UniversitĂ€t Nagoya: BCAT1 treibt ĂŒberschieĂende Narbenbildung im Herzen an
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach einem Herzinfarkt fĂŒhrt der Umbau des geschĂ€digten Gewebes hĂ€ufig zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen. Eine am 16. Oktober 2026 im Fachjournal Journal of Clinical Investigation veröffentlichte Studie unter Leitung der UniversitĂ€t Nagoya zeigt nun einen neuen Ansatzpunkt: Die gezielte Blockade des Enzyms BCAT1 verringerte in Tierversuchen die Ausbildung von Herzfibrose nach einem Infarkt und trug dazu bei, die Herzfunktion zu erhalten.
Der Mechanismus der ĂŒberschieĂenden Narbenbildung
Nach einem Myokardinfarkt setzt im betroffenen Herzgewebe ein natĂŒrlicher Heilungsprozess ein. Abgestorbene Herzmuskelareale werden schrittweise durch kollagenhaltiges Bindegewebe ersetzt.
Diese Struktur ist zunĂ€chst notwendig, um die StabilitĂ€t der Herzwand zu sichern. VerlĂ€uft die Narbenbildung jedoch ĂŒberschieĂend, versteift das Gewebe zunehmend, was die Pumpleistung des Herzmuskels dauerhaft schwĂ€cht und in eine Herzinsuffizienz ĂŒbergehen kann.
Die Forschungsgruppe der UniversitĂ€t Nagoya identifizierte das Enzym BCAT1 als maĂgeblichen Treiber dieser Fehlentwicklung. Das Enzym versorgt die Zellen mit der AminosĂ€ure Prolin, die bis zu 20 % der Bausteine von Kollagen ausmacht, und kurbelt auf diese Weise die Produktion von Bindegewebe massiv an.
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In Versuchen mit genetisch verÀnderten MÀusen, bei denen BCAT1 ausgeschaltet war, bildete sich nach einem Infarkt deutlich weniger Narbengewebe als bei Kontrolltieren. Zudem blieb die Pumpfunktion des Herzens bei den Knockout-MÀusen besser erhalten.
Therapeutischer Ansatz mit dem Inhibitor ERG240
Neben den genetischen Modellen untersuchten die Wissenschaftler auch medikamentöse Interventionsmöglichkeiten. Dabei kam der Inhibitor ERG240 zum Einsatz, der die AktivitĂ€t von BCAT1 hemmt. Der Wirkstoff zeigte ebenfalls eine deutliche Wirkung bei den Versuchstieren. Dieser Effekt trat auch dann ein, wenn die Behandlung erst 7 Tage nach dem Infarkt begann â zu einem Zeitpunkt, an dem die Bildung von Narbengewebe bereits eingesetzt hatte.
Dass der Mechanismus nicht auf Tiermodelle beschrÀnkt ist, legen ergÀnzende Untersuchungen an menschlichem Gewebe nahe. Die Analyse von Herzgewebeproben von Herzinsuffizienz-Patienten ergab, dass in stark fibrotischen Arealen auffallend erhöhte BCAT1-Spiegel vorlagen.
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Hoher Bedarf an zielgerichteten Therapien
Die Befunde gewinnen vor dem Hintergrund der globalen Krankheitslast an Bedeutung. Laut der Studie tragen fibroseassoziierte ZustĂ€nde in LĂ€ndern mit hohem Einkommen zu bis zu 45 % aller TodesfĂ€lle bei. Bislang existiert keine zugelassene Therapie, die eine bestehende Fibrose vollstĂ€ndig zurĂŒckbilden oder entfernen kann.
An der wissenschaftlichen Untersuchung waren neben der UniversitĂ€t Nagoya auch Forscher der UniversitĂ€ten Kyushu und Tokushima beteiligt. Die Erkenntnisse liefern eine detaillierte Grundlage fĂŒr die weitere Erforschung von BCAT1 als potenziellem pharmakologischen ZielmolekĂŒl bei der Behandlung chronischer HerzschĂ€den.
