TORCH-Studie mit 44 Patienten: Darmbakterien unterscheiden Therapie-Responder
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 05:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft im menschlichen Verdauungstrakt rückt zunehmend in den Fokus der Onkologie. Eine im Fachjournal Cell veröffentlichte Untersuchung der Mayo Clinic vom 29. September 2026 liefert umfassende Daten zur Rolle des Darmmikrobioms bei Krebserkrankungen.
Für die Analyse wurden Stuhlproben von 1.364 Krebspatienten vor Beginn ihrer Behandlung an Klinikstandorten in Arizona, Florida und Minnesota gesammelt, die aus insgesamt 40 US-Bundesstaaten stammten. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von 287 gesunden Personen konnten die Forschenden 341 Bakterienspezies identifizieren, die signifikant mit fünf verschiedenen Krebsgruppen assoziiert waren.
Spezifische Bakteriensignaturen bei verschiedenen Tumorarten
Die Resultate der Mayo Clinic zeigen deutliche Unterschiede je nach Tumorart und Patientenalter. Bei jüngeren Darmkrebspatienten im Alter von 50 Jahren oder darunter wurden erhöhte Konzentrationen von Lactat sowie der Bakterienart Veillonella parvula nachgewiesen.
Diese Beobachtung gewinnt vor dem Hintergrund von Daten der American Cancer Society an Relevanz, wonach die Darmkrebs-Inzidenz bei 20- bis 49-Jährigen um rund drei Prozent pro Jahr zunimmt.
Bei Brustkrebspatientinnen waren 64 bakterielle Spezies verändert, wobei insbesondere das Vorkommen von Clostridium scindens reduziert war. Laut der American Cancer Society steigt auch bei Frauen unter 50 Jahren die Brustkrebs-Inzidenz jährlich um 1,4 Prozent.
Bei Krebserkrankungen der Leber und der Gallenwege zeigten sich zudem direkte Zusammenhänge mit dem Krankheitsverlauf: Das Vorhandensein von Bifidobacterium longum ging mit einer längeren Überlebenszeit einher, während Blautia A massiliensis mit einem kürzeren Überleben korrelierte.
Relevanz für Toxizität und therapeutisches Ansprechen
Neben diagnostischen Hinweisen liefert die mikrobielle Besiedlung auch Anhaltspunkte für Nebenwirkungen von Krebstherapien. In der Studie der Mayo Clinic wiesen Patienten, die unter dem Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil (5-FU) an Diarrhö litten, eine geringere Anzahl bakterieller Abbau-Gene auf, was insbesondere die Spezies Anaerostipes hadrus betraf. Bei Behandlungen mit Carboplatin wurde ein vergleichbarer Zusammenhang hingegen nicht beobachtet.
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Auch das Ansprechen auf kombinierte Immun- und Strahlentherapien wird durch mikrobielle Faktoren geprägt. Die klinische TORCH-Studie untersuchte 44 Patienten mit mikrosatellitenstabilen, lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinomen unter einer Behandlung aus Kurzzeit-Radiotherapie, CAPEOX und dem PD-1-Inhibitor Toripalimab.
Anhand von 102 Stuhlproben – entnommen vor, während und nach der Therapie – zeigten sich klare Unterschiede zwischen den 29 Respondern und den 15 Non-Respondern. Responder wiesen höhere Anteile von Ruminococcus, Anaerostipes und Coprobacillus auf, während bei Non-Respondern vermehrt Klebsiella, Salmonella und Enterobacter festgestellt wurden.
Im begleitenden Mausmodell schwächte eine Gabe von GABA die Wirksamkeit der Radio-Immuntherapie ab; eine klinische Validierung oder definierte Schwellenwerte stehen jedoch noch aus.
Systemische Stoffwechselwege und Infektionsrisiken
Veränderungen der Mikrobiota wirken auch über Stoffwechselprodukte auf das Immunsystem ein. Eine Arbeit von Ludivine Bersier und Tatiana Petrova im Fachjournal Nature Communications zeigte, dass Chemotherapie-bedingte Darmschädigungen das Nährstoffangebot für Bakterien verändern, die Indol-3-propionsäure (IPA) produzieren.
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Dieser Metabolit wandert in das Knochenmark, reprogrammiert die Bildung von Myelozellen und reduziert immunsuppressive Monozyten. Bei Patienten mit Kolorektalkarzinom korrelierten höhere IPA-Werte nach einer Chemotherapie mit geringeren Monozytenwerten und einer besseren Überlebensrate.
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