Übergewicht bei Kindern: 19 Krebsarten im Fokus der Forschung
24.06.2026 - 09:03:48 | boerse-global.de
Während sich junge Menschen wieder mehr bewegen, bereitet der langfristige Trend beim Körpergewicht Fachleuten große Sorgen. Die Häufigkeit von Übergewicht hat sich seit den 1990er-Jahren teilweise verdoppelt.
Schwere organische Schäden drohen bereits im Kindesalter
Die medizinische Forschung liefert immer präzisere Daten. Eine aktuelle Meta-Analyse assoziiert einen erhöhten BMI mit insgesamt 19 Krebsarten. Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang beim Leberkrebs: Pro fünf zusätzliche BMI-Punkte steigt das Risiko um etwa 20 Prozent.
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Neben onkologischen Risiken rückt die metabolische Gesundheit der Leber in den Fokus. Experten beobachten eine Zunahme von nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD) bereits im Jugendalter. Schätzungen zufolge leiden über 40 Prozent der Diabetes-Patienten an metabolischen Leberproblemen. Zudem trägt viszerales Fett – das im Bauchraum gelagerte Fettgewebe – maßgeblich zur Entstehung von Arteriosklerose bei.
Ein weiterer besorgniserregender Trend zeigt sich bei Darmkrebs. Eine im „International Journal of Cancer“ publizierte Untersuchung belegt einen Anstieg der Fälle bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren. Bei Männern beträgt die jährliche Zunahme 3,3 Prozent, bei Frauen 3,9 Prozent. Als wesentliche Ursachen nennen Wissenschaftler Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und die steigenden Adipositasraten.
Schweiz und Deutschland: Regionale Unterschiede
Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) lieferte mit dem Bericht „KidsHealthCH“ erstmals einen umfassenden Überblick. Zwar bewegen sich Kinder wieder mehr und konsumieren weniger Alkohol sowie Cannabis. Doch der Tabak- und Nikotinkonsum steigt. Besonders kritisch bewerten Experten die Entwicklung beim Körpergewicht, das sich seit den 1990er-Jahren verdoppelt habe.
Parallel dazu verschlechtert sich die psychische Gesundheit: Schlafstörungen, Mobbing und Schulstress nehmen zu. Die Folge: mehr Spitaleinweisungen in der Psychiatrie bei unter 26-Jährigen. Während die Dichte an Kinderärzten gestiegen ist, stagniert die Versorgungskapazität in der Jugendpsychiatrie.
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Auch in deutschen Bundesländern zeigt sich der Trend. In Sachsen etwa ist die Zahl der adipösen Heranwachsenden seit 2013 um über 25 Prozent gestiegen. Aktuelle Daten zeigen: Jungen sind mit 7,3 Prozent häufiger betroffen als Mädchen mit 4,7 Prozent. Ernährungsexperten fordern daher ein eigenständiges Unterrichtsfach Ernährung, um die Gesundheitskompetenz bereits im Schulalter zu stärken.
Was hilft wirklich? Von Ernährung bis Abnehmspritze
Die Bekämpfung von Übergewicht erfordert laut Fachverbänden ein Bündel an Maßnahmen – von politischer Regulierung bis zu neuen medikamentösen Therapien.
Ernährung und Regulierung: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe. Das senkt das Risiko für Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Politisch wird zudem über ein Mindestalter für Energy-Drinks diskutiert. Bereits moderate Mengen können bei Jugendlichen zu erhöhtem Blutdruck und Schlafstörungen führen.
Sportförderung: Die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) startete eine Initiative für konsequente Sporttage an allen Schulen bis zur zehnten Klasse. Auch die Verknüpfung mit dem Sportabzeichen soll gestärkt werden.
Medikamentöse Therapie: Neue Behandlungsmethoden wie die sogenannten Abnehmspritzen (GLP-1-Rezeptor-Agonisten) stoßen auf großes Interesse. Eine Umfrage unter 409 Personen ergab: Rund 79 Prozent der Befragten kennen diese Präparate. Gleichzeitig ist die Skepsis hoch: 79 Prozent sorgen sich wegen möglicher Nebenwirkungen. Für 78 Prozent stellen die Medikamente lediglich einen letzten Ausweg dar. Eine medizinische Kontrolle halten die meisten Befragten für zwingend notwendig.
Die Komplexität der Adipositas – gesteuert durch biologische und gesellschaftliche Faktoren – macht laut Experten eine gewichtsneutrale Beratung und frühzeitige Prävention bereits im Kindesalter unumgänglich. Nur so lassen sich die langfristigen Folgen für das Gesundheitssystem und die Lebensqualität der Betroffenen begrenzen.
