TUM RoboGym in München: 48 Trainingszellen für humanoide Roboter
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Bereich der verkörperten künstlichen Intelligenz setzen Wissenschaft und Industrie verstärkt auf praxisnahe Trainingsumgebungen. Mit dem TUM RoboGym powered by NEURA am LabCampus des Münchner Flughafens entstand eines der modernsten Zentren für sogenannte Embodied AI in Europa. Das von TUM MIRMI und NEURA Robotics realisierte Vorhaben soll die Brücke zwischen akademischer Grundlagenforschung und industrieller Anwendung schlagen.
Großangelegtes Trainingszentrum am Flughafen München
Für das Projekt ist ein Investitionsvolumen von 17 Mio. Euro vorgesehen, wovon NEURA Robotics rund 11 Mio. Euro übernimmt. Auf einer Fläche von über 2.300 m² ist die Zusammenarbeit zunächst auf drei Jahre angelegt.
Im TUM RoboGym lernen anfangs rund 100 humanoide und Service-Roboter in 48 Trainingszellen spezifische Fähigkeiten. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf Intralogistik und Industrieanwendungen, darunter Tätigkeiten wie das Falten von Kartons, die Montage von Komponenten sowie die Nutzung verschiedener Werkzeuge.
Ergänzt wird die physische Infrastruktur durch hohe Rechenleistung für Simulationen und das Training von KI-Modellen. Sämtliche erfassten Daten fließen in einen kuratierten Cloud-Data-Lake, der für die Forschung im Bereich der Physical AI bereitgestellt wird.
Zeitgleich eröffnete die TU München am Flughafen das sogenannte Convergence Center, um Studierende, Forschende und Industriepartner zusammenzubringen. Der wissenschaftliche Koordinator von TUM MIRMI, Prof. Achim Lilienthal, betonte diesbezüglich, dass eine kontinuierliche Kooperation mit der Robotikindustrie unerlässlich sei, um Erkenntnisse zügig in marktreife Produkte zu überführen.
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Industrielle Vernetzung und neue Roboter-Hardware
An dem Trainingszentrum beteiligen sich Unternehmen aus mehr als zehn Branchen, darunter Pharma, Medizintechnik, Automobilbau, Verpackung, Logistik, Pflege und Landwirtschaft. Zu den erprobten Aufgaben zählen unter anderem das Flaschenabfüllen sowie das Be- und Entladen von Holzkomponenten.
NEURA Robotics stellte im Rahmen der Einrichtung zudem die vierte Generation seines humanoiden Roboters 4NE1 vor. Das Modell ist 20% leichter als die Vorgängerversion, besitzt eine sensorisierte Textil-Außenhaut, weiterentwickelte Hände sowie sogenannte Smart Limbs. Gesteuert wird das System über das Perception-Language-Action-Modell Neuron AI; es ist für die Serienfertigung vorbereitet.
Darüber hinaus kooperiert NEURA Robotics mit Bosch, wobei im Zuge von Datenerfassungen über 1.000 Beschäftigte mit Sensoranzügen ausgestattet wurden. NEURA-Chef David Reger, der im Juni bis zu 1,4 Mrd. US-Dollar von Geldgebern wie Nvidia, Amazon und Tether eingeworben hatte, plant bis zum Jahresende den Betrieb von weltweit fünf Trainingszentren, darunter ein Standort im chinesischen Hangzhou.
Zehn weitere sollen folgen, darunter eine deutsche Einrichtung in Kooperation mit der RWTH Aachen. Für die Nutzung der Trainingsplätze bewarben sich bereits mehr als 2.600 Unternehmen.
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Europäische Aufholjagd im internationalen Vergleich
Der Ausbau physischer Trainingsstätten erfolgt vor dem Hintergrund eines globalen Wettlaufs. Nach Erhebungen von Interact Analysis sind in China bereits über 90 Datensammelzentren für humanoide Robotik in Betrieb und mindestens 50 weitere im Bau, während in ganz Europa weniger als 10 solcher Einrichtungen existieren.
Gleichzeitig rechnen Marktanalysten von Barclays mit einem raschen Hochlauf: Sofern regulatorische Hürden ausbleiben und die Kosten sinken, prognostizierte Analystin Zornitsa Todorova einen möglichen Anstieg der weltweit installierten Humanoiden von 15.000 Einheiten im Vorjahr auf bis zu 1 Mio. Roboter im Jahr 2030.
Auch auf kommunaler Ebene wird die Technologie diskutiert. Im Stadtrat von Ingolstadt sorgte vor einer Entscheidung über ein geplantes Technologie-Transferzentrum für humanoide Robotik und KI das Vorgehen für Kritik: Eine rund 100-seitige Ausarbeitung lag den Fraktionen erst wenige Tage vor der Sitzung vor, was Fragen nach einer rechtzeitigen Vorberatung des Vorhabens aufwarf.
