Telegram, Indien

Telegram: Indien setzt 15-Tage-Frist für Piraterie-Kontrolle

Veröffentlicht: 05.07.2026 um 14:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neu-Delhi verlangt von Telegram proaktive Filter gegen Urheberrechtsverstöße und droht bei Nichtbefolgung mit weiteren Schritten.

Indien setzt Telegram 15-Tage-Frist gegen Piraterie
Telegram - Ein stilisiertes, leuchtendes digitales Vorhängeschloss über einem unscharfen Bild eines indischen Straßenmarktes, das Datensicherheit symbolisiert. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die indische Regierung hat dem Messengerdienst Telegram eine Frist von 15 Tagen gesetzt, um Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen zu ergreifen. Das Ministerium für Information und Rundfunk forderte das Unternehmen am 4. Juli auf, ein System zur proaktiven Erkennung und Löschung von Raubkopien einzurichten.

Von Einzelfällen zur Systemverantwortung

Der Schritt markiert einen grundlegenden Strategiewechsel Neu-Delhis. Statt wie bisher einzelne Inhalte auf Antrag zu entfernen, soll Telegram künftig strukturell gegen Urheberrechtsverstöße vorgehen. Die Behörden verlangen von der Plattform, eigene Filter zu implementieren, die urheberrechtlich geschütztes Filmmaterial und Serieninhalte automatisch identifizieren.

Besonders hart sollen Wiederholungstäter getroffen werden: Kanäle, die wiederholt gegen Urheberrechte verstoßen, müssen dauerhaft gesperrt werden. Zudem verlangt die Regierung detaillierte Angaben zum Beschwerdemechanismus, damit Rechteinhaber Verstöße effektiv melden können.

Die indische Regierung erinnert daran, dass Urheberrechtsverletzungen nach dem Copyright Act von 1957 und dem Cinematograph Act von 1952 strafbar sind. Auch die Sorgfaltspflichten aus dem Information Technology Act von 2000 und den IT-Regeln von 2021 wurden Telegram in Erinnerung gerufen.

Vorgeschichte voller Konflikte

Die neue Anordnung reiht sich in eine Serie regulatorischer Auseinandersetzungen ein. Bereits im März 2026 hatte Telegram auf Druck der Behörden mehr als 3.100 URLs gelöscht. Insgesamt haben die indischen Behörden bislang 3.142 Kanäle identifiziert oder gesperrt und rund 800 Websites blockiert, die illegale Inhalte verbreiteten.

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Doch Piraterie ist nicht das einzige Problem. Die Regierung zeigt sich auch besorgt über die Verbreitung von Material über sexuellen Kindesmissbrauch, gefälschte Stellenanzeigen und Cyberbetrug auf der Plattform. Erst kürzlich nahmen Ermittler Mitglieder einer Bande fest, die acht Telegram-Kanäle betrieben und über betrügerische Konten rund 1,5 Crore Rupien (umgerechnet etwa 1,7 Millionen Euro) verschoben hatten.

Sperrungen und verschärfte Kontrollen

Bereits im Frühsommer geriet Telegram verstärkt ins Visier der Behörden. Vom 16. bis 22. Juni 2026 wurde der Dienst vorübergehend nach Paragraph 69A des IT-Gesetzes gesperrt – im Zusammenhang mit der Neuausschreibung der NEET-UG-Prüfung. Während dieser Zeit war auch die Funktion zum Bearbeiten von Nachrichten deaktiviert; die Einschränkung blieb bis zum 30. Juni bestehen.

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Die Regierung warnt: Kommt Telegram der neuen Anordnung zur Bekämpfung von Piraterie nicht innerhalb der 15-Tage-Frist nach, drohen weitere regulatorische Schritte. Ähnliche Auflagen zu Plattformfunktionen und Sicherheit wurden zuletzt auch an andere Dienste wie Meta und Signal verschickt. Indien baut seine Kontrolle über digitale Kommunikationsplattformen damit kontinuierlich aus.

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