Unternehmensstrukturen, Judith

Unternehmensstrukturen: Judith Muster erklÀrt, warum Projekte scheitern

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Judith Muster sieht starre AblĂ€ufe als Ursache betrieblicher Probleme und plĂ€diert fĂŒr mehr Befugnisse sowie passende Entscheidungswege.
Ein minimalistisch gestalteter moderner Innenraum mit klaren geometrischen Linien und natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wenn Projekte in Unternehmen ins Stocken geraten oder Prozesse fehlschlagen, geraten meist FĂŒhrungskrĂ€fte ins Visier der Kritik. Oftmals wird das Problem jedoch an der falschen Stelle gesucht.

Wie die Organisationssoziologin Judith Muster von der UniversitÀt Potsdam und Partnerin bei Metaplan in einem Bericht vom 16. Oktober 2026 darlegt, liegt das Scheitern betrieblicher AblÀufe in den allermeisten FÀllen an den bestehenden Organisationsstrukturen und nicht an individuellen UnzulÀnglichkeiten des Personals. Die VerhÀltnisse prÀgen das Verhalten der Beteiligten, nicht umgekehrt.

Das PhÀnomen des strukturellen Eigenschutzes

HĂ€ufig reagieren Betriebe auf Ineffizienzen mit Mustern, die Muster als Strukturschutz bezeichnet. Anstatt bestehende Rahmenbedingungen grundlegend zu hinterfragen, greifen Unternehmen zu personellen Wechseln, verordnen kostspielige Coachings oder flĂŒchten sich in methodische Neuerungen. Dazu zĂ€hlen etwa die EinfĂŒhrung agiler Arbeitsweisen oder von Scrum-Frameworks sowie das Aufsetzen neuer Kennzahlensysteme und Rankings.

Dieser Reflex diene vor allem dazu, die bestehende Grundordnung unangetastet zu lassen. Symptome wĂŒrden auf Personen verlagert, wĂ€hrend die eigentlichen systemischen Ursachen fĂŒr Reibungsverluste ungelöst blieben.

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Die drei Ebenen einer Organisation

Um das Innenleben von Unternehmen zu verstehen, unterscheidet die Soziologin drei zentrale Dimensionen:

  • Die Schauseite: Sie umfasst die nach außen und innen prĂ€sentierten Leitlinien, Werte und formulierten Zielbilder.
  • Die formale Seite: Hierzu zĂ€hlen offizielle ZustĂ€ndigkeiten, Kennzahlen, Organigramme und Hierarchien.
  • Die informale Seite: Sie beschreibt die tatsĂ€chlich gelebte Praxis im Arbeitsalltag, die sich unabhĂ€ngig von Vorschriften entwickelt.

Zwischen diesen Ebenen entstehen regelmĂ€ĂŸig Spannungen. Wenn formale Prozesse die reale Arbeit behindern, greifen BeschĂ€ftigte zu pragmatischen Ausweichbewegungen. Diese im Arbeitsalltag etablierten Abweichungen bezeichnet die Organisationsforschung als brauchbare IllegalitĂ€ten: Mitarbeiter umgehen starre Vorgaben bewusst, um operative Aufgaben ĂŒberhaupt noch erfolgreich bewĂ€ltigen zu können.

Fehlende Befugnisse und Überlastung

Ein zentrales Problem liegt laut Muster darin, dass FĂŒhrungskrĂ€ften oft die notwendigen formalen Hebel fehlen, um auf Fehlentwicklungen wirksam zu reagieren. Wer Verantwortung fĂŒr Ergebnisse trage, mĂŒsse auch ĂŒber echte operative Befugnisse verfĂŒgen – etwa bei der Gestaltung von SchichtplĂ€nen oder der eigenstĂ€ndigen Urlaubsplanung im Team.

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Fehle dieser Handlungsspielraum, geraten LeitungskrĂ€fte in eine Sandwich-Position zwischen betrieblichen Zielvorgaben und operativen Blockaden. Dies fĂŒhre auf Dauer zu chronischer Überforderung und erhöhe das Risiko von Burnout-Erkrankungen.

Ein nachhaltiges Organisationsdesign setzt daher nicht an kurzfristigen Verhaltenstrainings fĂŒr Einzelne an. Vielmehr mĂŒssen Betriebe bereit sein, ihre formalen Strukturen, Berichtswege und Entscheidungsrechte so zu justieren, dass sie die praktische Arbeit unterstĂŒtzen statt sie zu blockieren.

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