UBS-Eigenkapital: Schweizer Ausschuss lehnt Bundesrats-PlÀne ab
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein einflussreicher Ausschuss des Schweizer StĂ€nderats hat sich gegen die strengen EigenkapitalplĂ€ne des Bundesrats fĂŒr die GroĂbank UBS ausgesprochen.
Die Kommission fĂŒr Wirtschaft und Abgaben (WAK-S) votierte mit 10 zu 2 Stimmen fĂŒr ein Modell, das der Bank deutlich mehr Spielraum bei der Absicherung ihrer Auslandstöchter einrĂ€umt als von der Regierung vorgesehen. Damit zeichnet sich ein politischer Konflikt ĂŒber die kĂŒnftige StabilitĂ€t des Schweizer Finanzplatzes ab.
Abweichung von den RegierungsplÀnen zur Eigenkapitaldeckung
In einer Entscheidung am Montag lehnte die WAK-S-Mehrheit die Forderung des Bundesrats ab, wonach die Auslandstöchter der UBS ihre Risiken zu 100 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) hinterlegen mĂŒssten. Diese MaĂnahme hĂ€tte nach Regierungsangaben eine zusĂ€tzliche Kapitalisierung von rund 20 Milliarden US-Dollar erfordert.
Stattdessen schlÀgt der Ausschuss nun eine Aufteilung vor: Die geforderten Mittel sollen lediglich zu 50 Prozent aus CET1-Kapital bestehen. Die verbleibenden 50 Prozent könnten durch hybride Anleihen, sogenanntes zusÀtzliches Kernkapital (AT1), gedeckt werden.
Der Ausschussvorsitzende Erich Ettlin begrĂŒndete diesen VorstoĂ mit der spezifischen Struktur der AT1-Instrumente. Diese enthalten einen vertraglich fixierten Wandlungsmechanismus, der ausgelöst wird, sobald die CET1-Quote der Bank unter die Marke von 11 Prozent fĂ€llt.
Kritiker aus dem parlamentarischen Umfeld bezeichnen den Beschluss hingegen als ein milliardenschweres ZugestÀndnis an das Geldhaus. In der Debatte wurde zudem darauf hingewiesen, dass die UBS im Vorfeld der Beratungen mit einem möglichen Wegzug in die Vereinigten Staaten gedroht habe.
Finanzielle Auswirkungen und die Position der UBS
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Die UBS hat den durch den WAK-S-Antrag entstehenden Zusatzaufwand bereits detailliert beziffert. Das Institut rechnet mit einem Bedarf von 13 Milliarden US-Dollar an zusĂ€tzlichem AT1-Kapital. Hinzu kommen 2 Milliarden US-Dollar an hartem Kernkapital, die aufgrund von Ănderungen in den Verordnungen notwendig werden. Seit der Ăbernahme der Credit Suisse hat die Bank bereits 15 Milliarden US-Dollar an CET1-Kapital aufgebaut.
Insgesamt belÀuft sich das zusÀtzliche Tier-1-Kapital laut Bankangaben auf 30 Milliarden US-Dollar. Durch Anpassungen auf Konzernebene ergibt sich jedoch eine Reduktion des Kernkapitals um 4 Milliarden US-Dollar.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter kritisierte die nun vorgeschlagene Lockerung scharf. Sie bezeichnete den Kompromiss als eine Lösung, die einseitig die Interessen der Bank berĂŒcksichtige und zu Lasten der Steuerzahler gehe.
Die Ministerin verwies auf den massiven Lobbyeinfluss wĂ€hrend des Gesetzgebungsprozesses und Ă€uĂerte Zweifel daran, dass dieser Vorschlag in der weiteren politischen Auseinandersetzung Bestand haben werde.
Zeitplan und zusÀtzliche internationale Herausforderungen
Eine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber die neuen Eigenmittelregeln fĂŒr systemrelevante Banken in der Schweiz wird erst fĂŒr das Ende des Jahres 2026 oder fĂŒr 2027 erwartet. WĂ€hrend die politische Debatte im Inland andauert, sieht sich die UBS auch mit neuen Forderungen aus dem Ausland konfrontiert.
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In den USA verlangt der Justizausschuss des Senats unter der FĂŒhrung von Charles Grassley weitere AufklĂ€rung zu historischen Konten aus der Zeit des Nationalsozialismus bei der ĂŒbernommenen Credit Suisse. In einem Mitte Juli publizierten Schreiben wurden der Bank 62 zusĂ€tzliche Fragen ĂŒbermittelt.
Die UBS verwies in diesem Zusammenhang auf einen bereits in den 1990er-Jahren geschlossenen Vergleich ĂŒber 1,25 Milliarden US-Dollar. Das Institut kĂŒndigte an, eine eigene umfassende ĂberprĂŒfung der Angelegenheit bis Ende 2026 abzuschlieĂen. Bisher hat die Bank nach eigenen Angaben rund 100 Millionen US-Dollar fĂŒr die Aufarbeitung aufgewendet und 19 Millionen Dokumente zur VerfĂŒgung gestellt.
