Traumahilfe im Saarland: GdP fordert 15 Änderungen für Polizeikräfte
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Umgang mit psychischen Belastungen und Traumata im Polizeialltag steht im Saarland vor strukturellen Veränderungen. Innenminister Jost (SPD) fordert verbesserte Gesprächsmöglichkeiten für betroffene Polizistinnen und Polizisten.
Anlass dafür sind Erkenntnisse über teils erhebliche Hemmschwellen bei der Inanspruchnahme von Hilfen: Betroffene litten nach belastenden Einsätzen mitunter unter Schockstarre und wüssten oft nicht, an welche Stellen sie sich wenden könnten.
Jost betonte, dass Beamtinnen und Beamte keine Angst haben dĂĽrften, offen ĂĽber ihre Situation zu sprechen. Die vorliegenden Erkenntnisse sollen nun eingehend mit der Polizei sowie im parlamentarischen Innenausschuss diskutiert werden.
Befragung offenbart Hemmschwellen und Sorgen vor Nachteilen
Die Diskussion stützt sich auf eine Befragung zu psychischen Belastungen im saarländischen Polizeidienst. An der Erhebung konnten sich knapp 3.400 Polizeibeschäftigte sowie Studierende der Fachhochschule für Verwaltung und Polizei beteiligen. Insgesamt nahmen 921 Personen teil, was einer Beteiligung von rund 27 Prozent entspricht.
Die Resultate verdeutlichen, dass innerhalb der Belegschaft weiterhin Hemmungen bestehen, über Ängste und mentale Belastungen zu sprechen. Viele der teilnehmenden Einsatzkräfte äußerten die Befürchtung, im Kollegenkreis stigmatisiert zu werden, oder sorgten sich vor beruflichen Nachteilen für ihren weiteren Werdegang, sollten sie psychische Probleme offenlegen.
Im Saarland zeigt eine Befragung mit 921 Teilnehmenden, dass viele Einsatzkräfte nach belastenden Einsätzen nicht wissen, an wen sie sich wenden können — oder aus Sorge vor Stigmatisierung schweigen. Unser kostenloser Leitfaden fasst die 15 Forderungen aus der Praxis zusammen und zeigt in drei Schritten, wie Sie Ersthelfer benennen und Beratungswege transparent machen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Politische Zusicherungen und Forderungen der Gewerkschaft
Diesen Bedenken trat Innenminister Jost entgegen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur unterstrich der Minister, dass Beschäftigte im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Unterstützung keine Nachteile befürchten dürften. Ziel sei es, Betroffenen die Scheu zu nehmen und Beratungswege transparent zu gestalten.
Aus den Reihen der Interessensvertretungen liegen konkrete Vorschläge zur Reform der bestehenden Strukturen vor. GdP-Landeschef Andreas Rinnert formulierte in einem Positionspapier 15 Forderungen.
Der Katalog sieht unter anderem eine Ausweitung der bisherigen Hilfsangebote sowie die Einrichtung zentraler Ansprechpersonen und Ersthelfer vor. Zudem verlangt die Gewerkschaft der Polizei die offizielle Anerkennung posttraumatischer Belastungsstörungen als Dienstunfall und dringt auf ein erweitertes Angebot an Fortbildungen.
Wer nach einem Schock-Einsatz den Weg zur Unterstützung nicht kennt, bleibt oft allein — genau dort setzen die vorgeschlagenen zentralen Ansprechpersonen und Ersthelfer an. Der Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie diese Rollen in Ihrer Dienststelle verankern und Fortbildungen planbar machen. Schritt-für-Schritt-Leitfaden sichern
Aufarbeitung im Innenausschuss steht an
Die Ergebnisse der internen Befragung sowie die gewerkschaftlichen Vorschläge bilden die Grundlage für die anstehenden Beratungen im Innenausschuss. Im Austausch mit der Polizei soll geklärt werden, wie Zugangsbarrieren zu psychologischer Unterstützung abgebaut und betroffene Beamte nach traumatischen Ereignissen verlässlich begleitet werden können.
