Telematik-Infrastruktur, Gematik

Telematik-Infrastruktur: Gematik plant radikalen Umbau gegen 25 Störungen monatlich

30.05.2026 - 08:03:14 | boerse-global.de

Schweiz streicht Digisanté-Mittel, Neuseeland erhöht Cyber-Budget. Deutschland plant zentrale Cloud-Plattform für die Telematik-Infrastruktur.

Telematik-Infrastruktur: Gematik plant radikalen Umbau gegen 25 Störungen monatlich - Foto: über boerse-global.de
Telematik-Infrastruktur: Gematik plant radikalen Umbau gegen 25 Störungen monatlich - Foto: über boerse-global.de

Während die Schweiz ihr Förderprogramm Digisanté zusammenstreicht, investiert Neuseeland massiv in Cybersicherheit – und Deutschland plant einen radikalen Kurswechsel bei seiner Telematik-Infrastruktur.

Schweiz: Digisanté unter Sparzwang

Das Schweizer Bundesprogramm Digisanté, das von 2025 bis 2034 mit 400 Millionen Franken ausgestattet ist, gerät finanziell ins Straucheln. Wie aus einem Vermerk des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hervorgeht, muss das Programm im Jahr 2027 mit 28 Millionen Franken weniger auskommen. Die Kürzung setzt sich aus einer Streichung von 19,5 Millionen Franken sowie weiteren 8 Millionen Franken aus einem Entlastungspaket zusammen. Das BAG zeigt sich besorgt: Die Einschnitte kommen in einer sensiblen Aufbauphase – und der konkrete Umsetzungsplan steht bis heute noch nicht.

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Die finanzielle Schieflage kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Experten rechnen für 2027 mit einem Anstieg der Krankenkassenprämien um rund fünf Prozent. Bereits 2025 waren die Gesundheitskosten um 5,2 Prozent gestiegen – der stärkste Anstieg seit acht Jahren. Um die Finanzlöcher zu stopfen, erhält auch die Zulassungsbehörde Swissmedic eine zusätzliche Bundessubvention von 2,7 Millionen Franken für 2027. Das Institut hatte 2024 ein deutliches Defizit verzeichnet. Dennoch muss Swissmedic 45 Stellen abbauen.

Hinzu kommen ernüchternde Ergebnisse aus dem Nationalen Forschungsprogramm „Digitale Transformation" (NFP 77). Die am 28. Mai veröffentlichte Studie zeigt: Digitale Werkzeuge in Schweizer Schulen und Unternehmen bleiben untergenutzt. Die Forscher betonen, dass sowohl die Arbeitswelt als auch die demokratischen Prozesse besser auf den digitalen Wandel vorbereitet werden müssten.

Neuseeland: Millionen gegen Hacker

Neuseeland schlägt einen anderen Weg ein. Im Haushalt 2026 stellt die Regierung umgerechnet 153,6 Millionen Neuseeland-Dollar für die nächsten fünf Jahre bereit – zweckgebunden für Cybersicherheit und IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen. Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf einen schwerwiegenden Datenleck im Dezember 2025 beim Dienst „Manage My Health". Der Datenschutzbeauftragte des Landes hatte daraufhin eine formelle Rüge ausgesprochen.

Parallel dazu investiert Health NZ weitere 300 Millionen Neuseeland-Dollar in einen dreijährigen Digitalplan für das Gesundheitswesen. Während der Digitalverband die Mittel begrüßt, zeigen sich andere Akteure enttäuscht. Die Allgemeinmediziner-Vereinigung kritisiert, dass der Anteil der Primärversorgung am Gesundheitsbudget weiterhin bei mageren 31 Prozent stagniert.

Besonders irritierend: Ausgerechnet während der Digitalisierungsoffensive hatte Health NZ im Jahr 2025 sein IT-Personal drastisch reduziert – von 2.000 auf nur noch 1.460 Stellen. Ein Widerspruch, der Beobachter aufhorchen lässt.

Deutschland: Abschied vom Flickenteppich

Die deutsche Digitalagentur Gematik plant einen fundamentalen Umbau der Telematik-Infrastruktur (TI). Ein Strategiepapier vom 8. Mai 2026 sieht vor, das bisherige dezentrale Marktmodell durch eine zentrale Cloud-Plattform zu ersetzen. Der Grund: Das System ist chronisch instabil. Allein 2025 verzeichnete die Infrastruktur durchschnittlich 25 Störungen pro Monat – darunter mehr als 160 separate Ausfälle der elektronischen Patientenakte (ePA) und des E-Rezepts.

Der Plan sieht vor, die Zahl der Backend-Instanzen von 114 auf 31 zu reduzieren. Gematik will künftig die volle Verantwortung für die Systemleistung übernehmen. Die alte „TI 1.0"-Hardware – darunter Konnektoren und Kartenterminals – soll bis Ende 2030 abgeschaltet werden.

Am 19. Juni 2026 stimmt der Lenkungsausschuss ĂĽber die strategische Neuausrichtung ab. Bei einer Zustimmung ist ein neues E-Rezept-Backend fĂĽr den 1. September 2028 geplant, eine ĂĽberarbeitete ePA soll Ende 2029 folgen.

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KI und GroĂźprojekte: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die internationale Integration von Künstlicher Intelligenz in die Gesundheitsversorgung stößt auf praktische und regulatorische Hürden. In den USA geriet das Pilotprogramm WISeR unter Beschuss, das seit Januar 2026 KI für Medicare-Vorabgenehmigungen einsetzt. Der Rechnungshof (GAO) stellte am 12. Mai fest, dass das Programm einer Überprüfung durch den Kongress bedarf. Grund: Die Wartezeiten für Genehmigungen im Bundesstaat Washington stiegen von wenigen Tagen auf fast drei Wochen.

Noch ernüchternder fällt die Bilanz für Italien aus. Ein Regierungsausschussbericht kommt zu dem Schluss, dass das Land trotz Ausgaben von rund 1,1 Billionen Euro für Digitalisierungsprojekte erst die Hälfte seiner Ziele erreicht hat. Die Frist für die aktuelle Phase des nationalen Aufbauplans (PNRR) endet am 31. August 2026 – und Italien liegt bei digitalen Kompetenzen und IT-Fachkräften weiterhin hinter dem EU-Durchschnitt. Die KI-Nutzung in italienischen Unternehmen beträgt gerade einmal fünf Prozent – weit entfernt vom EU-Ziel von 60 Prozent bis Ende des Jahrzehnts. Zudem wurde das Budget für das Programm „Transition 5.0" von 6,3 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro gekürzt.

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