Telemedizin: 98 Prozent neurologische Fachberatung noch am selben Tag
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 23:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die hausärztliche Versorgung in Deutschland steuert auf eine dramatische Lücke zu. Bis 2040 könnten rund 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben – das wäre jede fünfte Stelle. Das zeigt die Studie „Primärversorgung 2035+“ des IGES-Instituts im Auftrag des Bosch Health Campus.
Schon heute fehlen laut der Erhebung rund 4.400 Hausärzte. Etwa 20 Prozent der Landkreise gelten als unterversorgt. Besonders hart trifft es Regionen wie den Hochsauerlandkreis oder Minden-Lübbecke. Rund 37 Prozent der praktizierenden Hausärzte sind bereits über 60 Jahre alt. Die Studie empfiehlt deshalb mehr interprofessionelle Teams und den Ausbau der Telemedizin.
Placebo-Forschung: Wie das Gehirn Schmerz lindert
Doch nicht nur die Struktur, auch die Behandlungsmethoden selbst verändern sich. Neue Forschungsergebnisse aus der Fachzeitschrift Nature Communications geben Einblicke in die neuronalen Prozesse der Schmerzlinderung. Ein internationales Team unter Leitung der Universitätsmedizin Essen analysierte Hirnbildgebungsdaten von 409 Teilnehmenden aus 16 Studien.
Die Analyse zeigt: Placebo-Effekte wirken über unterschiedliche biologische Wege. Verbale Suggestionen und klassische Konditionierung aktivieren teils verschiedene neuronale Signalwege. „Das unterstreicht die Komplexität von Placeboeffekten“, erklärte Erstautor Prof. Tamas Spisak. Die Erkenntnisse könnten künftige Therapieansätze in der Schmerzbehandlung beeinflussen.
Telemedizin als Brücke: Greifswalder Modell überzeugt
Das Greifswalder Modell zeigt: 98 % der neurologischen Fachberatungen erfolgen noch am selben Tag – und das mit 40 Hausarztpraxen. Wie Sie diese Telemedizin-Struktur in Ihrer Praxis aufbauen, erklärt der kostenlose Leitfaden. Praxisleitfaden Telemedizin jetzt anfordern
Um die Versorgung effizienter zu gestalten, werden neue Kooperationsmodelle erprobt. Das Projekt NeTKoH (2021–2025) zeigt, wie Telemedizin helfen kann. 40 Hausarztpraxen in Greifswald arbeiteten mit der Neurologie der Universitätsmedizin zusammen. Das Ergebnis: In 98 Prozent der Fälle erfolgte die neurologische Fachberatung noch am selben Tag. Wartezeiten verkürzten sich, Patienten wurden gezielter weitergeleitet.
Auch in Bayern tut sich was. Der Bayerische Hausärzteverband und der BKK Landesverband einigten sich im Juli 2026 auf eine Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Der Vertrag sieht eine Vergütungserhöhung um 9 Prozent vor. Gefördert wird zudem die Delegation ärztlicher Leistungen an sogenannte Primary Care Manager, die die Praxisteams entlasten sollen.
Osteopathie: Verband fordert klare Regeln
Bis 2040 fehlen rund 12.000 Hausarztsitze – jede fünfte Stelle bleibt unbesetzt. Wer jetzt auf Telemedizin und Delegation setzt, sichert die Versorgung und entlastet sein Team. Der Leitfaden liefert die konkreten Schritte. Jetzt Leitfaden zur Praxissicherung sichern
Parallel zur Strukturdebatte gewinnt auch die Faszienforschung an Bedeutung. Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) betont die Rolle des faszialen Netzwerks mit über 100 Millionen Sinnesrezeptoren. Der Verband fordert eine klare berufsgesetzliche Regelung für die Osteopathie, um die Behandlungsqualität zu sichern.
Gleichzeitig steht der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor einer Reform. Der designierte Gesundheitsminister Carsten Linnemann plant strukturelle Anpassungen. Dazu gehören die Streichung der Homöopathie aus dem GKV-Katalog und die verpflichtende Zweitmeinung vor bestimmten Eingriffen wie Knie-Operationen. Ziel: Die begrenzten Mittel des Gesundheitssystems effizienter auf evidenzbasierte Angebote zu konzentrieren.
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