Trauerbegleitung im Betrieb: Fehlende Hilfe kostet jährlich 15 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachartikel weisen verstärkt darauf hin, wie entscheidend Empathie, flexible Führung und verbindliche Leitlinien für den professionellen Umgang mit Trauerfällen im Team sind.
Der Verlust einer nahestehenden Person oder ein Todesfall im unmittelbaren Kollegium stellen Betroffene vor immense emotionale Herausforderungen, die nicht an den Grenzen des Arbeitsplatzes haltmachen. Für Organisationen gewinnt die strukturierte Begleitung Trauernder daher zunehmend an Relevanz.
Hohe Produktivitätsverluste durch unzureichende Trauerbegleitung
Die Dimension des Themas in der Arbeitswelt belegen aktuelle Daten. Laut einem Branchenbericht von PERSONALintern befinden sich in Deutschland etwa 4,7 Millionen Beschäftigte in einer Trauerphase. Eine unzureichende Begleitung dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verursacht jährlich rund 15 Milliarden Euro an Produktivitätsverlusten.
Um Betroffene wirksam aufzufangen, empfiehlt das Fachportal neben individueller Unterstützung und flexiblen Arbeitsregelungen auch eine temporäre Reduzierung von Leistungsanforderungen.
Zudem sollten Unternehmen eine betriebliche Trauer-Policy etablieren, die Zuständigkeiten verbindlich festlegt. Tritt ein Todesfall direkt im Team auf, seien eine zeitnahe Kommunikation, ausreichend Raum für den gemeinsamen Abschied und eine sensible Abstimmung mit den Angehörigen unerlässlich.
Wachsende emotionale Belastung im Arbeitsalltag
Die Notwendigkeit eines empathischen Führungsstils wird durch bestehende Belastungsmuster in den Betrieben verstärkt. Laut einer Umfrage der Plattform karriere.at unter 2.000 Befragten aus dem Frühjahr 2026 haben 52 Prozent wegen der Arbeit mindestens einmal geweint; mehr als 60 Prozent erlebten bereits einen Wutausbruch.
Etwa 31 Prozent der Teilnehmenden stoßen mehrmals monatlich an ihre emotionale Belastungsgrenze, ein weiteres Drittel mehrmals pro Jahr. Zur Entlastung wünschten sich 34 Prozent eine Verringerung des Arbeitspensums, während je ein Drittel Gespräche mit Vorgesetzten, professionelle Beratung oder den Austausch im Team anführte.
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Zusätzliche Daten einer Erhebung von Mavie zeigen, dass 83 Prozent der Beschäftigten trotz mentaler Erschöpfung oder eines Burn-outs weiterarbeiten. Für 37 Prozent gilt die Arbeit gar als größter Stressfaktor. Vor diesem Hintergrund mahnte der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) verstärkte Präventionsmaßnahmen und ausreichende Personalressourcen in den Unternehmen an.
Keine festen Zeitpläne: Was Betroffene wirklich brauchen
Psychologische Fachleute raten im Umgang mit Trauernden zu mehr Offenheit und konkreten Taten. In einem Fachbeitrag für CNBC empfiehlt die Psychologin Marisa G. Franco, konkrete Hilfsangebote zu unterbreiten, anstatt auf allgemeine Floskeln zurückzugreifen. Wichtig sei es, präsent zu sein, zuzuhören und sich auch bei eigener Unsicherheit bei der betroffenen Person zu melden, statt Reaktionen auszuweichen.
Trauer und persönliche Krisen folgen Franco zufolge keinem festen Zeitplan. Betroffene sollten keinesfalls zum schnellen Überwinden der Situation oder zu demonstrativer Stärke gedrängt werden. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf eine Untersuchung von Personen nach dem Tod des Ehepartners, wonach weniger Gespräche über den erlittenen Verlust mit einem schlechteren Gesundheitszustand im Folgejahr einhergingen.
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Auch der Ratgeber mimikro.de betont, dass Trauerprozesse individuell und nicht linear verlaufen sowie Monate oder Jahre in Anspruch nehmen können. Geraten wird dazu, Hilfe anzunehmen, Erinnerungsrituale zu pflegen und bei anhaltender Überlastung professionelle Unterstützung zu suchen.
Für entsprechende Rituale bieten etwa freie Trauerfeiern Menschen ohne Konfession einen würdevollen Rahmen, wie die freie Trauerrednerin Juliane Peffermann hervorhebt – wobei solche Abschiedszeremonien von einer kontinuierlichen Trauerbegleitung im Alltag abzugrenzen seien.
