Biobank, SchlafqualitÀt

UK Biobank: SchlafqualitÀt hÀngt bei Herz- und Diabeteskranken mit Hirnvolumen zusammen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Guter Schlaf steht bei kardiometabolischen Erkrankungen mit grĂ¶ĂŸerem Hirnvolumen und besseren kognitiven FĂ€higkeiten in Verbindung.
Ein minimalistisch eingerichtetes, ruhig beleuchtetes Schlafzimmer in der Nacht, das eine AtmosphÀre der Erholung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen weisen darauf hin, dass die QualitĂ€t des Schlafs einen messbaren Einfluss auf Hirnstruktur und geistige LeistungsfĂ€higkeit hat – insbesondere bei Menschen mit kardiometabolischen Vorerkrankungen.

Eine Untersuchung des Karolinska Institutet zeigt, dass Personen mit Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen oder einem vorangegangenen Schlaganfall bei gutem Schlaf ĂŒber bessere kognitive FĂ€higkeiten und ein grĂ¶ĂŸeres Hirnvolumen verfĂŒgen als schlecht schlafende Betroffene mit denselben Diagnosen. Bei Personen ohne diese Krankheiten zeigte sich der Zusammenhang zwischen Schlaf und Hirnstruktur weniger deutlich.

Umfangreiche Datenauswertung am Karolinska Institutet

Die im Fachjournal Journal of the American Heart Association publizierte Untersuchung des Karolinska Institutet stĂŒtzte sich auf Daten von ĂŒber 400.000 Personen aus der UK Biobank. Davon wiesen gut 54.000 mindestens eine kardiometabolische Erkrankung auf; fĂŒr knapp 35.000 Teilnehmende lagen MRT-Aufnahmen vor.

Die Erfassung des Schlafs erfolgte anhand von fĂŒnf selbstberichteten Kriterien: Schlafdauer, Tagesrhythmus, Schlafschwierigkeiten, Schnarchen sowie SchlĂ€frigkeit am Tag. Finanziert wurde das Forschungsprojekt unter anderem durch das Karolinska Institutet selbst, den Alzheimerfonden und Forte.

Hirnwellen, Proteine und kognitiver Abbau

ErgĂ€nzende wissenschaftliche Arbeiten beleuchten die neurobiologischen ZusammenhĂ€nge im Schlaf. Forscher der UC Berkeley berichteten im Fachblatt Nature Neuroscience, dass sich langsame Wellen im Non-REM-Tiefschlaf bei Ă€lteren Erwachsenen im Alter von Mitte 60 bis Mitte 70 ohne Alzheimer ĂŒber kĂŒrzere Distanzen ausbreiten und isolierter auftreten als bei Erwachsenen Anfang 20. Dies ging mit schlechterem Erinnern an Wortassoziationen am Folgetag einher.

Bei Nachuntersuchungen wiesen Teilnehmende mit zunehmendem Tau-Protein im Frontalhirn eine schlechtere Koordination der langsamen Wellen und Einbußen bei der nĂ€chtlichen GedĂ€chtniskonsolidierung auf. Laut Erstautor Omer Sharon wurde damit erstmals eine Verbindung zwischen Tau und GedĂ€chtnisverschlechterung gezeigt, wobei die Kausalrichtung weiterhin ungeklĂ€rt ist.

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In einer weiteren Studie der UC Berkeley aus dem Oktober 2026 im Fachjournal Nature Communications analysierte REM-Schlaf-Muster in zwei Kohorten. Mit zunehmendem Alter verschoben sich Delta-Wellen im REM-Schlaf von schnellen SĂ€gezahnwellen hin zu langsameren Wellen. Dies war unabhĂ€ngig von der Non-REM-SchlafqualitĂ€t mit Amyloid-beta- und Tau-Belastungen sowie GedĂ€chtniseinbußen verbunden.

Eine Studie der UC San Diego und der San Diego State University aus dem Jahr 2026 im Journal of Prevention of Alzheimer's Disease unter Erstautorin Kitty K. Lui stellte zudem fest, dass Schlafbeschwerden bei Frauen ab 65 Jahren mit hohem genetischem Alzheimer-Risiko mit schlechterer visueller Erinnerung und höheren Tau-Werten einhergingen. Bei normalem Risiko bestand dieser Zusammenhang nicht. Die Untersuchung basierte auf 69 Frauen fĂŒr die GedĂ€chtnisanalyse und 63 fĂŒr Tau-Messungen.

Epidemiologische Befunde und WHO-Leitlinien

Großangelegte Beobachtungen stĂŒtzen die Bedeutung einzelner Schlafphasen. Eine Studie der UniversitĂ€t Peking im Journal PLOS Medicine begleitete etwa 100.000 Personen aus der UK Biobank ĂŒber neun Jahre hinsichtlich 1000 Erkrankungen, nachdem ihr Schlaf eine Woche lang ĂŒber MessarmbĂ€nder erfasst worden war.

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Rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht senkten das Risiko fĂŒr 83 Erkrankungen – darunter Demenz um 46 %, Parkinson um 80 %, Multiple Sklerose um 52 % und Herzinsuffizienz um 26 %. Mehr als acht Stunden Schlaf erhöhten das Risiko fĂŒr Depressionen um 60 %, wĂ€hrend weniger als sechs Stunden Schlaf das Risiko fĂŒr Herzinsuffizienz um 30 % steigerten.

Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heben hervor, dass ungĂŒnstige Schlafdauern und Schlafstörungen mit Risiken fĂŒr kognitiven Verfall verbunden sind, eine universelle optimale Schlafdauer lĂ€sst sich daraus jedoch nicht ableiten. Belege dafĂŒr, dass eine gezielte Verbesserung des Schlafs das Demenzrisiko senkt, liegen bislang nicht ausreichend vor.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lag die HĂ€ufigkeit diagnostizierter Demenzerkrankungen im Jahr 2022 bei Frauen ab 40 Jahren bei 3,3 % und bei MĂ€nnern bei 2,4 %. Zur DemenzprĂ€vention rĂ€t die WHO von MultivitaminprĂ€paraten sowie Gaben von Vitamin B, E oder Omega-3 ohne NĂ€hrstoffmangel ab und empfiehlt fĂŒr Frauen ab 65 Jahren keine Hormontherapie zu diesem Zweck.

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