Typ-2-Diabetes, ADA

Typ-2-Diabetes: ADA und EASD rücken moderne Wirkstoffe vor Metformin

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Typ-2-Diabetes rücken SGLT2-Hemmer und GLP-1-Agonisten für Betroffene mit bestimmten Begleiterkrankungen an den Therapiebeginn.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer modernen medizinischen Einrichtung ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Ein grundlegender Richtungswechsel prägt die aktualisierten Leitlinien zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Die American Diabetes Association (ADA) und die European Association for the Study of Diabetes (EASD) haben in ihrem Konsensreport 2026, der die vorherige Fassung aus dem Jahr 2022 ablöst, traditionelle Stufenschemata revidiert. Anstelle des langjährigen Therapiestandards Metformin rücken moderne Wirkstoffklassen für bestimmte Patientengruppen an die erste Stelle.

Die Fachgesellschaften stellten das Strategiepapier auf der EASD-Jahrestagung vor, die vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 in Mailand stattfand. Zeitgleich erschien die Veröffentlichung in den Fachjournalen Diabetes Care und Diabetologia.

Kern der Aktualisierung ist die Empfehlung, SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptor-Agonisten bei Vorliegen kardiovaskulärer, renaler oder kardialer Begleiterkrankungen bereits als Erstlinientherapie vor Metformin einzusetzen. Dieser Schritt soll frühzeitig und potenziell direkt ab der Diagnosestellung erfolgen.

Personalisierte Therapie anhand von Begleiterkrankungen

Die aktualisierten Empfehlungen stellen die individuelle Risikokonstellation der Betroffenen in den Mittelpunkt der Medikationswahl:

  • Kardiovaskuläre Erkrankungen: Empfohlen wird der Einsatz von Semaglutid, Liraglutid oder Dulaglutid sowie alternativ Canagliflozin oder Empagliflozin.
  • Herzinsuffizienz: SGLT2-Inhibitoren werden unabhängig von der Ejektionsfraktion angeraten.
  • Chronische Nierenerkrankung (CKD): Als Optionen gelten Canagliflozin, Dapagliflozin oder Empagliflozin, gegebenenfalls ergänzt durch Semaglutid.
  • Adipositas: Der Einsatz von GLP-1-Analoga wird hervorgehoben.
  • MASH (Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis): Semaglutid wird bevorzugt empfohlen.
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Über die reine Blutzuckerkontrolle hinaus berücksichtigt der Konsens begleitende Gesundheitsaspekte wie die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD), Herzinsuffizienz, das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom sowie die psychische Verfassung und die Parodontalgesundheit.

Spezifische Vorgaben für Gewicht und frühe Diagnosen

Neben der Organprotektion definiert das Konsensuspapier differenzierte Zielkorridore für das Gewichtsmanagement. Eine Gewichtsreduktion von bis zu 10 Prozent soll demnach durch intensive Lebensstilinterventionen angestrebt werden. Für Reduktionsziele von über 15 Prozent sieht der Leitfaden den Einsatz von GLP-1-Analoga vor.

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Für chirurgische Interventionen nennt der Bericht klare Kriterien: Ein metabolischer Eingriff ist ab einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m² möglich und sollte ab einem BMI von mindestens 35 kg/m² erwogen werden.

Eine gesonderte Risikogruppe bilden Patienten, bei denen Typ-2-Diabetes vor dem 40. Lebensjahr diagnostiziert wird. Aufgrund des oft aggressiveren Verlaufs bei früh einsetzender Erkrankung sprechen sich ADA und EASD in diesen Fällen für eine intensivierte Therapiestrategie aus.

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