Ultraverarbeitete Lebensmittel: 40 Prozent höhere Chance auf stille HirnschÀden
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Konsum industriell stark verarbeiteter Nahrungsmittel steht seit LĂ€ngerem im Fokus ernĂ€hrungsmedizinischer Untersuchungen. Eine im Fachjournal JAMA Network Open vom 15. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung der McMaster University und des Population Health Research Institute (PHRI) liefert nun konkrete Hinweise auf ZusammenhĂ€nge zwischen einer solchen ErnĂ€hrungsweise und frĂŒhen GefĂ€ĂverĂ€nderungen im Gehirn.
Die Auswertung zeigt, dass ein hoher Anteil ultraverarbeiteter Produkte mit einem vermehrten Auftreten asymptomatischer vaskulÀrer HirnschÀden einhergeht, darunter stille Infarkte und sogenannte White-Matter-HyperintensitÀten.
Erhöhte Wahrscheinlichkeit fĂŒr stille Hirninfarkte
FĂŒr die Erhebung untersuchten die Forschenden 8.783 kanadische Erwachsene im Alter zwischen 35 und 69 Jahren, die zu Studienbeginn frei von Herzkrankheiten waren.
Das Durchschnittsalter der Kohorte lag bei 57,7 Jahren, der Frauenanteil betrug 56,6 Prozent. Bei 9,2 Prozent der Studienteilnehmenden â insgesamt 772 Personen â lieĂen sich vaskulĂ€re HirnschĂ€den bildgebend feststellen.
Die Auswertung ergab deutliche Unterschiede zwischen den ErnĂ€hrungsgruppen. In der Gruppe mit dem niedrigsten Konsum ultraverarbeiteter Nahrungsmittel wiesen 8,1 Prozent der Probanden entsprechende GefĂ€ĂschĂ€den auf, wĂ€hrend der Wert in der Gruppe mit dem höchsten Konsum bei 11,3 Prozent lag, was einer Differenz von 3,2 Prozentpunkten entspricht.
Die Teilnehmenden im obersten Konsumsegment wiesen damit eine um 40 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr stille HirnschĂ€den auf als die Probanden der niedrigsten Kategorie. Das Forschungsteam ermittelte hierfĂŒr eine adjustierte Odds Ratio von 1,40 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,10 bis 1,77.
Konsummuster und körperliche Begleitmerkmale
Zu den untersuchten Produkten zĂ€hlten unter anderem verpackte Snacks, gezuckerte FrĂŒhstĂŒckscerealien, ErfrischungsgetrĂ€nke, Instantnudeln sowie Fertiggerichte aus der TiefkĂŒhlung. Im Gesamtdurchschnitt machten ultraverarbeitete Lebensmittel 25 Prozent der tĂ€glichen Portionen der Teilnehmer aus.
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Bei den Personen mit dem stÀrksten Konsum belief sich dieser Anteil auf 45 Prozent, verglichen mit 16 Prozent beziehungsweise 16,5 Prozent bei den schwÀchsten Konsumenten. Im Gegensatz dazu lag der Anteil vollwertiger Nahrungsmittel in der Gruppe mit dem geringsten Verarbeitungsgrad bei 68 Prozent, wÀhrend er bei der höchsten Verzehrgruppe nur 41 Prozent betrug.
AuffĂ€llig zeigten sich auch geschlechtsspezifische Ergebnisse: Bei Frauen in der höchsten Verzehrgruppe war die Wahrscheinlichkeit fĂŒr asymptomatische HirnschĂ€den fast doppelt so hoch.
Neben den zerebralen Befunden stellten die Wissenschaftler fest, dass Probanden im obersten Konsumsegment höhere Körperfettwerte aufwiesen, mit einem Plus von 1,7 Prozentpunkten, sowie im Schnitt 5,7 Milliliter mehr viszerales Fett. Beim Leberfettanteil ergab sich hingegen kein statistisch signifikanter Unterschied.
Methodische Grenzen und wissenschaftliche Einordnung
Die Studienautoren Russell J. de Souza und Sonia Anand ordnen die Ergebnisse als bedeutsam fĂŒr die langfristige PrĂ€vention ein. Anand hob hervor, dass die ErnĂ€hrungsweise in den Lebensjahren zwischen dem 30. und dem 60. Lebensjahr die spĂ€tere Gesundheit des Gehirns wesentlich prĂ€gen könne. UnterstĂŒtzt wurde das Projekt von der Canadian Cancer Society, der Heart and Stroke Foundation of Canada sowie den Canadian Institutes of Health Research.
Gleichzeitig verweisen die Forschenden auf EinschrÀnkungen des Designs: Es handelt sich um eine Querschnittsstudie mit einer einmaligen Erhebung, weshalb sich daraus kein Kausalzusammenhang ableiten lÀsst.
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Die Assoziation erwies sich zudem nur dann als statistisch signifikant, wenn der Konsum anhand der Portionen bezogen auf 2.000 Kilokalorien gemessen wurde; bei der Erfassung ĂŒber prozentuale Kalorienanteile oder die Gesamtanzahl der Portionen bestand kein signifikanter Zusammenhang.
Auch bei kognitiven Testverfahren wie dem MoCA oder dem DSST zeigte sich keine signifikante Assoziation. Eine Folgeuntersuchung zur ĂberprĂŒfung der LangzeitverlĂ€ufe wird fĂŒr Anfang 2028 erwartet.
Der breite gesellschaftliche Kontext unterstreicht die Relevanz der Thematik. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC vom August 2025, basierend auf Erhebungen aus dem Zeitraum von August 2021 bis August 2023, beziehen US-BĂŒrger ab einem Alter von einem Jahr durchschnittlich 55 Prozent ihrer tĂ€glichen Kalorien aus ultraverarbeiteten Produkten.
Einem Beitrag im Fachmagazin Nature zufolge gelten zudem fast 75 Prozent der gesamten Lebensmittelversorgung in den Vereinigten Staaten als ultraverarbeitet.
