Einheiten von 20 bis 30 Minuten an drei bis vier Tagen pro Woche mit der vereinfachten 24-Form und einer Halb-Kniebeuge statt tiefen StĂ€nden.

Treten Schmerzen auf oder halten diese lĂ€nger als eine Stunde nach dem Training an, muss die Übung abgebrochen werden. Tai-Chi dient dabei als ergĂ€nzende Maßnahme und ersetzt keine Ă€rztliche oder operative Therapie.

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