Tempel Ryuun-ji: Warum ein Priester tÀglich 30 Minuten Leerlauf empfiehlt
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas japanische Konzept des Ma gewinnt als Gegenentwurf zur stĂ€ndigen VerfĂŒgbarkeit zunehmend an Aufmerksamkeit. Verwurzelt im Taoismus und im Zen-Buddhismus, beschreibt der Begriff Pausen, RĂ€ume und ZwischenrĂ€ume.
Wie telva.com in einem redaktionellen Beitrag Anfang November 2026 darlegte, steht dahinter die Vorstellung einer Leere, die zugleich alles umfasst. Marcos Cartagena, Entwickler des Hanasaki-Systems, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die traditionelle japanische Architektur bereits seit Jahrhunderten dem Prinzip folgt, wonach weniger mehr sei.
FĂŒr die Integration in den Alltag bieten sich konkrete Handlungsschritte an: gezielte FreirĂ€ume im Kalender, das Beobachten eigener GefĂŒhle aus einem Ruhemoment heraus, eine dreisekĂŒndige GesprĂ€chspause vor jeder Erwiderung sowie der Verzicht darauf, auf jede eingehende Nachricht unmittelbar zu reagieren.
Die Bedeutung von ZwischenrÀumen und Achtsamkeit
Der Begriff Ma steht dabei nicht isoliert da, sondern fĂŒgt sich in ein breites Geflecht fernöstlicher Betrachtungsweisen ein. Laut einem Bericht des Holistic Wellness Hub zĂ€hlen dazu auch Prinzipien wie Wabi-sabi, das die Schönheit des Unvollkommenen und VergĂ€nglichen beschreibt, sowie das Wort Komorebi, welches das durch BlĂ€tter fallende Sonnenlicht bezeichnet.
WĂ€hrend Shinrin-yoku, das sogenannte Waldbaden, 1982 in Japan etabliert wurde, belegen wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Naturkontakten zwar ermutigende Tendenzen, jedoch schwanken die Effekte je nach Dauer, Umfeld und individuellen Rahmenbedingungen.
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ErgĂ€nzend rĂŒckte das Magazin Vogue Adria das Konzept des Iyashikei in den Fokus, das ĂŒbersetzt fĂŒr Trost spendende Elemente steht. UrsprĂŒnglich ein Genre der Manga- und Anime-Kultur, das auf kontemplative Alltagsgeschichten statt auf dramatische Wendungen setzt, ĂŒbertrĂ€gt sich dieses Prinzip nun auf Lebensgewohnheiten.
Zeit solle nicht ausschlieĂlich an abgearbeiteten Aufgaben gemessen und Alleinsein als eigenstĂ€ndiger Freiraum begriffen werden. Als praktische MaĂnahmen werden unter anderem SpaziergĂ€nge ohne Kopfhörer, das bewusste Verweilen ohne EndgerĂ€te sowie ungeplante Abende genannt.
Körperliche Folgen von Hektik und Methoden zur Entschleunigung
Die Notwendigkeit solcher Unterbrechungen lĂ€sst sich auch physiologisch begrĂŒnden. Wie Zenmeditation Berlin aufzeigte, bringt das typische Hetzen im Alltag, etwa beim Warten an Supermarktkassen, im Schnitt lediglich 30 bis 90 Sekunden Zeitgewinn.
Gleichzeitig verharre der Organismus nach VerĂ€rgerung ĂŒber Verzögerungen fĂŒr 20 bis 30 Minuten in einer messbaren Stressreaktion. Bereits in den 1970er-Jahren stuften Kardiologen diese permanente Getriebenheit als ein Syndrom ein, das die Lebenserwartung verkĂŒrzen kann.
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Um dem entgegenzuwirken, empfehlen Fachleute regelmĂ€Ăige Pausen ohne Zweckbindung. Shinsuke Hosokawa, Priester am Tempel Ryuun-ji im Tokioter Bezirk Setagaya, rĂ€t laut art NIKKEI zu tĂ€glich 30 Minuten absichtsloser Zeit. An seiner Institution finden seit fĂŒnf Jahrzehnten sonntĂ€gliche Meditationssitzungen mit rund 400 Teilnehmenden statt.
Auch die Priesterin Sanae Ishii vom Tempel Sh?gaku-ji nutzt laut einem Bericht der Yomiuri Shimbun morgendliche und abendliche Praxis, um den Geist zu klÀren und auch unter widrigen Bedingungen im gegenwÀrtigen Moment verankert zu bleiben.
Im Zusammenspiel mit AnsĂ€tzen wie Ikigai, das laut Berichten von Anfang November Wege zu Ausgeglichenheit und Sinn aufzeigt, verdeutlichen diese Traditionen, wie wichtig bewusste LeerrĂ€ume fĂŒr die mentale StabilitĂ€t sind.
