Tuina, Schmerzen

Tuina bei Schmerzen: 136 Stoffwechselprodukte im Rattenmodell nachgewiesen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Forschungsteam schlägt einen möglichen Signalweg zur Schmerzlinderung vor; uneinheitliche Studien und fehlende Standards begrenzen die Aussagekraft.
Symbolbild: getrocknete Heilkräuter mit Mörser und Tee Illustration mit AI erstellt.

Die traditionelle chinesische Massagetherapie Tuina wird seit Langem zur Linderung muskuloskelettaler Beschwerden eingesetzt, doch die biologischen Wirkmechanismen gelten wissenschaftlich weitgehend als ungeklärt.

Ein Forscherteam der Changchun University of Chinese Medicine um den Erstautor Jundong Jiao untersuchte in einer narrativen Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Frontiers in Microbiology, über welche Pfade die manuelle Behandlung Schmerzen dämpfen könnte.

Auf Basis von Literatur aus den Datenbanken PubMed und Web of Science bis Juni 2026 formulierten die Wissenschaftler eine Hypothese: Die Schmerzlinderung könnte über Darmmikroben, Stoffwechselprodukte sowie Myokine der Muskulatur entlang einer sogenannten Gehirn-Darm-Muskel-Achse vermittelt werden. Das Team betonte zugleich, dass es sich hierbei ausdrücklich um eine Hypothese und nicht um einen gesicherten Mechanismus handele.

Heterogene Evidenz bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen

In der Übersichtsarbeit verknüpfen die Forscher der Changchun University of Chinese Medicine die Tuina-Therapie vor allem mit chronischen Beschwerden des Bewegungsapparats. Dazu zählen nichtspezifische Schmerzen im unteren Rücken, Probleme an Nacken und Schultern, Arthrose sowie myofasziale Schmerzzustände.

In einigen randomisierten kontrollierten Studien seien zwar kurzfristige Verbesserungen dokumentiert worden, insgesamt bleibe die Studienlage jedoch uneinheitlich. Für die breitere Evidenz manueller Massagen bescheinigen die Autoren den vorliegenden Daten zumeist eine niedrige bis sehr niedrige Ergebnissicherheit.

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Einschätzungen zur manuellen Therapie bei nichtspezifischem Kreuzschmerz teilen auch internationale Fachvertreter: Wie Boyd Buser, ehemaliger Präsident der International Osteopathic Alliance, auf einem Fachforum darlegte, zeige manuelle Therapie bei Erwachsenen kurzfristig begrenzte Schmerz- und Funktionsverbesserungen.

Langfristig fehle hingegen eine ausreichende Evidenz für anhaltende funktionelle Verbesserungen. Schwerwiegende Komplikationen seien zwar selten, jedoch nicht vollständig auszuschließen.

Erkenntnisse aus Tier- und Humanstudien

Die von den Forschern der Changchun University of Chinese Medicine ausgewerteten Tiermodelle liefern erste Anhaltspunkte für molekulare Signalwege. Demnach aktiviert Butyrat des Bakteriums Roseburia intestinalis den Rezeptor GPR41 an Vagusneuronen, was analgetische Effekte hervorrufen kann.

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Zudem spielen Gallensäurerezeptoren wie TGR5 und FXR im Hinterhorn des Rückenmarks eine Rolle; so verbesserte Hyodeoxycholsäure über FXR das Schmerzverhalten bei neuropathischen Beschwerden. In einem Rattenmodell zur Massage bei Muskelspasmen wurden ferner 136 differentielle Stoffwechselprodukte nachgewiesen.

Ergebnisse am Menschen bleiben vorerst vorsichtig zu interpretieren. Eine im Review angeführte Untersuchung an Patienten mit Knie-Arthrose, die eine Kombination aus Elektroakupunktur und Tuina erhielten, verzeichnete mittels 16S-rRNA-Sequenzierung Veränderungen des Mikrobioms parallel zu einer Besserung von Schmerz und Gelenkfunktion. Die Autoren stellten jedoch klar, dass diese Effekte nicht isoliert der Tuina zugerechnet werden können.

Mangelnde Standardisierung und künftige Forschungsstandards

Ein wiederkehrendes Hindernis bei der Beurteilung traditioneller Behandlungsmethoden bleibt die mangelnde Standardisierung der manuellen Techniken. Einem Bericht der Plattform xue138.com zufolge ist die wissenschaftliche Datenlage etwa zur speziellen Rolltechnik der Tuina gering. Die gemessenen Parameter und Testergebnisse weichen stark voneinander ab, da es an einheitlichen quantitativen Standards fehle.

Um die Zusammenhänge künftig methodisch belastbar zu überprüfen, formulierte das Team der Changchun University of Chinese Medicine klare Anforderungen an künftige Studien. Notwendig seien metagenomische Analysen in Kombination mit nicht-zielgerichteter Metabolomik sowie wiederholte, longitudinale Probennahmen über mehrere Zeitpunkte.

Zudem fordern die Autoren eine strikte Einhaltung etablierter Berichtsstandards wie STRICTO und STORMS, um die Validität klinischer und mikrobiologischer Daten abzusichern.

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