Unitree H2-X: Humanoider Roboter springt aus vier Metern und übersteht Stürze
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer chinesische Robotikhersteller Unitree Technology hat einen neuen humanoiden Roboter namens H2-X präsentiert. Das unter der Bezeichnung „Kung Fu Legend: Guardian“ vermarktete Modell demonstriert in einem veröffentlichten Video bemerkenswerte physische Belastungsproben.
Der Roboter springt dabei auf Autodächer, übersteht Stürze aus mehreren Metern Höhe und führt Flugtritte aus. Das Unternehmen positioniert das System primär für anspruchsvolle Einsätze in Rettungs- und Sicherheitsbereichen.
Dynamische Vorführungen und Rettungsszenarien
In dem rund 61 Sekunden langen Clip, den das Unternehmen auf Plattformen wie X und YouTube publizierte, werden diverse Härtetests gezeigt. Die Aufnahmen seien nach Angaben von Unitree echt und nicht künstlich beschleunigt.
Zu sehen ist unter anderem, wie der H2-X mit Tritten und Schlägen gegen eine Wagentür vorgeht, Dellen an Tür sowie Motorhaube hinterlässt und dabei Scheiben sowie Außenspiegel beschädigt. Zudem springt die Maschine aus einer Höhe von vier Metern mit einer anschließenden Vorwärtsrolle auf den Boden, springt von Containern herab und vollführt Saltos sowie Tritte.
Neben den physischen Demonstrationen inszenierte das Unternehmen gestellte Rettungsszenen. So hebt der Roboter die Frontpartie eines Fahrzeugs an, um eine darunter eingeklemmte Übungspuppe zu befreien, stößt eine andere Puppe vor einem herannahenden Fahrzeug aus dem Gefahrenbereich und greift gegen simulierte Angreifer ein. Als Einsatzziele nennt der Hersteller die physische Interaktion unter Hochbelastungs- und Extrembedingungen wie Rettung und Sicherheit.
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Technische Basis und offene Fragen zur Autonomie
Technisch baut die Neuentwicklung auf der bestehenden H2-Plattform auf, die 2025 vorgestellt worden war. Der H2-X misst 182 Zentimeter bei einem Gewicht von etwa 70 Kilogramm und verfügt über 31 Freiheitsgrade sowie verstärkte Beingelenke für Sprünge. Die Gelenke der Beine erreichen Drehmomente von bis zu 360 Newtonmetern, während die Armgelenke auf bis zu 120 Newtonmeter ausgelegt sind.
Die Traglast der Arme liegt bei rund sieben Kilogramm Nennlast und erreicht in der Spitze etwa 15 Kilogramm. Zudem integriert das System eine Onboard-Rechenleistung von bis zu 2.070 TOPS sowie Schnittstellen für Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2. Aus Sicherheitsgründen wird ein Abstand von zwei bis drei Metern zum Roboter empfohlen.
Trotz der dynamischen Bewegungen bleiben wesentliche Details zur Steuerung offen. Weder die Autonomie noch der Umfang menschlicher Eingriffe während der Demos wurden erklärt, weshalb eine autonome Ausführung bislang nicht bestätigt ist. Zudem wurden für den H2-X weder ein Verkaufspreis noch ein vollständiges Datenblatt oder ein Liefertermin genannt.
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Diskrepanz bei Laufzeitangaben und Marktumfeld
Diskussionen werfen auch die Angaben zur Energieeffizienz auf. Unitree bewirbt den H2-X mit einer Laufzeit von bis zu etwa acht Stunden. Laut dem Hersteller widerspreche diese Kombination aus Ausdauer und Spitzenkraft der Branchenannahme, wonach dynamische Humanoide schwere Energiefresser sein müssten.
Bildschirmtexte im Video und Berichte schränken diesen Wert jedoch ein: Die beworbene Maximalausdauer gilt für den reinen Standbetrieb und nicht für Gehen, Kampf- oder Rettungsarbeiten. Spezifische Bedingungen bezüglich Temperatur, Nutzlast oder Bewegungsanteil wurden nicht veröffentlicht. Das H2-Basismodell erzielt mit einem 0,972-Kilowattstunden-Akku eine Laufzeit von etwa drei Stunden.
Unitree wurde 2016 von Wang Xingxing gegründet, brachte 2023 den H1 heraus und erweiterte das Angebot später um die Modellreihen G1 und H2. Nach eigenen Angaben lieferte der Hersteller im Jahr 2025 über 5.500 humanoide Roboter aus, was laut Unitree rund 39 Prozent des weltweiten Marktes entsprach.
Der Umsatz stieg 2025 auf 1,7 Milliarden Yuan, nach 392 Millionen Yuan im Jahr 2024. Beim Börsengang in Shanghai im August 2026 zu 150,8 Yuan je Aktie nahm das Unternehmen 904 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung nahe neun Milliarden US-Dollar ein; rund einen Monat nach dem Börsendebüt notierten die Aktien 44 Prozent im Minus. Unitree erklärte, die Kommerzialisierung von Humanoiden stehe noch am Anfang.
