Typ-1-Diabetes: Experten fordern Screening bei Kindern ab 2 Jahren
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 16:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem in der Fachzeitschrift Diabetologia veröffentlichten Konsensuspapier spricht sich ein internationales Expertenteam für ein bevölkerungsweites Screening auf Typ-1-Diabetes bei Kindern aus.
Ziel dieser Empfehlung ist es, die Erkrankung bereits in einer frühen Phase zu identifizieren, noch bevor erste klinische Beschwerden auftreten. Laut Berichten vom 10. September 2026 soll durch diese Früherkennung insbesondere das Risiko für schwerwiegende Komplikationen gesenkt werden.
Gestaffelte Untersuchungen und diagnostische Kriterien
Die Experten schlagen ein spezifisches Zeitmodell für die Untersuchungen vor. Demnach solle eine erste Screening-Untersuchung im Alter zwischen zwei und vier Jahren erfolgen.
Fällt dieser Befund negativ aus, sehen die Empfehlungen weitere Tests im Alter von sechs bis acht Jahren sowie eine abschließende Untersuchung zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr vor. Vor einer endgültigen Diagnose sei zudem die Bestätigung durch einen zweiten, unabhängigen Test erforderlich.
Grundlage für das Screening ist der Nachweis von Inselautoantikörpern, von denen derzeit vier verschiedene Typen klinisch genutzt werden. Werden zwei oder mehr dieser Antikörper dauerhaft nachgewiesen, entspreche dies dem Stadium 1 oder 2 der Erkrankung.
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In diesen Phasen besteht laut den Fachleuten ein hohes Risiko für den Übergang in das klinische Stadium 3, in dem die typischen Symptome des Diabetes auftreten. Die Forschung zeige, dass Typ-1-Diabetes bereits Monate oder sogar Jahre vor dem Auftreten erster Symptome im Blut nachgewiesen werden kann.
Medizinische Notwendigkeit und Prävention von Komplikationen
Die Relevanz eines flächendeckenden Screenings begründen die Autoren des Papiers unter anderem mit der epidemiologischen Situation. Etwa 85 % bis 90 % der neu diagnostizierten Typ-1-Diabetiker weisen keine familiäre Vorbelastung auf, wodurch eine alleinige Konzentration auf Risikogruppen den Großteil der Fälle nicht erfassen würde. Weltweit sind etwa 9,5 Millionen Menschen von Typ-1-Diabetes betroffen, wobei fast 50 % der Diagnosen erst im Erwachsenenalter gestellt werden.
Ein wesentliches Ziel der Früherkennung ist die Vermeidung der diabetischen Ketoazidose (DKA). Zum Zeitpunkt der klinischen Diagnose leiden derzeit zwischen 20 % und 67 % der Kinder und Jugendlichen an dieser lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung.
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Ein Drittel dieser Patienten ist laut den vorliegenden Daten intensivpflichtig. Ein Screening könne dieses Risiko signifikant senken. Zudem ermögliche die rechtzeitige Diagnose den Zugang zu neueren Therapieoptionen wie Teplizumab (Tzield) oder die Teilnahme an Studien zu krankheitsmodifizierenden Therapien (DMT).
Breite fachliche Unterstützung für die neue Leitlinie
Die unter der DOI 10.1007/s00125-026-06841-z veröffentlichte Leitlinie wurde von einer Gruppe von fast 30 Experten entwickelt, zu denen unter anderem Dr. Diane Wherrett gehört. Die Empfehlungen werden von insgesamt 20 Fach- und Patientenorganisationen getragen.
Zu den Unterstützern zählen bedeutende Institutionen wie die European Association for the Study of Diabetes (EASD), die International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) sowie die International Diabetes Federation (IDF) Europe.
Hintergrund der Initiative ist auch die weltweit steigende Belastung durch die Erkrankung. Die jährliche Inzidenz von Typ-1-Diabetes liegt global zwischen 0,2 und 64,2 Fällen pro 100.000 Kinder und Jugendliche, wobei ein jährlicher Anstieg der Fallzahlen um etwa 3 % beobachtet wird.
Die Experten betonen, dass eine strukturierte Früherkennung angesichts dieser Entwicklung einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der pädiatrischen Gesundheitsversorgung leisten könne.
