The Platform Group: Vom Handtaschen-HĂ€ndler zum Milliarden-Imperium
30.04.2026 - 00:26:57 | boerse-global.deEnde April 2026 legte der Vorstand der The Platform Group SE & Co. KGaA (TPG) die geprĂŒften Zahlen fĂŒr 2025 vor. Das Bruttowarenvolumen (GMV) stieg um 44 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro.
Der Nettoumsatz legte um 39 Prozent auf 728,1 Millionen Euro zu. Noch deutlicher fiel der Sprung beim operativen Ergebnis aus: Das bereinigte EBITDA kletterte um 65 Prozent auf 55 Millionen Euro. Grund dafĂŒr ist die hohe Skalierbarkeit des Plattformmodells.
Die Fixkosten bleiben niedrig, wĂ€hrend die Zahl der angebundenen Partner stetig wĂ€chst. Der Konzernergebnisanteil belief sich auf 46,5 Millionen Euro â das entspricht 2,26 Euro je Aktie.
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Analysten von First Berlin Equity Research bestĂ€tigten ihre Kaufempfehlung. Sie verwiesen auf das starke Wachstum im KonsumgĂŒter-Segment mit plus 55 Prozent. Die Marktbewertung des Unternehmens sei im Vergleich zu den Wachstumsraten weiterhin moderat.
Vom Nischen-Shop zum Multi-Branchen-Spezialisten
Der Weg zum Erfolg begann mit der Neuausrichtung der ursprĂŒnglichen Fashionette AG. FrĂŒher ein klassischer Online-HĂ€ndler fĂŒr Premium-Handtaschen, wurde das GeschĂ€ftsmodell unter Dr. Dominik Benner grundlegend transformiert. Heute ist Fashionette eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Platform Group und dient als Speerspitze im Luxussegment.
Das Unternehmen betreibt mittlerweile Plattformen in 27 verschiedenen Branchen â von Möbeln ĂŒber Dentaltechnik und Autoteile bis hin zu Optik und Pharmazie. Diese Diversifizierung gleicht saisonale Schwankungen aus und schafft Synergien bei Softwareentwicklung und Online-Marketing. Die Zahl der aktiven Partner stieg bis Ende 2025 auf ĂŒber 16.600.
Ein wesentlicher Pfeiler der Strategie: die Einstellung unprofitabler GeschĂ€ftsbereiche. Bereits 2023 schloss TPG die Sparten Beauty und Smartwatches, die Vermögenswerte wurden im FrĂŒhjahr 2024 verĂ€uĂert. Der Fokus liegt nun auf margenstarken Kernsegmenten.
Einkaufstour im Luxussegment
Im Bereich Luxusmode baute die Gruppe ihre PrĂ€senz durch gezielte ZukĂ€ufe in ganz Europa aus. Neben der deutschen Kernmarke Fashionette integrierte TPG die niederlĂ€ndische Plattform Winkelstraat mit ĂŒber 350 HĂ€ndlern und Zugang zu Marken wie Chanel, HermĂšs und Dior.
Ein weiterer Meilenstein: die Mehrheitsbeteiligung an Joli Closet aus Paris im Jahr 2025. Die Plattform ist auf gebrauchte LuxusgĂŒter spezialisiert â ein Markt mit weltweit ĂŒber 40 Milliarden Euro Volumen. Durch die VerknĂŒpfung mit Fashionette und Winkelstraat stĂ€rkte die Gruppe den Bereich Vintage-Luxus massiv. In Paris unterhĂ€lt TPG eigene Teams fĂŒr QualitĂ€ts- und Echtheitskontrollen.
Das Integrationsmuster ist klar: TPG ĂŒbernimmt profitable Unternehmen, implementiert die eigene Software und sorgt durch die Anbindung ans bestehende Kundennetzwerk fĂŒr schnelle Skalierung. Im Bereich Optik wurden zuletzt die Ketten Beste Aussichten und Karrasch & Nolte ĂŒbernommen â ein Signal, dass TPG auch in physisch-nahen Dienstleistungsbranchen wachsen will.
Erfolg durch Abkopplung vom Marktumfeld
Warum wÀchst die Platform Group, wÀhrend der Einzelhandel leidet? Branchenexperten verweisen auf das geringe Lagerrisiko. Da die Gruppe als reine Plattform fungiert, liegt die Bestandsverantwortung bei den Partnern. Das schont die LiquiditÀt und erhöht die FlexibilitÀt bei NachfrageÀnderungen.
Dr. Dominik Benner betonte im Rahmen der Bilanzvorlage, dass das organische Wachstum stabil geblieben sei. Durch disziplinierte Kapitalallokation habe man nicht nur die ProfitabilitĂ€t gesteigert, sondern auch die BilanzqualitĂ€t verbessert. Die Eigenkapitalquote stieg zum Stichtag Ende 2025 auf ĂŒber 48 Prozent.
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Das Unternehmen setzt verstĂ€rkt auf Internationalisierung. Nach der GrĂŒndung von Tochtergesellschaften in den USA und der Schweiz sowie neuen Standorten in Frankreich plant TPG, die Reichweite ĂŒber Europa hinaus zu erweitern. Die âVision 2030" sieht vor, in ĂŒber 50 Branchen aktiv zu sein und die Zahl der Partner auf ĂŒber 40.000 zu steigern.
Die nÀchste Milliarden-Grenze im Visier
FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr 2026 zeigt sich das Management zuversichtlich. Das Ziel: ein Bruttowarenvolumen von 1,7 Milliarden Euro bei einem Nettoumsatz von einer Milliarde Euro. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 70 und 80 Millionen Euro liegen.
Ein wesentlicher Treiber könnte die geplante Ăbernahme des B2B-Pharma-GroĂhĂ€ndlers AEP GmbH sein. Das Bundeskartellamt gab Ende MĂ€rz 2026 grĂŒnes Licht, der Abschluss der Finanzierung wird fĂŒr Ende Mai 2026 erwartet. Gelingt die Transaktion, stellt der Vorstand einen deutlichen Sprung beim Umsatz auf bis zu 2 Milliarden Euro in Aussicht.
Mit einer prall gefĂŒllten M&A-Pipeline und robuster Cashflow-Generierung bleibt TPG auf Expansionskurs. Die Transformation der ehemaligen Fashionette AG gilt in der Branche bereits jetzt als Musterbeispiel fĂŒr einen gelungenen strategischen Pivot im digitalen Zeitalter.
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