TUM RoboGym: Auf 2.300 m² lernen rund 100 Roboter praktische Arbeitsabläufe
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deAm LabCampus des Flughafens München haben das Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence der Technischen Universität München (TUM MIRMI) und das Unternehmen NEURA Robotics das sogenannte TUM RoboGym eröffnet.
Die neue Einrichtung versteht sich als Trainings- und Forschungszentrum für verkörperte künstliche Intelligenz (Embodied AI). Ziel ist es, Robotersystemen Fähigkeiten für monotone oder körperlich schwere Arbeiten zu vermitteln, um menschliche Arbeitskräfte künftig in Industrie und Alltag zu unterstützen.
Praxisnahes Training in 48 Arbeitszellen
Die Anlage erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 2.300 m² und gilt als eines der größten Forschungszentren dieser Art auf europäischer Ebene. In 48 spezialisierten Trainingszellen sollen zunächst rund 100 humanoide und Service-Roboter praktische Abläufe einüben. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt vor allem auf industriellen Anwendungen und der Intralogistik.
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Zu den konkreten Aufgabenstellungen der Systeme zählen unter anderem das Falten von Boxen, das Zusammenstecken von Bauteilen, das Bedienen von Werkzeugen, das Kartonhandling, das Befüllen von Flaschen sowie das Be- und Entladen von Holzbauteilen. Die Roboter sollen dabei direkt von menschlichen Demonstrationen lernen.
Das Trainingskonzept basiert auf drei verschiedenen Datenquellen: realen Roboterdaten, menschlichen Demonstrationen sowie virtuellen Simulationen. Die anfallenden Trainingsdaten fließen in einen kuratierten Cloud-Data-Lake, der speziell für das Training physischer KI-Systeme genutzt wird. Ergänzend stellt das Zentrum entsprechende Rechenkapazitäten für KI-Modelle und Simulationsläufe bereit.
Kooperation mit der Industrie und Technologietransfer
Das Projekt ist zunächst auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt und umfasst eine Gesamtinvestition von rund 17 Millionen Euro. Den Großteil davon, etwa 11 Millionen Euro, steuert NEURA Robotics bei. Mit diesen Mitteln sollen im weiteren Verlauf hunderte Robotersysteme trainiert und weiterentwickelt werden, einschließlich humanoider Einheiten für praktische Aufgaben.
Partnerunternehmen trainieren bereits seit September konkrete Betriebsabläufe in der Einrichtung. Beteiligt sind Betriebe aus mehr als zehn verschiedenen Wirtschaftszweigen, darunter Automotive, Pharma, Medizintechnik, Verpackungsindustrie, Logistik, Landwirtschaft sowie der Pflegesektor.
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Der wissenschaftliche Koordinator Prof. Achim Lilienthal hob hervor, dass das primäre Ziel des Zentrums darin bestehe, Forschungsprototypen in marktfähige Produkte zu überführen. TUM-Präsident Thomas Hofmann bezeichnete das RoboGym als eine Einrichtung, die in Deutschland und Europa einzigartig sei.
Hardware-Einsatz und weitere Ausbaupläne
NEURA Robotics liefert neben der nötigen Infrastruktur auch die eingesetzten humanoiden Roboter. Anlässlich der Eröffnung stellte das Unternehmen zudem die vierte Generation seines humanoiden Roboters 4NE1 vor. Die neue Version ist 20 Prozent leichter als ihr Potenzialmodell, nutzt ein neuronales KI-Modell und ist konstruktiv für die Serienfertigung ausgelegt. Nach der Vorstellung soll das Modell künftig regulär im RoboGym zum Einsatz kommen.
Über den Standort am Münchner Flughafen hinaus verfolgt NEURA Robotics weitere Ausbaupläne. Geplant sind künftige Trainingszentren in Europa, den USA und China. Innerhalb Deutschlands soll ein weiteres Vorhaben in Kooperation mit der RWTH Aachen realisiert werden.
