Trauma-Therapie, Tetris

Trauma-Therapie: Tetris binnen 6 Stunden kann aufdringliche Erinnerungen mindern

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie mit 71 Unfallopfern verknüpft Tetris innerhalb von sechs Stunden mit weniger aufdringlichen Erinnerungen; weitere Forschung bleibt nötig.

Tetris in der Traumatherapie: Wirkung nur im engen Zeitfenster
Ein ruhiger, minimalistisch eingerichteter Behandlungsraum mit weichem Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass ein klassisches Videospiel als effektive Methode in der Trauma-Therapie eingesetzt werden kann. Die Forschung konzentriert sich dabei vor allem auf den gezielten Einsatz von Denksportklassikern unmittelbar nach stark belastenden Ereignissen, um das Entstehen posttraumatischer Belastungssymptome abzumildern.

Visuelle Reize während der Gedächtniskonsolidierung

Grundlage dieser Erkenntnisse ist unter anderem eine Untersuchung unter der Leitung der Psychologie-Professorin Emily Holmes. An der Erhebung nahmen 71 Opfer von Verkehrsunfällen teil. Das Design der Untersuchung sah vor, dass eine Hälfte der Probanden innerhalb von 6 Stunden nach dem Unfall das Spiel Tetris spielte. Die andere Hälfte der Gruppe widmete sich in diesem Zeitraum anderen Tätigkeiten.

Die Ergebnisse bestätigten die Hypothese der Forscher: Die Probanden der Tetris-Gruppe wiesen in der Woche nach dem Unfall weniger aufdringliche Erinnerungen an das Geschehen auf als die Personen in der Kontrollgruppe. Zudem zeigte sich, dass die belastenden Erinnerungen bei den Teilnehmenden, die das Spiel genutzt hatten, schneller abnahmen.

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Zeitfenster ist für den Effekt entscheidend

Ein zentraler Aspekt der Wirkungsweise liegt im Zeitpunkt der Intervention. Die beobachtete therapeutische Wirkung tritt ausschließlich in einem engen Zeitfenster von 6 Stunden nach dem Ereignis auf.

Dieser Zeitraum fällt mit der sogenannten Gedächtniskonsolidierung zusammen, in der das menschliche Gehirn Erlebnisse langfristig abspeichert. Findet der Einsatz nach dem Verstreichen dieses 6-Stunden-Fensters statt, zeigt sich der schützende Effekt nicht mehr.

Trotz der vielversprechenden Resultate weisen die Forschenden auf bestehende Einschränkungen hin. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl von 71 Personen gelten die Ergebnisse der Studie bislang als noch nicht repräsentativ. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Mechanismen und die Wirksamkeit breiter abzusichern.

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Ein Klassiker im Dienste der Medizin

Dass ausgerechnet dieser Puzzle-Klassiker im Fokus der Traumaforschung steht, verbindet moderne Interventionsansätze mit der Computergeschichte. Das Spiel Tetris wurde erstmals 1984 für den Elektronika-60-Computer entwickelt.

Jahrzehnte nach seiner Entstehung bietet die visuell-räumliche Natur des Spiels der psychologischen Forschung konkrete Anhaltspunkte dafür, wie einfache digitale Werkzeuge in Notaufnahmen oder Erstversorgungskontexten zur Linderung psychischer Traumafolgen beitragen könnten.

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