Tesla-Robotaxis, Houston

Tesla-Robotaxis in Houston: Zehnfach größere Zone, aber Abholpunkte fehlen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Einsatzgebiet wuchs auf 254 Quadratmeilen; Nutzer meldeten zugleich abgelehnte Abholorte, lange Wartezeiten und Umwege.
Ein weitläufiger Blick aus der Vogelperspektive auf das nächtliche Straßennetz von Houston, Texas, bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Der US-Elektroautobauer Tesla hat seine fahrerlose Robotaxi-Servicezone im texanischen Houston am 26. Oktober 2026 erheblich ausgedehnt. Das neu zugeschnittene Bediengebiet zieht optisch die Kontur einer Rakete nach – eine Anspielung auf das Raumfahrtunternehmen SpaceX, die von Tesla unter dem Leitspruch eines geglückten Raketenstarts angekündigt wurde.

Konzernchef Elon Musk erklärte dazu auf der Plattform X, er schwöre, dass die Form reiner Zufall sei. Abseits des Marketingeffekts berichten Nutzer und Beobachter nach der Vergrößerung jedoch von deutlichen Einschränkungen im Betriebsalltag.

Verzehnfachung der Fläche übertrifft Konkurrenzgebiet

Nach Unternehmensangaben vergrößerte sich der sogenannte Geofence um das Zehnfache: von zuvor rund 25 Quadratmeilen um Jersey Village auf nun etwa 254 Quadratmeilen.

Das Areal reicht nun bis Downtown sowie Bellaire und schließt unter anderem Heights, Montrose, Midtown und East Downtown ein, spart jedoch einen Teil des nordöstlichen Rings aus. Laut Daten der Beobachtungsplattform Robotaxi Tracker entspricht dies einem Zuwachs von rund 229 Quadratmeilen.

Damit übertrifft Tesla das Bediengebiet des Mitbewerbers Waymo in Houston, das rund 49 bis 50 Quadratmeilen umfasst, um etwa das Fünffache. Allerdings kam es auch bei Waymo bereits zu Unstimmigkeiten zwischen App-Karten und realem Betrieb: In Orlando verringerte sich das Bediengebiet des Anbieters laut dem Tracker um 10 Quadratmeilen auf 109 Quadratmeilen, was einem Minus von 8,4 Prozent entsprach, nachdem der dortige Flughafen irrtümlich aufgeführt worden war.

Diskrepanzen zwischen App-Karte und tatsächlicher Verfügbarkeit

Kurz nach der Freischaltung häuften sich Berichte über lange Wartezeiten und fehlerhafte Buchungen. Der ehemalige Tesla-Mitarbeiter Ethan McKanna vom Robotaxi Tracker dokumentierte Versuche, einen Abholpunkt im Stadtzentrum von Houston innerhalb der offiziellen Polygon-Fläche zu setzen.

Die Anwendung wies die Anfrage mit dem Hinweis ab, dass der Standort nicht verfügbar sei. McKanna bezeichnete das Gebiet in Houston als die mit Abstand eklatanteste Täuschung bei autonomen Servicezonen, da die Karte Bereiche enthalte, in denen gar keine Fahrten gebucht werden könnten.

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In einer Bildschirmaufnahme belegte McKanna weitere Abbrüche bei zufällig gesetzten Abholpunkten. In einem Fall schlug das System einen dreistündigen Fußweg bis zum Einstiegsort vor. Er vermutete, dass das Ziel, die Umrisse eines Raumschiffs nachzubilden, zu Lasten der Nutzererfahrung gegangen sei.

Trotz der Mängel hob McKanna jedoch hervor, dass der Service an sich sehr gut funktioniere. Bei erfolgreicher Buchung biete Tesla angemessene Wartezeiten, ein großes Einsatzgebiet und ein Fahrerlebnis, das spürbar besser ausfalle als bei seinen jüngsten Fahrten mit Waymo.

Extreme Umwege im morgendlichen Berufsverkehr

Zu den technischen Hürden zählen auch ungewöhnliche Fahrtrouten für kurze Distanzen. Eine dokumentierte Fahrt begann um 2:05 Uhr in East Downtown mit dem zwei Blocks entfernten Polizeipräsidium an der Travis Street als Ziel.

Das Fahrzeug erreichte den Ort erst um 2:48 Uhr nach 40 Minuten Fahrzeit, da das System eine weiträumige Schleife über Midtown, den Museum District und das Texas Medical Center wählte. Als Ursache für die Ausweichmanöver wird die gezielte Vermeidung von innerstädtischen Bahnübergängen vermutet.

Ein weiterer Nutzer, Content-Creator Hy Luu, berichtete über eine regulär 13 Meilen lange Strecke zum Arbeitsplatz: Das autonome Fahrzeug traf nach rund 25 Minuten Wartezeit ein, startete um 8:00 Uhr und erreichte das Ziel um 9:23 Uhr. Dieselbe Strecke nehme mit einem privaten Tesla Model 3 unter überwachter FSD-Software rund 45 Minuten in Anspruch.

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Zwei Häuserblocks, 40 Minuten Fahrzeit – und in einem dokumentierten Fall schlug die App sogar einen dreistündigen Fußweg zum Einstieg vor. Wer auf einen Fahrdienst angewiesen ist, braucht verlässliche Pendel-Alternativen statt schöner Karten. Der kostenlose Leitfaden führt Sie durch die wichtigsten Prüfschritte und zeigt, worauf Sie bei Wartezeit und Routing achten sollten. Pendel-Checkliste jetzt sichern

Ein Unternehmenssprecher reagierte nicht auf Medienanfragen zu den Routingproblemen. Die Flotte in Houston umfasst laut Erhebungen des Trackers derzeit 34 unüberwachte Model Y – nach 22 Fahrzeugen vor drei Monaten –, was rechnerisch einem Auto pro 7,5 Quadratmeilen entspricht.

Spezielle Cybercabs verkehren in Houston noch nicht, wenngleich das texanische DMV in der vergangenen Woche rund 200 Einheiten zuließ, die sich jedoch nicht alle im aktiven Einsatz befinden. Seit dem Start unüberwachter Fahrten am 18. April verzeichnete Tesla in seinem ersten Sicherheitsbericht zwischen dem 22. Januar und dem 18. Oktober 225.964 fahrerlos absolvierte Meilen in der Region.

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