Tesla startet fahrerlose Robotaxis in Miami-Dade ohne Sicherheitsfahrer
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 01:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Starship Technologies verlegt über 1.200 Roboter von US-Unis in den Lebensmittel-Lieferservice.
Noch vor wenigen Jahren waren die kleinen, sechsrädrigen Roboter vor allem auf abgesperrten Uni-Campi unterwegs. Doch das ändert sich jetzt grundlegend. Der Branchenprimus Starship Technologies hat Anfang der Woche angekündigt, mehr als 1.200 seiner Flitzer von amerikanischen Hochschulen abzuziehen. Stattdessen sollen sie künftig Lebensmittel und heiße Mahlzeiten in Städten in den USA und Europa ausliefern.
Der Markt für autonome Lieferungen auf der letzten Meile ist gigantisch. 2025 war er noch 26,6 Milliarden Euro schwer – bis 2028 soll er auf über 50 Milliarden Euro anwachsen. Kein Wunder also, dass die Branche aufs Tempo drückt.
Effizienter als der Mensch
Der Umstieg auf urbane Lebensmittellogistik hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Starship-Chef Ahti Heinla spricht von einem zehnfachen Wachstum in diesem Segment. Seine Roboter seien pro Lieferung drei bis vier Euro günstiger als ein menschlicher Kurier. Getestet wird das unter anderem im britischen Milton Keynes, wo Bewohner mit eingeschränkter Mobilität den Service besonders schätzen.
Doch Starship ist nicht allein. Anfang Juli präsentierte Minieye seine „Combo"-Lösung: einen vierbeinigen Roboter auf Rädern, der 30 Kilo tragen kann. Er überwindet 30 Zentimeter hohe Bordsteine und 80 Zentimeter hohe Stufen – und schließt so die Lücke zwischen Lieferwagen und Haustür.
Robotaxis auf dem Vormarsch
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Neben der Warenlieferung macht auch der Personentransport große Schritte. Am 7. Juli 2026 startete Tesla einen vollständig unbeaufsichtigten Robotaxi-Dienst in Miami-Dade, Florida. Kein Sicherheitsfahrer, kein Remote-Monitor – das System arbeitet rein kamerabasiert, ohne Lidar. Nach Austin und San Francisco ist das die dritte Stadt, in der Teslas autonome Flotte unterwegs ist.
Die Konkurrenz schläft nicht. Waymo ist bereits in zehn US-Metropolen aktiv – darunter Phoenix, Los Angeles und Atlanta. Im März 2026 absolvierten rund 3.000 Waymo-Fahrzeuge über 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Volkswagen testet derweil autonome ID. Buzz in Los Angeles. Ausgestattet mit 13 Kameras und neun Lidar-Sensoren, sollen die Bullis noch 2026 über Uber buchbar sein.
Erste globale Regeln fürs autonome Fahren
Mit dem Wachstum der Flotten wächst auch der Regulierungsdruck. Ende Juni 2026 verabschiedete die UN-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE) die weltweit erste Regelung für vollständig fahrerlose Fahrzeuge. Die USA, China, die EU und Großbritannien haben das Regelwerk abgesegnet. Es schreibt strenge Sicherheitsauflagen, Datenspeicherung und umfangreiche Testprotokolle vor.
Auch auf regionaler Ebene tut sich etwas. In Kalifornien gilt seit dem 1. Juli 2026 ein neues Gesetz: Alle Betreiber autonomer Fahrzeuge müssen eine direkte Kommunikationsverbindung zur Polizei vorhalten. Hintergrund sind mehrere Sicherheitsvorfälle – darunter Bundesermittlungen zu Unfällen in Texas und Rückrufe wegen Navigationsproblemen bei Überschwemmungen.
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Wenn die Infrastruktur nicht mithält
Doch so schnell die Technik voranschreitet – die physische Infrastruktur hinkt hinterher. Ben Seidi, Gründer von Autolane, warnt: Viele private Grundstücke wie Einkaufszentren oder Drive-Throughs seien nicht auf autonomen Verkehr ausgelegt. Die Folge: Immer wieder bleiben Fahrzeuge in Restaurant-Drive-Throughs stecken.
Auch die Software macht noch Probleme. In der chinesischen Stadt Wuhan legte ein Software-Fehler kürzlich rund 100 Baidu-Robotaxis lahm – zeitgleich. Der daraus resultierende Verkehrsinfarkt sorgte weltweit für Schlagzeilen.
Und dann ist da noch das Thema Barrierefreiheit. Fußgänger- und Behindertenverbände kritisieren, dass Lieferroboter Gehwege blockieren oder Menschen mit Mobilitätshilfen verwirren können. Starship verspricht Abhilfe: Die Roboter seien programmiert, Hilfsmittel zu erkennen und Platz zu machen. Bei Bedarf greifen menschliche Operateure per Fernsteuerung ein.
