Telemedizin, Apotheken

Telemedizin in Apotheken: Neue Leistungen ab Juli fĂŒr 30 Euro

24.06.2026 - 12:13:49 | boerse-global.de

Telemedizin in Sachsen kaum genutzt, wĂ€hrend Apotheken ab Juli assistierte Videosprechstunden anbieten dĂŒrfen.

Digitale Gesundheitsversorgung: Apotheken als neue Gesundheitsstationen
Telemedizin - Ein Patient sitzt vor einem Bildschirm, der einen Arzt zeigt, wĂ€hrend eine medizinische Fachkraft daneben assistiert, in einem modernen Behandlungsraum. 24.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend Apotheken bald telemedizinische Leistungen anbieten dĂŒrfen, zeigt sich in lĂ€ndlichen Regionen wie Sachsen: Die Praxis hinkt der Theorie hinterher.

Hausbesuche per Video? In Sachsen fast Fehlanzeige

Telemedizinische Hausbesuche spielen im hausĂ€rztlichen Alltag bislang eine untergeordnete Rolle. Zwar gibt es Pilotprojekte – etwa Video-Visiten in Dresdner Senioreneinrichtungen. Doch die flĂ€chendeckende Etablierung ist noch nicht erreicht. Die KassenĂ€rztliche Vereinigung (KV) Sachsen meldet fĂŒr 2025: Gerade mal ein einziger Fall einer telemedizinischen Assistenz wurde abgerechnet.

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Stattdessen setzen Praxen auf qualifiziertes Assistenzpersonal. In Sachsen sind derzeit 551 Versorgungsassistentinnen (VERAH) im Einsatz, 486 Praxen arbeiten mit NichtĂ€rztlichen Praxisassistenten (NĂ€Pa). Der HausĂ€rzteverband nennt die GrĂŒnde fĂŒr die ZurĂŒckhaltung bei der Telemedizin: hohe Investitionskosten fĂŒr GerĂ€te und Software, komplexe Zertifizierungsprozesse. Pilotprojekte etwa bei dermatologischen Telekonsilen sollen nun zeigen, ob sich der Aufwand fĂŒr bestimmte Fachrichtungen lohnt.

Apotheken werden zur Gesundheitsstation

Ein wichtiger Baustein kommt ab Juli: Apotheken dĂŒrfen dann assistierte Telemedizin (aTM) anbieten. Das Bundesgesundheitsministerium hat einen entsprechenden Schiedsspruch zur VergĂŒtung unbeanstandet gelassen. Die Rechnung: 30 Euro pro Leistung im ersten Jahr, bis Juli 2029 sinkt der Satz schrittweise auf 21,50 Euro.

Das Leistungsspektrum umfasst ErsteinschĂ€tzung und UnterstĂŒtzung bei Videosprechstunden. Flankiert wird das durch eine umfassende Apothekenreform: Totimpfstoffe verabreichen, Blut abnehmen, PrĂ€ventionsangebote fĂŒr Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die Apotheke wird zur kleinen Gesundheitsstation.

Krankenkassen setzen auf digitale Terminvergabe

Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) geht als erste gesetzliche Kasse neue Wege: Sie hat den 116117-Terminservice der KassenÀrztlichen Bundesvereinigung direkt in ihre App integriert. Versicherte können dort Termine suchen und verwalten. Perspektivisch soll die elektronische Patientenakte (ePA) angebunden werden.

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Auch in der Physiotherapie tut sich etwas. Dort warten Patienten oft drei bis sechs Wochen auf einen bequemeren Termin. Ein gemeinsames Projekt von FPZ, Physiofit und der R+V BKK ĂŒberbrĂŒckt die Wartezeit: Patienten mit Heilmittelverordnung bekommen Zugriff auf App-basierte Übungsprogramme, bis ein PrĂ€senztermin frei wird.

KI in der Forschung – aber noch nicht am Patienten

Die langfristige Strategie setzt auf vollstĂ€ndige Digitalisierung. Die Telematikinfrastruktur (TI) soll bis Oktober 2028 auf eine rein softwarebasierte Version (TI 2.0) umgestellt werden. Die ePA steht seit Januar 2025 fĂŒr alle Versicherten bereit – bei einer Widerspruchsquote von etwa fĂŒnf Prozent. Eine Volltextsuche innerhalb der ePA ist bis Jahresende geplant.

In der Forschung zeigen KI-Modelle wie MIRA oder Googles AMIE in Fachpublikationen Potenzial bei Anamnese und Behandlungsplanung. Doch Experten bremsen: Ein Einsatz in der realen Patientenversorgung ist wegen rechtlicher und datentechnischer Fragen derzeit nicht absehbar.

Finanzierung bleibt politischer Zankapfel

Die finanzielle Stabilisierung des Systems bleibt unterdessen umstritten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken wies auf dem Hauptstadtkongress auf die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen hin. Der Bund steigt ab 2027 mit 250 Millionen Euro in die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen ein – ein Betrag, der bis 2030 auf 1,5 Milliarden Euro steigen soll. Gleichzeitig ist fĂŒr 2027 eine KĂŒrzung des allgemeinen Bundeszuschusses um zwei Milliarden Euro vorgesehen.

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