Traditionelle Medizin bei HIV: 29 Studien belegen Symptomlinderung
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftler des Nationalen Medizinischen Zentrums in Korea haben den aktuellen Forschungsstand zur traditionellen ostasiatischen Medizin (TEAM) in der Behandlung von HIV und AIDS systematisch aufgearbeitet.
Eine im August 2026 im Fachjournal European Journal of Integrative Medicine publizierte Übersichtsarbeit mit dem Titel „Current research status and clinical effects of traditional East Asian medicine in HIV/AIDS: A scoping review“ fasst die bisherigen klinischen Erkenntnisse zusammen.
Die Analyse beleuchtet, in welchen Bereichen komplementäre Verfahren wie Kräutermedizin oder Akupunktur die konventionelle antivirale Therapie unterstützen können.
Umfangreiche Datenbasis aus randomisierten Studien
Für die Scoping Review wertete das Forschungsteam des Nationalen Medizinischen Zentrums Korea insgesamt 29 randomisierte kontrollierte Studien aus, an denen zusammen 3.783 Patientinnen und Patienten teilnahmen. Ziel war es, die Bandbreite der angewandten Methoden und deren dokumentierte Wirkungen zu erfassen.
Die untersuchten Interventionen verteilten sich auf unterschiedliche Behandlungsformen der traditionellen ostasiatischen Medizin:
- 14 Untersuchungen befassten sich mit Kräutermedizin.
- 9 Studien analysierten reine Akupunkturbehandlungen.
- 3 Arbeiten untersuchten die Kombination aus Akupunktur und Moxibustion.
- Jeweils 1 Studie widmete sich der alleinigen Moxibustion, manuellen Chuna-Therapien sowie Akupunkturpunkt-Pflastern.
Linderung von Schmerzen und Unterstützung des Immunsystems
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Die Auswertung der Daten ergab Hinweise auf einen potenziellen Nutzen traditioneller ostasiatischer Verfahren bei der Symptomkontrolle, der Schmerztherapie, der Lebensqualität sowie bei bestimmten Immunmarkern.
Insbesondere Arbeiten zu Akupunktur und Moxibustion zeigten Verbesserungen bei verschiedenen Schmerzindikatoren. Dazu zählten Beschwerden infolge peripherer Neuropathien und Post-Zoster-Neuralgien, aber auch allgemeine HIV-bedingte Symptome.
Bei den Studien zur Kräutermedizin wurden positive Effekte auf Immunparameter wie CD4+ T-Zellen dokumentiert. Zudem berichteten die Studien über eine Linderung von Begleiterkrankungen wie oraler Candidiasis und Durchfall.
Effekte in Kombination mit antiretroviraler Therapie
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In einigen der erfassten Untersuchungen wurde die gemeinsam Verabreichung traditioneller Verfahren mit der standardmäßigen antiretroviralen Therapie (ART) überprüft. Die Kombination von Kräutermedizin und Moxibustion mit ART führte demnach zu verbesserten Immunmarkern und reduzierte unerwünschte Begleiterscheinungen im Vergleich zu einer alleinigen ART.
Ein spezifischer Befund betraf die Verträglichkeit im Bereich der Leberwerte: Eine der untersuchten Arbeiten verzeichnete eine Leberfunktionsstörung bei 33,84 Prozent der Teilnehmenden unter alleiniger ART, während der Anteil in der Gruppe mit zusätzlicher Kräutermedizin bei 12,50 Prozent lag.
Rein komplementärer Einsatz und Notwendigkeit von Sicherheitsanalysen
Der leitende Forscher Kim Jin-won vom Nationalen Medizinischen Zentrum Korea wies darauf hin, dass traditionelle ostasiatische Medizin stets als komplementärer und keinesfalls als alternativer Ansatz zur Standardtherapie verstanden werden müsse.
Vor einem Einsatz in der Praxis sei zudem eine fundierte Sicherheitsbewertung unerlässlich. Dabei müssten insbesondere mögliche Wechselwirkungen zwischen pflanzlichen Präparaten und antiviralen Wirkstoffen der Standardtherapie im Vorfeld sorgfältig geprüft werden.
