Twitch, Streamer-Daten

Twitch nutzt Streamer-Daten für KI: Opt-out versteckt im Menü

Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Twitch aktiviert KI-Training mit Streamer-Inhalten als Standard und bietet eine versteckte Opt-out-Option. Amazon nutzt die Daten bereits seit Jahren.

Twitch: KI-Training mit Streamer-Daten als Standard aktiviert
Ein modernes Home-Office-Setup mit professionellem Mikrofon und Monitoren vor einem unscharfen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die zu Amazon gehörende Livestreaming-Plattform Twitch hat eine weitreichende Änderung im Umgang mit Nutzerdaten vorgenommen. Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, nutzt das Unternehmen die Inhalte seiner Streamer nun standardmäßig für das Training von Modellen der Künstlichen Intelligenz (KI). Diese Praxis ist als Voreinstellung für alle Konten aktiviert, wobei Nutzer die Möglichkeit haben, der Verwendung ihrer Daten zu widersprechen.

Kritik an versteckter Widerspruchsoption

Die Einführung dieser neuen Richtlinie stößt in der Branche auf Aufmerksamkeit, insbesondere aufgrund der Art der Umsetzung. Zwar bietet Twitch eine sogenannte Opt-out-Funktion an, mit der Creator die Nutzung ihrer Live-Inhalte für KI-Zwecke unterbinden können, doch wird diese Option von Beobachtern als schwer auffindbar und in den Menüs versteckt kritisiert.

Mike Minton, der Chief Product Officer (CPO) von Twitch, nahm in einer Stellungnahme zu der Entscheidung Stellung. Er begründete die Wahl eines Opt-out-Modells statt eines zustimmungspflichtigen Opt-in-Verfahrens mit pragmatischen Erwägungen für den Konzern. Seiner Einschätzung nach würde sich kaum ein Nutzer aktiv für das KI-Training entscheiden, wenn er explizit vorab um Erlaubnis gefragt würde. Damit deutet das Management an, dass die Datengewinnung für die KI-Entwicklung bei einer freiwilligen Teilnahmebasis nicht in ausreichendem Maße gewährleistet wäre.

Langjährige Nutzung von Streamer-Daten durch Amazon

Die aktuelle Umstellung macht eine Praxis offiziell, die offenbar bereits seit längerer Zeit besteht. Berichten zufolge nutzt der Mutterkonzern Amazon die Inhalte der Twitch-Streamer schon seit mehreren Jahren für die Entwicklung eigener KI-Systeme. Minton selbst hatte diese Nutzung nach vorliegenden Informationen bereits im Jahr 2024 bestätigt.

Anzeige

Wer sich mit der rechtlichen Einordnung solcher KI-gestützten Datenverarbeitungen befasst, benötigt angesichts neuer Regularien einen klaren Überblick. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt die wichtigsten Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung für Unternehmen und Verantwortliche. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Dennoch scheint innerhalb des Unternehmens eine gewisse Intransparenz über das genaue Ausmaß der Datennutzung zu herrschen. Der CPO gab an, nicht genau zu wissen, welche Maßnahmen Amazon in der Vergangenheit konkret ergriffen habe, um die Daten für KI-Zwecke zu verwerten. Mit der nun eingeführten, wenn auch versteckten Opt-out-Möglichkeit, schafft das Unternehmen erstmals einen formalen Weg für Urheber, sich gegen diese Verwertung zu wehren.

Wirtschaftlicher Hintergrund der Plattform

Die enge Verflechtung zwischen Twitch und den KI-Ambitionen von Amazon ist auch vor dem Hintergrund der langjährigen Zugehörigkeit zum Konzern zu sehen. Amazon hatte Twitch bereits im Jahr 2014 für einen Betrag von rund 1 Milliarde US-Dollar übernommen. Seither wurde die Plattform kontinuierlich in das Ökosystem des Cloud- und Versandriesen integriert.

Anzeige

Die neuen Regeln für KI-Systeme stellen viele Akteure vor unvorhergesehene Herausforderungen bei der Risikodokumentation und Kennzeichnungspflicht. Ein kostenloser Report klärt auf, welche rechtlichen Anforderungen jetzt konkret gelten und wie man die Compliance sicherstellt. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung herunterladen

Für die betroffenen Streamer bedeutet die Neuerung, dass sie ihre Privatsphäre-Einstellungen aktiv überprüfen müssen, wenn sie nicht möchten, dass ihre Aufnahmen und Live-Auftritte als Trainingsmaterial für künftige KI-Anwendungen dienen. Branchenexperten sehen in dem Vorgehen von Twitch ein Beispiel für den steigenden Hunger von Technologiekonzernen nach hochwertigen Videodaten, die für das Training moderner Sprach- und Multimediamodelle unerlässlich sind. Ob die Kritik an der mangelnden Transparenz der Opt-out-Funktion zu weiteren Anpassungen der Benutzeroberfläche führen wird, bleibt abzuwarten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69946517 |