Toyota: 400.000 Roboter bis 2028 in 60 Werken weltweit
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der japanische Automobilkonzern Toyota hat eine weitreichende Automatisierungsstrategie angekündigt, die den Einsatz von 400.000 selbst entwickelten Robotern bis zum Jahr 2028 vorsieht.
Wie aus Berichten vom 18. September 2026 hervorgeht, sollen die Einheiten in insgesamt 60 Werken weltweit implementiert werden. Davon sind 150.000 Roboter für die eigenen Fabriken des Herstellers vorgesehen, während weitere 250.000 Einheiten bei Konzerntöchtern und Partnerunternehmen zum Einsatz kommen sollen, unter anderem in zehn Werken in den USA.
Investitionsvolumen und technische Spezifikationen
Die jährlichen Kosten für diese umfassende Automatisierung werden für den Toyota-Konzern, seine Töchter und die Hauptzulieferer auf insgesamt 1 Billion Yen geschätzt, was etwa 6,4 Milliarden US-Dollar entspricht. Im Zentrum der Initiative steht der Roboter mit der Bezeichnung „ELEY“. Das Modell wiegt 50 Kilogramm, verfügt über zwei Finger und bewegt sich auf Rädern fort. Der Betrieb erfolgt wahlweise per Batterie oder Kabel.
Technisch setzt Toyota auf sogenannte QDD-Aktuatoren und eine vom Toyota Research Institute entwickelte „Diffusion-Policy“-KI. Die Lernfähigkeit des Systems wurde am Beispiel des Faltens eines T-Shirts demonstriert, was der Roboter nach 1.500 Übungseinheiten innerhalb von zwei Wochen nahezu präzise erlernt habe.
Aktuell beschäftigt Toyota zudem 18.000 Takumi-Meister in seinen 60 Werken, deren handwerkliches Geschick als Vorbild für die Programmierung dient. Als verbleibende Herausforderungen für den großflächigen Einsatz gelten derzeit noch die Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb, die Wiederholgenauigkeit der Endeffektor-Positionierung sowie die erforderliche Dateninfrastruktur.
Analysten von Bernstein bewerten den Fokus auf Robotik als potenziellen Hebel, um das Wachstum des Konzerns über das Kerngeschäft Automobil hinaus zu steigern.
Hyundai forciert Automatisierung trotz gewerkschaftlicher Widerstände
Der massive Ausbau der Automatisierung zeigt, wie Robotik und KI die Industrie grundlegend verändern. Welche Unternehmen bei dieser Entwicklung weltweit ganz vorne mitspielen, erfahren Sie in diesem kostenlosen Report. Robotik und KI: Profiteure der neuen Industrieära erkennen
Parallel zu Toyota treibt auch der südkoreanische Wettbewerber Hyundai seine Robotik-Sparte voran. Das Unternehmen plant die Installation von 30.000 Atlas-Robotern in US-Werken, wobei der Start im Werk in Georgia für 2028 vorgesehen ist. Hyundai hat zudem seine Anteile an Boston Dynamics ausgebaut und den verbliebenen Anteil von SoftBank in Höhe von rund 10 Prozent für etwa 500 Milliarden Won (371,51 Millionen US-Dollar) erworben.
Trotz der Ambitionen steht die Sparte vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Laut Einreichungen bei Hyundai Glovis verzeichnete Boston Dynamics im Jahr 2025 einen Verlust von 528,4 Milliarden Won.
Die Gesamtverluste zwischen 2021 und 2025 belaufen sich auf fast 1,7 Billionen Won. Ein Börsengang des Robotik-Spezialisten wird von Marktbeobachtern erst für 2029 oder 2030 erwartet, da das Modell Atlas noch nicht skaliert und unprofitabel sei.
Die Hyundai-Gewerkschaft fordert ein Vetorecht gegen den Einsatz von Robotern und begann Mitte September 2026 einen dreitägigen Teilstreik, nachdem Tarifgespräche gescheitert waren. Die Streikkosten werden auf 200 Milliarden Won (132 Millionen US-Dollar) beziffert.
Während die Industrie durch Milliarden-Investitionen in neue Technologien ganze Branchen umkrempelt, stehen Anleger vor der Frage nach den langfristigen Gewinnern. Ein aktueller Experten-Report analysiert die größte Industrierevolution seit Jahrzehnten und bietet fundierte Einblicke für Ihr Portfolio. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen
Während das Management Erhöhungen des Grundgehalts und Boni anbot, verlangte die Arbeitnehmerseite deutlich höhere Bezüge und eine Verlängerung des Rentenalters. Berichten zufolge gibt es jedoch erste Signale für eine Tarifeinigung, die neben Gehaltsplus auch die Schaffung von 500 neuen Technik-Jobs vorsehen könnte.
Wettbewerbsdruck aus China und Kostenvorteile
Der globale Wettbewerb im Bereich der industriellen Robotik verschärft sich insbesondere durch chinesische Akteure. Mitte September 2026 eröffnete der Hersteller UBTECH eine 14.000 Quadratmeter große Smart Factory in Liuzhou, die jährlich über 10.000 humanoide Roboter der Serien Walker-S und Cruzr produzieren soll.
In China erreichte die Produktion von Industrierobotern bereits im Juli 2026 ein Volumen von 98.677 Einheiten, was einem Zuwachs von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 wurden insgesamt 635.056 Einheiten gefertigt.
Branchenübergreifend zeigt sich ein Trend zur Kommerzialisierung:
* Tesla baut seit Juli eine Fertigungslinie für über 50.000 Optimus-Roboter pro Jahr auf und setzt diese bereits für die Batteriemontage ein.
* BMW und Mercedes testen Modelle wie Figure 03 oder Apollo für Logistikaufgaben und Hochrisikopositionen.
* CATL setzt den humanoiden Roboter „Xiao Mo“ in der Batterieproduktion ein, wobei die Tagesleistung laut Unternehmensangaben verdreifacht wurde.
Die wirtschaftliche Motivation hinter dem großflächigen Rollout ist erheblich. Die Betriebskosten für humane Roboter werden auf 2 bis 5 US-Dollar pro Stunde geschätzt, während die Kosten für menschliche Arbeitskräfte in den USA und Europa zwischen 35 und 45 US-Dollar liegen. Experten erwarten, dass das Jahr 2026 einen Wendepunkt für kommerzielle Anwendungen in der Industrie darstellt.
