Therapie-Wartezeiten, Kinder

Therapie-Wartezeiten: Neun Monate fĂŒr psychisch erkrankte Kinder

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 06:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

JugendÀmter melden deutliche ZuwÀchse bei GefÀhrdungsverfahren. Psychisch kranke Kinder warten im Schnitt neun Monate auf einen Therapieplatz.

Familienreport 2026: Rekord bei KindeswohlgefÀhrdungen und lange Therapiewartezeiten
Eine gestresste Person sitzt an einem KĂŒchentisch vor einem Stapel Rechnungen und Dokumenten. Illustration mit AI erstellt.

Die Belastung fĂŒr Familien in Deutschland nimmt weiter zu: JugendĂ€mter melden Rekordzahlen bei KindeswohlgefĂ€hrdungen, Eltern kĂ€mpfen mit hohen Kosten und lange Wartezeiten auf TherapieplĂ€tze verschĂ€rfen die Lage.

JugendÀmter schlagen Alarm

Die Zahlen sind deutlich: In Hessen registrierten die JugendĂ€mter 2025 insgesamt 7.650 Verfahren zur KindeswohlgefĂ€hrdung – ein Anstieg von 16 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Auch Sachsen-Anhalt verzeichnet mit 7.407 Verfahren ein Plus von 14,7 Prozent. Besonders betroffen: SĂ€uglinge im ersten Lebensjahr. HĂ€ufigste GefĂ€hrdungsformen sind VernachlĂ€ssigung sowie körperliche und psychische Misshandlungen.

Markus Juch von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen sieht vielfĂ€ltige Ursachen: steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten, psychische Erkrankungen der Eltern, Suchtprobleme und Fluchterfahrungen. Der Druck auf Familien wachse spĂŒrbar – und die Hilfssysteme kĂ€men zunehmend an ihre Grenzen.

Wenn das Geld nicht reicht

Die finanzielle Belastung trifft Familien auf mehreren Ebenen. In Haan etwa fordert eine Elterninitiative die Überarbeitung der Kita-Beitragssatzung – die geplanten GebĂŒhren wĂ€ren die höchsten im Kreis Mettmann. Die Initiative verlangt einen Aufschub der Neuregelung um ein Jahr.

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Auch beim Elterngeld gibt es Streit. Die niederlĂ€ndische Soziologin Renske Keizer sprach sich Anfang August gegen KĂŒrzungen aus und plĂ€dierte stattdessen fĂŒr einen höheren Lohnersatz. Ihr Argument: Das wĂŒrde die Beteiligung von VĂ€tern an der Familienarbeit fördern. SozialverbĂ€nde warnen zudem vor KĂŒrzungen bei prĂ€ventiven Angeboten – stationĂ€re Jugendhilfen fĂŒr 16- bis 18-JĂ€hrige wĂŒrden seltener bewilligt, obwohl der Bedarf wachse.

Neun Monate Wartezeit auf Therapie

Besonders dramatisch ist die Lage fĂŒr psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche. Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und JugendĂ€rzte (BVKJ) berichtet von durchschnittlich neun Monaten Wartezeit auf einen Therapieplatz. Eine lange Zeit fĂŒr betroffene Familien.

Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sorgt zusĂ€tzlich fĂŒr Unruhe: Es sieht eine Budgetierung von Psychotherapiestunden vor. Zwar sollen dringliche FĂ€lle und Therapien fĂŒr Kinder und Jugendliche ausgenommen werden, doch der Gemeinsame Bundesausschuss muss die Kriterien dafĂŒr erst bis Ende 2026 definieren. Fachleute befĂŒrchten bereits ab Januar weniger freie Sprechstunden und KĂŒrzungen bei Kurzzeittherapien.

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Was Familien wirklich hilft

Wie Stress bei Eltern und pflegenden Angehörigen entsteht, untersucht eine neue Familienstudie in der Augustinum Vorsorgeklinik Bischofswiesen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Keil von der UniversitĂ€t WĂŒrzburg sollen ĂŒber zwei Jahre Gesundheit und Wohlbefinden der Betroffenen analysiert werden. Der Hintergrund: Rund 80 Prozent der PflegebedĂŒrftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt.

Ein weiterer Stressfaktor: Soziale Medien. WĂ€hrend KinderĂ€rzte wie Jakob Maske Verbote fĂŒr unter 14-JĂ€hrige fordern, betonen andere Stimmen, dass Eltern eher UnterstĂŒtzung als zusĂ€tzliche Regulierungen brauchen. Dass Erholung im Familienalltag schwer zu finden ist, zeigt ein Trendreport aus dem Oktober 2025: Nur rund ein Viertel der Eltern fĂŒhlte sich nach einem gemeinsamen Urlaub tatsĂ€chlich vollstĂ€ndig erholt. Die logistische Erreichbarkeit des Urlaubsortes hatte bei der Planung oberste PrioritĂ€t.

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