Tiefschlaf, Jährlicher

Tiefschlaf im Alter: Jährlicher Rückgang erhöht Demenzrisiko um 27 Prozent

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitbeobachtung verknüpft sinkenden Tiefschlafanteil mit höherem Demenzrisiko, belegt jedoch keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in der Morgendämmerung mit weichem Licht und einem ungemachten Bett. Illustration mit AI erstellt.

Eine kontinuierliche Abnahme der Tiefschlafphasen im höheren Lebensalter steht in engem Zusammenhang mit einer Zunahme neurodegenerativer Erkrankungen. Wie aus einer langjährigen Beobachtungsstudie an 346 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren hervorgeht, erhöht ein jährlicher Rückgang des Tiefschlafanteils um einen Prozentpunkt das relative Demenzrisiko um circa 27 Prozent.

Während des bis zu 17 Jahre umfassenden Nachbeobachtungszeitraums, in dem zwei Schlafchecks im Abstand von rund fünf Jahren stattfanden, wurden 52 Demenzfälle registriert. Die Gesamtschlafdauer der Teilnehmenden blieb dabei unverändert. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist eine direkte Kausalität allerdings nicht bewiesen.

Die Rolle des Tiefschlafs für Gehirnreinigung und Gedächtnis

Der sogenannte Slow-Wave-Schlaf übernimmt essenzielle Funktionen bei der Konsolidierung von Gedächtnisinhalten sowie beim Abbau schädlicher Stoffwechselprodukte. Fachleute verweisen auf das glymphatische System, das insbesondere während der Tiefschlafphasen aktiviert wird. Auf dem XXXII.

Brasilianischen Neurologiekongress (Neuro 2026) wurde dargelegt, dass im Wachzustand molekulare Schäden wie DNA-Doppelstrangbrüche entstehen, die während des Schlafs repariert werden. Im Tiefschlaf erweitert sich der Interstitialraum im Gehirn, sodass die Gehirnflüssigkeit zirkulieren und toxische Abfallstoffe drainieren kann.

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Eine Schlaffragmentierung durch Störungen wie Insomnie oder obstruktive Schlafapnoe behindert diesen Mechanismus, namentlich den Abtransport von Beta-Amyloid und hyperphosphoryliertem Tau.

Ein US-Forschungsteam hatte bereits 2012 bei stündlichen Messungen über 36 Stunden hinweg nachgewiesen, dass die Konzentration von Beta-Amyloid im Liquor einem Tagesrhythmus unterliegt: Tagsüber bis zum Abend ist sie hoch, während sie in der Nacht bis zum Morgen absinkt.

Seit rund zehn Jahren richtet sich der wissenschaftliche Fokus verstärkt auf solche Ausscheidungsmechanismen, nachdem Ablagerungen von Beta-Amyloid und Tau als Treiber von Alzheimer gelten.

Veränderungen der Hirnwellen und Eiweißablagerungen

Ergänzende Befunde liefert eine Untersuchung der University of California, Berkeley, unter der Leitung von Matthew Walker und Erstautor Omer Sharon. Mittels Elektroenzephalografie (EEG) und Positronen-Emissions-Tomografie (PET) untersuchten die Wissenschaftler den Non-REM-Schlaf älterer Personen. Sie stellten fest, dass sich langsame Hirnwellen im Alter kürzer und isolierter ausbreiten. Dieses veränderte Muster ging mit vermehrten Tau-Ablagerungen im frontalen Cortex sowie einer schlechteren Gedächtniskonsolidierung einher – ein Effekt, der sich auch bei älteren Personen ohne Alzheimer-Diagnose zeigte. Ob die Tau-Ablagerungen die Ursache für die Wellenveränderungen sind oder umgekehrt, bleibt derzeit noch ungeklärt.

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Weitere Schlafparameter und neurologische Risiken

Neben dem Tiefschlaf geraten auch andere Schlafdimensionen in den Blick der Forschung. Eine Untersuchung der Universität Peking auf Basis von Daten von rund 100.000 Personen aus der UK Biobank zeigte, dass etwa 48 Minuten zusätzlicher REM-Schlaf pro Nacht mit einer Risikosenkung für 83 Krankheiten einhergingen, darunter ein um 46 Prozent geringeres Demenzrisiko und ein um 80 Prozent vermindertes Risiko für das Parkinson-Syndrom.

Zugleich deuten Daten der Johns-Hopkins-Universität darauf hin, dass Schlafmuster am Tag ebenfalls Indikatoren darstellen können: Bei 995 Medicare-Versicherten ab 65 Jahren war täglicher Mittagsschlaf mit einem um etwa 48 Prozent höheren Demenzrisiko verknüpft, wobei dies von den Forschenden als möglicher Frühindikator und nicht zwingend als Ursache gewertet wird.

Um gestörten Schlafarchitekturen entgegenzuwirken, werden inzwischen auch neue Ansätze wie die transkranielle Gleichstromstimulation im Rahmen klinischer Studienprotokolle auf ihre Wirksamkeit bei kognitiven Beschwerden geprüft.

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