UK Biobank: Über 45.000 Daten zeigen Folgen früher Zuckerzufuhr
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 08:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Forschungsergebnisse der University of Surrey liefern Hinweise darauf, dass die Ernährung in der frühen Entwicklungsphase maßgeblichen Einfluss auf die psychische Gesundheit im Erwachsenenalter haben kann.
Eine in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlichte Untersuchung zeigt einen Zusammenhang zwischen der Zucker-Exposition in den ersten 1.000 Lebenstagen – dem Zeitraum von der Empfängnis bis zum Alter von etwa 2,5 Jahren – und der späteren Entwicklung von Angststörungen auf.
Historische Datenbasis und methodischer Ansatz
Die Studie nutzt ein natürliches Experiment aus der britischen Geschichte: die Zuckerrationierung zwischen 1940 und 1953. Während dieses Zeitraums war der Zuckerkonsum für Erwachsene auf etwa 40 g pro Tag begrenzt. Nach dem Ende der Rationierung stieg der Konsum in der Bevölkerung signifikant an.
Als Datengrundlage dienten Informationen von über 45.000 Teilnehmern der UK Biobank, die zwischen 1951 und 1956 geboren wurden. Die Forscher verglichen verschiedene Gruppen miteinander, darunter Personen, die im Mutterleib sowie in verschiedenen Intervallen von 6, 12, 18 oder 24 Monaten nach der Geburt der Rationierung ausgesetzt waren. Zudem wurden Kontrollgruppen herangezogen, die nach dem Ende der Rationierung geboren wurden, sowie eine separate Gruppe von Kindern aus Irland.
Auswirkungen auf das Angstrisiko und das Erkrankungsalter
Die Analyse der Langzeitdaten deutet darauf hin, dass eine strikte Begrenzung der Zuckerzufuhr in der frühen Kindheit protektive Effekte haben könnte. Bei Personen, welche die längste Dauer der Rationierung erfuhren, lag das Risiko für die Entwicklung einer Angststörung um 33 % niedriger als bei jenen, die nie einer Rationierung unterlagen.
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Zudem zeigten sich deutliche Unterschiede beim Zeitpunkt der Diagnosestellung. Während das mittlere Ersterkrankungsalter für Angstzustände in der Gruppe mit Rationierung bei etwa 62 Jahren lag, sank dieser Wert in der Gruppe ohne Rationierung auf 55 Jahre.
Die statistische Auswertung ergab zudem, dass insbesondere Frauen, die keine oder nur eine kurze Phase der Rationierung durchlebt hatten, ein höheres Risiko für Angststörungen aufwiesen. Ein zunächst vermuteter Zusammenhang mit Depressionen erwies sich nach einer statistischen Adjustierung der Daten als weniger signifikant.
Veränderungen der Hirnstruktur und des Ernährungsverhaltens
Neben den epidemiologischen Daten werteten die Wissenschaftler auch bildgebende Verfahren des Gehirns aus. Dabei wurden in 80 von 139 untersuchten Hirnregionen signifikante Unterschiede in der grauen Substanz festgestellt. In 11 dieser 80 Regionen, darunter das Zerebellum (Kleinhirn), waren die Unterschiede zwischen den Gruppen mit und ohne Rationierung besonders ausgeprägt.
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Darüber hinaus schien die frühe Zucker-Exposition das spätere Konsumverhalten zu beeinflussen. Teilnehmer, welche die längste Rationierungsphase von der Schwangerschaft bis zum 24. Lebensmonat durchliefen, zeigten im Erwachsenenalter eine geringere Vorliebe für süße Lebensmittel.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Untersuchung wurde unter der Leitung von Dr. Hannah Navratilova durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Studie an der University of Surrey tätig war und heute an der IPB University in Indonesien forscht. Als Seniorautorin begleitete Prof. Nophar Geifman von der University of Surrey das Projekt.
Die Ergebnisse wurden laut Berichten vom September 2026 im Fachjournal Translational Psychiatry publiziert. Die Autoren sehen in den Daten einen Beleg dafür, wie sensibel die frühkindliche Entwicklung auf diätetische Einflüsse reagiert und welche langfristigen Konsequenzen die Nährstoffzusammensetzung in der prä- und postnatalen Phase für die neuronale Gesundheit haben kann.
