Typ-2-Diabetes, Remission

Typ-2-Diabetes: 54 Prozent Remission durch Diät und Bewegung in Studie

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine 24-wöchige Kombination aus kalorienreduzierter Kost und Training ging bei jüngeren Erwachsenen häufiger mit Diabetesremission einher.
Frisches Gemüse und ein Glas Wasser auf einer Küchenarbeitsplatte als Symbol für eine gesunde Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Ein strukturierter Ansatz aus kalorienarmer Ernährung und gezielter Bewegung kann bei jüngeren Erwachsenen zu einer Remission von Typ-2-Diabetes führen. Das zeigt die klinische RESET-for-Remission-Studie der McGill University, der University of Leicester und der University of Alberta, die am 1. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Americas veröffentlicht wurde.

Nach einer 24-wöchigen Intervention erreichten 27 von 50 Teilnehmenden (54 Prozent) in der Interventionsgruppe eine Remission, verglichen mit lediglich 2 von 46 Personen (4 Prozent) in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einem Unterschied von rund 50 Prozentpunkten und einer 21-fach höheren Remissionschance (adjustierte Odds Ratio 21,6).

Kombination aus Formula-Diät und Bewegungsprogramm

Unter der Leitung von Tom Yates von der University of Leicester und Kaberi Dasgupta von der McGill University untersuchte das Forschungsteam 96 Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren.

Die Teilnehmenden wiesen ein Durchschnittsalter von 38 Jahren sowie einen mittleren Body-Mass-Index von 35,2 kg/m² auf, litten an früh beginnendem Typ-2-Diabetes mit Adipositas und erhielten keine Insulintherapie. Die Rekrutierung erfolgte zwischen September 2021 und Juni 2025 an Standorten in Leicester, Montreal und Edmonton.

Als Remission galt das Erreichen eines HbA1c-Werts von unter 6,5 Prozent über mindestens 12 Wochen hinweg ohne Einnahme blutzuckersenkender Medikamente. Das Studienteam betonte dabei, dass dies keine dauerhafte Heilung darstelle. In der Interventionsgruppe wurden blutzucker- sowie blutdrucksenkende Medikamente zu Beginn unter medizinischer Aufsicht abgesetzt, während in der Kontrollgruppe keine strukturierte Absetzung stattfand.

Das 24-wöchige Programm gliederte sich in zwei Phasen: In den ersten zwölf Wochen nahmen die Probanden täglich 800 bis 900 Kilokalorien zu sich, überwiegend in Form von Mahlzeitenersatz. Nach zwei reinen Formula-Wochen wurde von Woche 3 bis 12 eine feste Mahlzeit mit magerem Protein und Gemüse integriert.

Daran schloss sich eine zwölfwöchige Phase mit gewichtserhaltender Kost an. Parallel absolvierte die Gruppe wöchentlich zwei betreute Einheiten Kraft- und Ausdauertraining sowie eine eigenständige Ausdauereinheit. Im Median besuchten die Teilnehmenden 17 der 20 geplanten betreuten Trainingseinheiten.

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Deutliche Effekte auf Gewicht, Organfett und Blutdruck

Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe verloren im Durchschnitt 8,4 Kilogramm an Gewicht, darunter 6,7 Kilogramm Fettmasse. In der Kontrollgruppe lag der Rückgang bei 1,2 Kilogramm (0,5 Kilogramm Fett).

Die adjustierte Differenz betrug 7,5 Kilogramm Gesamtreduktion, davon 6,6 Kilogramm Fettmasse, während das Muskelvolumen und die fettfreie Masse weitgehend stabil blieben. Laut MRT-Auswertungen des McGill University Health Centre sanken das Leberfett um 9 Prozent und das Bauchfett um 24 Prozent.

Zudem verbesserten sich kardiovaskuläre Parameter und die Ausdauer: Nach 12 Wochen wiesen 63 Prozent der Interventionsgruppe normale Blutdruckwerte auf, gegenüber 13 Prozent in der Kontrollgruppe. Nach 24 Wochen lag das Verhältnis bei 56 Prozent zu 27 Prozent.

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Nebenwirkungen und methodische Grenzen

Unerwünschte Ereignisse traten bei 43 von 50 Personen (86 Prozent) der Interventionsgruppe auf, verglichen mit 6 von 46 in der Kontrollgruppe. Die Betroffenen berichteten vor allem über Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel sowie Müdigkeit; schwere Zwischenfälle gab es nicht.

An der Abschlussuntersuchung nahmen 86 der 96 randomisierten Personen teil, wobei fehlende Daten in der Hauptauswertung als ausbleibende Remission gewertet wurden.

Das Studienteam verweist auf wesentliche Limitationen: Neben der relativ kleinen Stichprobe von unter 100 Personen und der Dauer von 24 Wochen fehlte eine Kontrollgruppe, die ausschließlich eine Diät ohne Training durchlief. Der eigenständige Beitrag des Trainings lasse sich daher nicht isolieren. Auch bleibe offen, wie stabil die Remission nach dem Ende der Betreuung ist.

Als nächster Schritt planen die Forschenden laut McGill University Health Centre eine größere und länger angelegte Folgestudie. Die Untersuchung wurde durch den Medical Research Council, die Canadian Institutes of Health Research sowie die John R. McConnell Foundation finanziert; die Ergebnisse wurden zudem auf der EASD-Jahrestagung 2026 in Mailand vorgestellt.

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