Urintest MyProstateScore 2.0: Erkennt 97% der Prostatakrebse
18.06.2026 - 01:30:46 | boerse-global.de
Präzisere Diagnosen, robotergestützte Operationen und neue Medikamente verbessern die Heilungschancen – und erhalten gleichzeitig die Lebensqualität der Patienten.
Urintest erkennt 97 Prozent aller relevanten Tumoren
Ein einfacher Urintest könnte bald viele unnötige Biopsien überflüssig machen. Der „MyProstateScore 2.0“ (MPS2) erkannte in einer Studie mit 330 Männern unter aktiver Überwachung 97 Prozent der klinisch relevanten Tumoren. Laut den Ergebnissen ließen sich bis zu 64 Prozent der unnötigen Biopsien vermeiden. Damit übertraf das Verfahren sogar die Erkennungsrate einer MRT-Untersuchung.
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Roboterchirurgie erhält Kontinenz und Potenz
Das AKH Wien setzt neue Maßstäbe in der Chirurgie. Als erste Klinik außerhalb der USA führte es ein prostataerhaltendes robotisches Verfahren ein. Ziel ist es, Tumoren präzise zu entfernen, ohne Kontinenz und Sexualfunktion zu beeinträchtigen. Der Ansatz markiert einen Paradigmenwechsel: weg von maximaler Radikalität, hin zu gezielten, funktionserhaltenden Eingriffen.
Neue Hoffnung für Hochrisiko-Patienten
Für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs zeichnen sich wirksamere Therapien ab. Die Phase-3-Studie PROTEUS untersuchte die Kombination von Apalutamid mit Hormonentzugstherapie (ADT). Bei 2.109 Patienten verbesserte sich die Rate des pathologischen vollständigen Ansprechens auf 8,9 Prozent – gegenüber 1,0 Prozent in der Kontrollgruppe. Das metastasenfreie Überleben nach fünf Jahren lag bei 78,2 Prozent.
Noch vielversprechender sind erste Daten zu VIR-5500, einem PSMA-gerichteten T-Zell-Engager. In einer Phase-1-Studie mit 58 Patienten sank der PSA-Wert bei der höchsten Dosierung bei der Mehrheit der Probanden um mindestens 50 Prozent. Die Nebenwirkungen blieben überwiegend mild.
FDA gibt grünes Licht für NanoKnife-Studie
Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte am 17. Juni 2026 die Zulassung für die RELIEF-Machbarkeitsstudie des Unternehmens AngioDynamics. Geprüft wird das „NanoKnife“-System zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung (BPH). Die Studie ist auf 40 Probanden ausgelegt und soll die Wirksamkeit über bis zu fünf Jahre untersuchen.
Ein weiterer Meilenstein: FocalTherics und MellingMedical schlossen Mitte Juni eine Vereinbarung, um robotische HIFU-Systeme (High-Intensity Focused Ultrasound) für US-Veteranen zugänglich zu machen. Die Prostatakrebs-Inzidenz ist in dieser Gruppe doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.
CyberKnife: Drei statt fünf Bestrahlungen
In Deutschland setzt die AOK Bayern auf spezialisierte Radiochirurgie. Ein Exklusivvertrag mit dem Europäischen Radiochirurgie Centrum München ermöglicht Versicherten eine neuartige CyberKnife-Bestrahlung. Das Verfahren reduziert die Anzahl der Sitzungen von fünf auf drei und verkürzt die Behandlungszeit pro Termin. Angesichts von rund 99.800 erkrankten Männern allein in Bayern (Stand 2023) zeigt sich der enorme Bedarf an effizienten Therapien.
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Nanopartikel und Lichtschalter: Die Zukunft der Krebstherapie
Die Grundlagenforschung arbeitet an Methoden, um bisher schwer behandelbare Tumoren angreifbar zu machen. Forscher von Weill Cornell Medicine entwickelten PSMA-gezielte Silica-Nanopartikel. In Zellmodellen lösen sie eine spezielle Form des Zelltods (Ferroptose) aus und aktivieren das Immunsystem gegen den Tumor.
Einen anderen Ansatz verfolgt die ETH Zürich. Dort entstand ein lichtgesteuerter molekularer Schalter, der spezifische Rezeptoren in Tumorzellen abbaut. Die Methode weckt ruhende Zellen und macht sie für herkömmliche Therapien verwundbarer. Zwar wurde der Schalter primär bei Lungenkrebs getestet, doch sehen die Wissenschaftler großes Potenzial für Prostatakarzinome – über den Androgenrezeptor.
