Telemedizin, Apotheken

Telemedizin ab Juli: Apotheken dĂĽrfen Videosprechstunden anbieten

20.06.2026 - 05:21:08 | boerse-global.de

Mehrere Tech-Firmen präsentieren KI-Assistenten für Praxen. Deutsche ePa erreicht 70 Millionen Versicherte, Apotheken starten Telemedizin.

KI-Lösungen entlasten Ärzte: Digitalisierung im Gesundheitswesen 2026
Telemedizin - Healthcare professional using a holographic interface with medical data and AI symbols in a modern clinic setting. 20.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Gleich mehrere Technologieanbieter haben Mitte Juni 2026 spezialisierte KI-Lösungen vorgestellt, die Ärzte von lästiger Dokumentationsarbeit befreien sollen. Besonders in Deutschland, wo die elektronische Patientenakte (ePa) immer mehr Fahrt aufnimmt, könnten die neuen Systeme den Praxisalltag grundlegend verändern.

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KI-Assistenten ĂĽbernehmen Papierkram

Am 18. Juni 2026 brachte Insight Health neue KI-Agenten auf den Markt. Die Tools sind auf dem AdvancedMD-Marktplatz verfügbar und automatisieren zeitaufwendige Aufgaben wie die Verarbeitung von Faxen, die Verwaltung von Überweisungen und die Bearbeitung von Kostenzusagen. Die Entwickler versprechen: Bis zu zwei Stunden täglich könnten Ärzte dadurch sparen – Zeit, die dann für Patienten bleibt.

Ein echtes Problem: Allein in den USA verschlingen die administrativen Kosten im Gesundheitswesen jährlich über eine Billion Euro. Die neuen KI-Lösungen zielen genau auf diesen Schwachpunkt.

Parallel dazu launchte SimplePractice seinen „Care Aide“-Assistenten – ein Tool speziell für Psychotherapeuten. Entwickelt wurde es mit Rückmeldungen von über 1.000 Praktikern. Die Funktionen umfassen Aufnahme-Zusammenfassungen, Behandlungsplanung und Sitzungsdokumentation. Datenschutz wird großgeschrieben: Das System erfüllt die strengen HIPAA- und HITRUST-Sicherheitsstandards.

Ebenfalls am 18. Juni präsentierte sich Matic der Öffentlichkeit. Die Plattform ist in das athenahealth-Ökosystem integriert und bietet klinische Entscheidungsunterstützung sowie automatisierte Kodierung. Ziel ist es, die Interaktion zwischen Patienten und Ärzten durch besseres Praxis-Management und übersichtliche Zusammenfassungen der Krankengeschichte zu optimieren.

Automatisierte Abrechnung und digitale Pathologie

Der trend zur Automatisierung erfasst auch das Finanzmanagement. Bereits im Frühjahr 2026 führte Elation Health KI-gestützte Abrechnungs-Workflows für Hausärzte ein. Die Pilotprojekte lieferten beeindruckende Zahlen: 72 Prozent der abrechenbaren Leistungen wurden ohne manuellen Eingriff generiert, über 95 Prozent der Anträge waren beim ersten Versuch erfolgreich. Ziel ist es, die Ablehnungsquote dauerhaft unter fünf Prozent zu drücken – und das bei deutlich entlastetem Personal.

In der Pathologie geht es ebenfalls voran. Das Krankenhaus Arnas Brotzu auf Sardinien schloss am 18. Juni 2026 eine umfassende digitale Transformation ab. Dort werden histologische Schnitte nun in hochauflösende digitale Bilder umgewandelt und direkt in die elektronischen Patientenakten integriert. Das ermöglicht KI-gestützte Analysen und erleichtert Fernkonsultationen mit Spezialisten.

Deutschland: ePa-Rollout und Apotheken als Telemedizin-StĂĽtzpunkte

In der Bundesrepublik läuft die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePa) auf Hochtouren. Während Praxen in Berlin bereits im Oktober 2025 mit der Umsetzung begannen, zeigen aktuelle Daten: Rund 70 Millionen der 74 Millionen Versicherten besitzen mittlerweile eine ePa. Die Teilnahme ist für Patienten weiterhin freiwillig, doch Apotheken und Krankenhäuser sind inzwischen zur Nutzung verpflichtet.

Am 18. Juni 2026 erweiterte Insiders Technologies seine Lösungen für die private Krankenversicherung (PKV) um ein ePa-Modul. Fünf große Versicherer – darunter Concordia und Münchener Verein – haben bereits damit begonnen, das Modul in ihre digitalen Angebote zu integrieren.

Ein echter Meilenstein steht zum 1. Juli 2026 bevor: Dann dürfen Apotheken in Deutschland assistierte Telemedizin anbieten. Eine Vereinbarung zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und der Deutschen Apothekergewerkschaft regelt die Vergütung. Pro Sitzung erhalten Apotheker 30 Euro für die Unterstützung von Patienten bei Videosprechstunden – zunächst befristet auf den Zeitraum 2026/27.

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Ärzte sehen konkreten Nutzen – Politik zieht nach

Die Stimmung unter Medizinern hat sich spürbar gewandelt. Eine Umfrage der Stiftung Gesundheit vom März 2026 mit 957 Teilnehmern zeigt: 70 Prozent der Ärzte erkennen einen konkreten Nutzen in digitalen Anwendungen und KI-Tools. Besonders gefragt sind KI-gestützte Dokumentation und Spracherkennung (44 Prozent) sowie automatisierte Abrechnungs- und Kodierungssysteme (45,2 Prozent).

Auch die amerikanische Ärztevereinigung AMA hat ihre Position angepasst. Mitte Juni 2026 sprach sie sich für eine gesetzliche Regelung aus, die den Missbrauch von KI verhindern soll. Gleichzeitig betont die AMA: KI solle das ärztliche Urteilsvermögen unterstützen, nicht ersetzen.

Ein weiteres politisches Signal: Der NO FAKES Act passierte am 18. Juni 2026 einen Senatsausschuss. Das Gesetz zielt darauf ab, digitale Nachbildungen und KI-generierte Inhalte im Gesundheitssektor zu regulieren – ein wichtiger Schritt zum Schutz von Patienten und Ärzten gleichermaßen.

Praxisbeispiel: Papier sparen, Emissionen reduzieren

Dass die digitale Transformation messbare Ergebnisse liefert, zeigt das Beispiel des Queen Victoria Hospital. Das Krankenhaus führte im November 2025 sein elektronisches Patientenaktensystem „Archie EPR“ ein. Bis Mai 2026 wurden 87.000 elektronische Medikamentenverabreichungen dokumentiert und 100.000 klinische Unterlagen digital erstellt.

Der Effekt: 834.000 Blatt Papier wurden eingespart – das entspricht einer Reduktion von 4,2 Tonnen CO?-Emissionen. Ein handfester Beweis dafür, dass Digitalisierung nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger sein kann.

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