Typ-1-Diabetes, Experten

Typ-1-Diabetes bei Kindern: Experten empfehlen Antikörperscreening in drei Altersfenstern

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein europäisches Programm fand unter 140.568 untersuchten Kindern 634 frühe Typ-1-Diabetes-Fälle und stützt die Empfehlung zur Früherkennung.

Typ-1-Diabetes bei Kindern: Fachleute empfehlen Antikörper-Screening
Ein steriler Labortisch mit medizinischen Probengefäßen und einer Zentrifuge in einem hellen, klinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Ein internationales Expertengremium spricht sich in der Fachzeitschrift Diabetologia (DOI: 10.1007/s00125-026-06841-z) für die Einführung eines bevölkerungsweiten Screenings auf Inselautoantikörper zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern aus.

Ziel des formulierten Konsenses ist es, krankheitsmodifizierende Therapien möglichst frühzeitig einzusetzen und dadurch den weiteren Krankheitsverlauf abzumildern.

Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Erstautorin der Publikation, erklärte hierzu, dass der Konsensus eine gemeinsame Grundlage für die praktische Umsetzung der Früherkennung schaffe.

Studienergebnisse des europäischen EDENT1FI-Programms

Umfangreiche Daten zur Machbarkeit und Aussagekraft lieferte das von Helmholtz München koordinierte EDENT1FI-Konsortium, das seine Resultate auf der Jahrestagung der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Mailand präsentierte.

Im Rahmen des Programms wurden 140.568 Kinder und Jugendliche in acht europäischen Ländern – Dänemark, Deutschland, Italien, Polen, Portugal, Schweden, Tschechien und dem Vereinigten Königreich – untersucht. Das mediane Alter der Kohorte betrug 7,6 Jahre bei einem Mädchenanteil von 49,2 Prozent.

Insgesamt identifizierten die Forschenden 634 Fälle von frühem Typ-1-Diabetes. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied je nach familiärer Vorbelastung: Bei Teilnehmenden mit einem Verwandten ersten Grades lag die Rate des frühen Typ-1-Diabetes bei 2,13 Prozent (219 Fälle unter 10.273 Betroffenen).

In der Gruppe ohne bekannte Familienanamnese betrug der Anteil 0,32 Prozent (408 Fälle unter 127.754 Untersuchten); bei weiteren 2.541 Kindern lagen keine diesbezüglichen Angaben vor. Ein metabolisches Staging bei 386 der 634 Betroffenen (61 Prozent) ergab, dass sich 78 Prozent im Stadium 1, 18 Prozent im Stadium 2 und 4,1 Prozent bereits im Stadium 3 befanden.

Testverfahren, Altersfenster und regionale Unterschiede

Das Konsortium schlägt eine Durchführung des Screenings in drei definierten Altersfenstern vor: im Alter von 2 bis 4 Jahren, von 6 bis 8 Jahren sowie von 10 bis 15 Jahren.

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Aus den Auswertungen geht hervor, dass die Prävalenz des frühen Typ-1-Diabetes mit den Jahren zunimmt: Sie lag bei 0,22 Prozent bei Kindern unter 4 Jahren, bei 0,31 Prozent im Alter von 4 bis 8 Jahren und erreichte 0,40 Prozent in der Altersgruppe von 8 bis 13 Jahren.

Methodisch basiert das Vorgehen auf einem Primärscreening auf drei Autoantikörper (GADA, IA-2A, ZnT8A) vorwiegend mittels Kapillarblut, während im Vereinigten Königreich Trockenblutproben genutzt wurden. Nach einem positiven Ersttest auf diese drei Antikörper erfolgte die Bestätigung mittels vierter Autoantikörper (IAA) in Referenzlaboren in München oder Mailand, gefolgt von einer venösen Bestätigungstestung.

Regional unterschieden sich die untersuchten Altersspannen und Nachweisraten: Während in Deutschland 43.470 Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren getestet wurden (Median 4,3 Jahre; 90 Fälle ohne und 35 mit Verwandten), erstreckte sich die Spanne in den übrigen Ländern von 2 bis 17 Jahren.

Im Vereinigten Königreich wurden 17.409 Kinder untersucht (Median 8,4 Jahre; 59 ohne und 67 mit Vorbelastung), in Schweden 7.926 Kinder (Median 9,4 Jahre; 36 ohne und 4 mit Vorbelastung). Die Häufigkeit ohne familiäre Belastung bezifferte sich in Deutschland auf 0,22 Prozent, im Vereinigten Königreich auf 0,42 Prozent und in Schweden auf 0,47 Prozent.

Klinischer Nutzen und gesundheitspolitische Relevanz

Die systematische Früherkennung soll insbesondere das Risiko für schwere Stoffwechselentgleisungen wie diabetische Ketoazidosen verringern. Zudem eröffnet die frühzeitige Diagnose vor dem Auftreten klinischer Symptome den Einsatz neuer Immuntherapien wie Teplizumab.

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In Deutschland bewertet ein Positionspapier der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) die Chancen und Grenzen der Inselautoantikörper-Tests vor dem Hintergrund von jährlich rund 4.000 Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Die Forschenden fordern eine schrittweise Integration der Screenings in die pädiatrische Primärversorgung und verweisen auf regulatorische Schritte in den USA, Australien sowie auf gesetzliche Regelungen in Italien. Bis zum Jahr 2028 strebt das EDENT1FI-Programm an, insgesamt rund 200.000 Kinder zu screenen.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Fachleute empfehlen systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes – News“

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