Ultrahochverarbeitete Kost: Studie zeigt stÀrkeren Insulinanstieg nach dem Essen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 01:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deFachgremien und ernĂ€hrungswissenschaftliche Publikationen betonen zunehmend, dass bei der Beurteilung von Lebensmitteln wie Fleisch nicht allein der Gehalt einzelner NĂ€hrstoffe ausschlaggebend ist. FĂŒr die gesundheitliche Einordnung spielen vielmehr das gesamte ErnĂ€hrungsmuster sowie die Art und der Grad der Verarbeitung eine zentrale Rolle.
Verarbeitungsgrad und Stoffwechselreaktionen
Bei der Bewertung von Lebensmitteln gewinnt die Differenzierung nach Verarbeitungsschritten an Bedeutung. Das Modell der NOVA-Klassifikation brasilianischer Forscher teilt Nahrungsmittel nach Art, Umfang und Zweck der Verarbeitung in vier Kategorien ein, von unverarbeiteten Erzeugnissen bis hin zu hochverarbeiteten Produkten.
WĂ€hrend groĂ angelegte Beobachtungsstudien Hinweise auf ZusammenhĂ€nge zwischen einem hohen Konsum hochverarbeiteter Produkte und Risiken fĂŒr Ăbergewicht, Diabetes, Krebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern, bleibt eine KausalitĂ€t unbelegt.
Bei differenzierter Betrachtung einzelner Untergruppen zeigte sich der Zusammenhang fĂŒr verarbeitetes Fleisch und zuckerhaltige ErfrischungsgetrĂ€nke, nicht jedoch eindeutig fĂŒr hochverarbeitete Brot- und Getreideprodukte.
Die Einteilung der vierten Gruppe sieht sich zudem Kritik der Bundesvereinigung der Deutschen ErnĂ€hrungsindustrie ausgesetzt. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung rĂ€t Erwachsenen derweil zu tĂ€glich mindestens fĂŒnf Portionen Obst und GemĂŒse.
Physiologische Mechanismen hinter Verarbeitungsstufen untersuchte eine randomisierte kontrollierte Crossover-Studie unter Leitung von Alexandra DiFeliceantonio (Virginia Tech), die im Oktober 2026 im Fachjournal »Nature Metabolism« veröffentlicht wurde.
Bei 57 gesunden, normalgewichtigen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren stieg der Insulinspiegel nach einer ultrahochverarbeiteten Testmahlzeit von rund 300 Kilokalorien signifikant stÀrker an als nach einer nÀhrstoff- und kalorienÀquivalenten, wenig verarbeiteten Mahlzeit.
Dieser Effekt zeigte sich ab 40 Minuten nach der Nahrungsaufnahme und ĂŒber den gesamten Messzeitraum, wĂ€hrend der Blutzuckerspiegel nahezu unverĂ€ndert blieb.
Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigt: Nach einer ultrahochverarbeiteten Testmahlzeit stieg der Insulinspiegel bei gesunden Erwachsenen deutlich stĂ€rker an als nach einer kalorien- und nĂ€hrstoffgleichen, wenig verarbeiteten Mahlzeit â der Blutzucker blieb nahezu unverĂ€ndert. Wer seinen Stoffwechsel entlasten will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Schritte. Jetzt kostenlosen ErnĂ€hrungs-Leitfaden anfordern
Daniela Berg vom UniversitĂ€tsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel merkte als PrĂ€sidentin der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie an, dass die Untersuchung zwar keine ursĂ€chliche Entstehung neurologischer Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson durch verarbeitete Lebensmittel belege, jedoch den physiologischen Einfluss des Verarbeitungsgrads unter kontrollierten Bedingungen aufzeige.
Einfluss ganzheitlicher ErnÀhrungsmuster
Neben dem Verarbeitungsgrad rĂŒckt die Gesamtzusammensetzung der Kost in den Fokus. Eine im Fachjournal »Nature Communications« publizierte Beobachtungsstudie einer Arbeitsgruppe um Juliana F. Tavares und Dan Liu vom Deutschen Zentrum fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen verknĂŒpfte mediterrane, pflanzenbasierte, nordische und DASH-orientierte ErnĂ€hrungsweisen mit einem langsameren biologischen Altern.
Die Auswertung basierte auf Daten von 6470 Teilnehmenden der Rheinland-Studie und wurde an rund 1000 Personen der EPIC-Potsdam-Studie ĂŒberprĂŒft. Dabei zeigten sich trotz unterschiedlicher DNA-Methylierungsmuster Ă€hnliche biologische Signalwege. Laut Daten der Global Burden of Disease Study stehen weltweit jĂ€hrlich rund 11 Millionen TodesfĂ€lle mit ungesunder ErnĂ€hrung in Verbindung.
Differenzierung bei Proteinquellen
Auch bei Empfehlungen zur EiweiĂversorgung mahnen Fachleute zu individuellen AbwĂ€gungen. Die Nederlandse Vereniging van DiĂ«tisten hielt in ihrem Standpunkt zur Proteintransformation fest, dass eine Orientierung an einem VerhĂ€ltnis von 60 Prozent pflanzlichen und 40 Prozent tierischen Proteinen Orientierung bieten könne, jedoch nicht fĂŒr alle Personen geeignet sei.
Nicht jede Kalorie wirkt gleich: Eine kontrollierte Crossover-Studie zeigt, dass der Verarbeitungsgrad einer Mahlzeit die Insulinantwort beeinflusst â unabhĂ€ngig von Kalorien und MakronĂ€hrstoffen. Dieser Leitfaden erklĂ€rt die NOVA-Klassifikation und liefert einen 7-Tage-Plan fĂŒr eine weniger verarbeitete ErnĂ€hrung. 7-Tage-Umstellungsplan jetzt sichern
Pflanzliche Quellen wiesen Unterschiede bei Verdaulichkeit, AminosĂ€urezusammensetzung und Proteindichte auf. Bei Personen mit bestehender UnterernĂ€hrung, entsprechendem Risiko, erhöhtem Bedarf oder begrenzter Nahrungsaufnahme werde eine routinemĂ€Ăige Anhebung des pflanzlichen Anteils daher nicht als Ausgangspunkt angesetzt.
Gleichzeitig verĂ€ndern sich die realen Konsummuster. Nach Erhebungen von Wageningen Social & Economic Research lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch und Fleischwaren in den Niederlanden im Jahr 2025 bei 67,3 Kilogramm auf Basis des Schlachtkörpergewichts. Dies entsprach einem RĂŒckgang um 1,5 Kilogramm gegenĂŒber 2024 und um 7,4 Kilogramm im Vergleich zu 2019. Die Abnahme ging vor allem auf einen geringeren Verzehr von Schweinefleisch und in kleinerem Umfang von Rindfleisch zurĂŒck, wĂ€hrend der Konsum von GeflĂŒgel leicht anstieg.
