USSD-Code *#62#: Betrüger täuschen Überwachung vor und greifen SIMs an
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 00:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deKriminelle nutzen gefälschte Mobilfunk-Updates, Rabatte und angebliche Bonus-Aktionen, um die Kontrolle über fremde SIM-Karten zu erlangen und Bankkonten leerzuräumen. Nach Berichten von Fachmedien und Verbraucherschützern zielen die Angreifer darauf ab, Bestätigungscodes abzufangen und TAN-Freigaben für betrügerische Überweisungen oder Kredite zu erschleichen.
Phishing-Mails locken mit Rabatten und fingierten Gutschriften
Wie COMPUTER BILD unter Berufung auf Mimikama am 27. Oktober 2026 berichtete, zirkulieren unter anderem Phishing-Nachrichten, die Empfängern einen exklusiven Rabatt von 70 Prozent auf einen WLAN-Verstärker der Deutschen Telekom versprechen.
Um Dringlichkeit zu erzeugen, arbeiten die Täter mit Codes wie FIRST200 und Angaben wie dem Hinweis auf angeblich nur noch 162 verbleibende Einlösungen, während die Anrede mit Formulierungen wie an Deutsche Telekom Kunden unpersönlich bleibt.
Ziel der Aktion ist es, Nutzer zum Anklicken von Links und zur Eingabe persönlichen Daten zu verleiten. Die Telekom selbst ist nicht der Absender dieser Angebote und empfiehlt, Aktionen ausschließlich über die eigene Website oder die offizielle App des Anbieters zu überprüfen.
Zudem warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der Preisgabe von Zugangsdaten im Kontext von Phishing-Kampagnen, bei denen Kriminelle mit angeblichen Gutschriften über 135,95 Euro auf gefälschte Webseiten locken, um Bankdaten abzugreifen.
Vorgetäuschte Bankanrufe und missbrauchte Steuercodes
Nach der Eingabe von Daten auf Phishing-Seiten folgt häufig die nächste Stufe des Betrugs. Das Computer-Notfallteam der Sparkassen-Finanzgruppe warnt vor Telefonanrufen, bei denen Kriminelle mithilfe gespiegelter echter Bankrufnummern auftreten.
Die Anrufer fordern Betroffene dazu auf, fremde Geräte zu registrieren oder TANs freizugeben. Verbraucherschützer und Sparkassen betonen, dass nicht selbst veranlasste TAN-Anfragen konsequent abgelehnt werden müssen. Wurden Daten bereits auf verdäigkeits Seiten eingetragen, sollte der Zugang zum Online-Banking umgehend gesperrt werden.
Gleichzeitig registrieren Institute neue Vektoren zur Täuschung der Kunden. Die T-Bank warnt vor Betrügern, die Opfer zur Eingabe des USSD-Codes *#62# auf dem Smartphone bewegen wollen. Die Täter behaupten dabei wahrheitswidrig, dieser Code entlarve eine behördliche oder kriminelle Überwachung des Anschlusses. Tatsächlich zeigt die Zahlenkombination lediglich die standardmäßige Rufumleitung des Mobilfunkanbieters an, wenn das Gerät nicht erreichbar ist. Weder Behörden noch Finanzinstitute verlangen die Eingabe solcher Steuerbefehle.
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Hohe Schäden durch unbemerkten SIM-Tausch
Das Abfangen von Bestätigungscodes über die sogenannte SIM-Übernahme verursacht weltweit erhebliche finanzielle Verluste. Der Sicherheitsexperte Miguel Ángel Gaspar warnt davor, dass Betroffene oft stundenlang nicht bemerken, dass ihre SIM-Karte deaktiviert wurde, wenn sie sich im WLAN aufhalten, während Angreifer Verifizierungscodes abfangen. Neben Social Engineering nutzen Kriminelle Sicherheitslücken und Nachlässigkeiten beim Identitätsabgleich bei Mobilfunkanbietern aus.
In der Ukraine führten unberechtigte Neu-Ausstellungen von SIM-Karten zuletzt zu gravierenden Verlusten bei Kunden der PrivatBank. In einem Fall aus Krywyj Rih nahmen Kriminelle nach einem SIM-Tausch einen Kredit auf und hoben 41.600 Hrywnja ab.
In weiteren gemeldeten Fällen verschwanden 105.000 Hrywnja sowie über 215.000 Hrywnja von den Konten Betroffener, nachdem Anrufer sich als Mitarbeiter von Anbietern wie Kyivstar oder lifecell ausgegeben hatten.
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Empfehlungen zur Schadensbegrenzung
Experten raten dringend dazu, für sensible Dienste auf Authenticator-Apps, Push-Freigaben oder hardwarebasierte FIDO2-Sicherheitsschlüssel statt auf SMS-Codes zu setzen. Zudem sollten Mobilfunkkunden Angebote zur Sperre eines Fern-SIM-Tauschs aktivieren, eigene Nummern mit Passdaten absichern und niemals per SMS zugestellte Sicherheitscodes weitergeben.
Ist bereits Geld abgeflossen, bestehen die besten Aussichten auf eine Rückholung nach Angaben von Advocado bei Zahlungen per SEPA-Lastschrift, Kreditkarte oder Bezahldiensten mit integriertem Käuferschutz. Bei klassischen Banküberweisungen oder Transaktionen mit Kryptowährungen ist die Chance auf eine Erstattung hingegen deutlich geringer.
