Telemedizin, Salzburg

Telemedizin in Salzburg: Zwölf Apotheken bieten kostenlosen Arztrat per Video

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 11:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Salzburger Pilotprojekt bietet kostenlose Videosprechstunden und senkte in ersten Auswertungen den Anteil der Ambulanzbesuche deutlich.
Ein minimalistischer Beratungsraum in einer Apotheke mit einem Holztisch und einem Stuhl bei natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In Salzburg können Patientinnen und Patienten bei akuten gesundheitlichen Problemen ab sofort direkt in der Apotheke per Video Ă€rztlichen Rat einholen. Das gemeinsame Pilotprojekt doc@apo des Landes Salzburg und der Apothekerkammer lĂ€uft in zwölf ausgewĂ€hlten Apotheken in der Stadt sowie im Bundesland Salzburg bis Anfang 2027. Berichten zufolge ist der Testbetrieb bis Ende JĂ€nner befristet. Das Angebot bietet eine kostenlose medizinische Erstversorgung und soll Wege in Spitalsambulanzen verkĂŒrzen.

Schnelle Konsultation ohne Voranmeldung

Das telemedizinische Angebot deckt Beschwerden wie Husten, BindehautentzĂŒndung, Hautausschlag oder akute Schmerzen ab. Eine vorherige Terminvereinbarung ist fĂŒr Ratsuchende nicht erforderlich, lediglich die e-card muss mitgebracht werden. Die Beratungszeiten sind auf Freitage von 14 bis 18 Uhr sowie Samstage von 8 bis 12 Uhr festgelegt.

Vor Ort findet das GesprĂ€ch in der Regel innerhalb von 15 Minuten statt. Die Videokonsultation wird in einem separaten Raum durchgefĂŒhrt, den das Apothekenteam fĂŒr die Dauer der Untersuchung verlĂ€sst, um die PrivatsphĂ€re zu wahren.

Wird im Rahmen des ArztgesprĂ€chs eine Medikation verordnet, lĂ€sst sich das ausgestellte e-Rezept unmittelbar in der Apotheke vor Ort einlösen. FĂŒr schwere NotfĂ€lle wird weiterhin auf den Notruf 144 und die Gesundheitshotline 1450 verwiesen.

Finanzierung, Partner und regionale Verteilung

Das Land Salzburg fördert die Initiative mit 90.000 Euro, wie im Umfeld von GesundheitslandesrĂ€tin Daniela Gutschi mitgeteilt wurde. Bis auf den Bezirk Lungau stehen in jedem Bezirk mindestens zwei Standorte fĂŒr den Testbetrieb bereit. Die Apotheken gelten dabei als stark frequentierte Anlaufstelle: TĂ€glich nutzen rund 50.000 Menschen eine der 97 Salzburger Apotheken.

Anzeige

Wer bei akuten Beschwerden nicht stundenlang in der Spitalsambulanz warten will, kann in zwölf Salzburger Apotheken kostenlos Ă€rztlichen Rat per Video einholen – ohne Voranmeldung, nur mit e-card. Unser Leitfaden zeigt Schritt fĂŒr Schritt, wie die Konsultation ablĂ€uft, welche Beschwerden geeignet sind und wo die teilnehmenden Standorte liegen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Als Kooperationspartner des Projekts fungieren UNIQA Health Services und Mavie Next. Die wissenschaftliche Evaluation des Vorhabens ĂŒbernimmt das Institut fĂŒr Pharmazie der Paracelsus Medizinischen PrivatuniversitĂ€t (PMU).

Positive Zwischenbilanz und Kritik der Ärztekammer

Nach den ersten drei Beratungswochen fĂ€llt die Zwischenbilanz positiv aus. Margarete Olesko, PrĂ€sidentin der Salzburger Apothekerkammer, erklĂ€rte, dass der Bedarf an dem Angebot groß sei. GestĂŒtzt wird diese EinschĂ€tzung durch frĂŒhere TestlĂ€ufe in 15 Apotheken in Wien und Oberösterreich.

Dort zeigten sich 96 Prozent der Teilnehmenden zufrieden, und 89 Prozent der medizinischen Anliegen konnten unmittelbar geklĂ€rt werden. Zu den am hĂ€ufigsten behandelten Beschwerden zĂ€hlten ErkĂ€ltungen, BindehautentzĂŒndungen, MigrĂ€ne, Magen-Darm-Beschwerden sowie Hautprobleme.

Anzeige

Husten, BindehautentzĂŒndung oder Hautausschlag: Bei solchen Beschwerden entscheidet oft die richtige Erstversorgung, ob daraus ein Ambulanzbesuch wird. Der Leitfaden erklĂ€rt, wann die Videokonsultation in der Apotheke passt, wann Sie besser 144 oder 1450 rufen – und wie das e-Rezept direkt vor Ort eingelöst wird. Checkliste Erstversorgung jetzt sichern

Bemerkenswert war zudem der Effekt auf andere Versorgungseinrichtungen: WĂ€re das Digitalangebot nicht verfĂŒgbar gewesen, hĂ€tte fast jeder vierte Erkrankte eine Spitalsambulanz aufgesucht. Durch die Konsultationen sank der Anteil der Ambulanzbesuche von fast einem Viertel auf unter ein Prozent, was einem RĂŒckgang von rund 97 Prozent entspricht.

Trotz der Entlastungseffekte stĂ¶ĂŸt die Initiative nicht ĂŒberall auf Zustimmung. Seitens der Ärztekammer wurde Kritik laut; die Standesvertretung sieht in dem Pilotprojekt GeschĂ€ftemacherei. Die Evaluation der PMU soll in den kommenden Monaten klĂ€ren, in welchem Ausmaß das Modell zur dauerhaften Entlastung des regionalen Gesundheitssystems beitragen kann.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70339036 |